TV-Rolle

Als Schauspieler zurück zu den Wurzeln

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Es ist eine Rolle wie auf den Leib geschneidert: Der Bad Vilbeler Patrick Dewayne ist ab heute in der Mini-Serie „Bad Banks“ auf Arte, ab Samstag im ZDF zu sehen. Hätte Dewayne diese Rolle nicht bekommen, hätte er wohl auch mit der Schauspielerei aufgehört, sagt er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Für den 41-jährigen Patrick Dewayne aus Bad Vilbel ist das Börsenparkett keine ungewohnte Umgebung. Nicht nur, dass er auf dem Fernsehsender „Welt“ (früher „N24“) die Börsennachrichten präsentiert. Er ist auch ausgebildeter Investment-Banker, hat nach eigener Aussage auf dem Handelsflur der Deutschen Bank „am großen Rad gedreht“. Doch dann löste er sich vom Schlips – auch gedanklich. Und wurde Schauspieler.

Nun kehrt er zurück auf die Bühne des Großkapitalismus. Denn ab heute Abend um 20.15 Uhr sind auf Arte die ersten vier von sechs Folgen zu sehen, die weiteren Episoden folgen am morgigen Freitag ab 20.15 Uhr. Wiederholt wird die Serie am Samstag, Sonntag und Montag im ZDF. Beginn am Samstag ist um 21.45 Uhr, am Sonntag um 22 Uhr, am Montag um 22.15 Uhr.

Dewayne spielt dort den Handelsleiter (Head of Trading) Liam. Und er steht mit wahrlicher Prominenz vor der Kamera. Denn ebenfalls zur Besetzung gehören unter anderem Désirée Nosbusch, Tobias Moretti und Jean-Marc Barr. Kollegen, von denen Dewayne nach mehreren privaten Gesprächen nur schwärmen kann.

Und die ihrerseits auch von Dewayne lernen konnten. Denn als Mann vom Fach hat er nicht nur den preisgekrönten Regisseur Christian Schwochow und den Hauptautor Oliver Kienle in das Selbstverständnis und die Sprache von Investment-Bankern eingeführt. Auch die arrivierten Stars profitierten von den Erfahrungen Dewaynes im großen Geschäft. „Es gibt da ein paar klassische Sätze, die auf meinem Mist gewachsen sind“, sagt der Massenheimer.

13 Drehtage in zweieinhalb Monaten standen für Dewayne auf dem Programm. Gedreht wurde nicht nur in Frankfurt, sondern auch in Berlin und Luxemburg. Doch Dewayne musste schon kämpfen, um überhaupt dabei zu sein. „Ich hatte mich nach neuen Produktionen umgesehen und bin dabei auf ,Bad Banks’ gestoßen. Dann habe ich Regisseur Christian Schwochow kontaktiert“, schildert Dewayne.

Doch der hatte die Besetzung schon relativ dicht, wollte erst gar nicht zusagen. Schließlich haben sich die beiden doch in Potsdam gesprochen, Dewayne hat Schwochow davon überzeugt, dass er die Serie authentisch gestalten kann. „Was sollte mehr zu mir passen? Ich hätte wohl auch die Schauspielerei aufgegeben, wenn er mich nicht genommen hätte“, sagt er. Und so wird er neben den Hauptfiguren in jedem Teil der Serie zu sehen sein. Und er hofft natürlich auf eine Fortsetzung, eine zweite Staffel.

Dewaynes Frau Cornelia, mit der der 41-Jährige drei Kinder hat, ist Lehrerin für Mathe und Französisch am Georg-Büchner-Gymnasium, was sich als weiterer Pluspunkt für Dewayne herausstellen sollte. Denn ihm fiel nun auch die Aufgabe zu, die Komparsen auf ihre Auftritte vorzubereiten, auf Deutsch, Englisch und auch Französisch.

Für Dewayne ist das aktuelle Engagement eine hervorragende Gelegenheit, sein Können erneut unter Beweis zu stellen. Erste Erfahrungen sammelte er in über 100 Folgen von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, seine größte Produktion bislang aber war „Point Break“, die Neuauflage des Surfer-Krimis „Gefährliche Brandung“. Auch wenn Dewayne dort nur in einer kleinen Rolle als Flugzeugpilot auftrat.

Viele weitere Filme sollten folgen, auch als Musiker war Dewayne erfolgreich, landete mit dem Lied „Alles was bleibt“ in den deutschen Top 20. Auftritte als Model und Moderationen, etwa beim Autosalon in Genf und Paris, gehören ebenfalls zum Repertoire.

Privat hat sich das Leben Dewaynes geglättet. Als Baby wurde er adoptiert, wuchs in seinen ersten drei Lebensjahren in Bad Homburg auf, später in Niederdorfelden. „Aber ich bin ab der fünften Klasse in Bad Vilbel zur Schule gegangen, habe hier beim FV Fußball gespielt.“ Heute lebt er in Massenheim. Seine leiblichen Eltern, einen dunkelhäutigen amerikanischen Soldaten und seine deutsche Mutter, machte er erst als Erwachsener ausfindig. „Mit meiner Mutter hatte ich nicht so viel Kontakt, sie starb auch im Jahr 2012“, sagt er.

Doch seinen Vater besucht er regelmäßig in Florida. Dewaynes Mutter hatte ihm damals gesagt, dass das Kind nicht von ihm sei, trotzdem hat der Vater ein Foto mitgenommen und behalten. Er ist heute noch beim Militär, arbeitet in einem Veteranenhospiz als Seelsorger. Dewayne freut sich darüber, dass er und seine beiden Halbgeschwister väterlicherseits ebenfalls Kontakt haben, gemeinsam mit dem Vater etwa eine Italien-Rundreise unternommen haben. Sein leiblicher Vater hat sogar einen Teil der Zeremonie übernommen, als sich Patrick Dewayne und seine Frau Cornelia im Jahr 2015 lange nach dem Standesamt noch einmal in der Kirche das Ja-Wort gaben.

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