Burgfestspiele

Schillerndes Porträt eines Künstlerlebens

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Während der Burgfestspiele wird das Schauspiel „Wie im Himmel“ präsentiert, das die Zuschauer mit seiner emotionalen Vielschichtigkeit beeindruckt. Die Premierengäste erlebten ein bewegendes Fest des Lebens unter freiem Himmel und feierten das Stück mit gebührendem Applaus.

Daniel Daréus (Tino Lindenberg) ist ein gefeierter Stardirigent, bis er eines Tages während eines Konzertes zusammenbricht und einen Herzinfarkt erleidet. Er beendet seine Karriere und kehrt in sein schwedisches Heimatdorf zurück. Eigentlich will er sich von der Welt zurückziehen, aber dann lässt er sich überreden, den Kirchenchor Vilbelcanto als Kantor zu leiten. Bei seiner Arbeit mit dem Chor der kleinen Gemeinde entfaltet sich vor ihm ein ganzer Mikrokosmos menschlicher Sorgen und Nöte. Er ist überglücklich, als er erkennt, dass er mit Hilfe der Musik einen Weg in die Herzen der Menschen findet und ihnen ein neues Selbstvertrauen vermitteln kann. Es ist die Erfüllung seines Traumes, mit dem er vor Jahrzehnten aus dieser Gegend aufgebrochen war.

Das Schauspiel nach dem Film von Kay Pollak wird in der Brunnenstadt in der deutschen Übersetzung von Jana Hallberg gegeben. Regie führt Milena Paulovics. Die Berlinerin ist freiberufliche Regisseurin und inszenierte über zehn Jahre regelmäßig am Staatstheater Cottbus.

Sie zeigt dem Premierenpublikum ein schillerndes Künstlerporträt, das von Liebe bis hin zum Tod eine große Bandbreite an Emotionen birgt. Zwar findet Daniel in der blonden Lena (Mirjam Sommer) die Liebe seines Lebens, doch bringt seine Anwesenheit auch die herrschenden Verhältnisse in der Provinz in vielerlei Hinsicht ins Wanken. Schon bald stellen sich ihm Neider in den Weg.

Auf die Erzählform der Geschichte wirkt sich positiv aus, dass die handelnden Figuren in kleinen, prägnanten Szenen charakterisiert werden. Virtuos werden mehrere Zeitebenen miteinander verknüpft. Paulovics schaut dabei tief in den Spiegel der Gesellschaft und zeichnet subtil das klischeehafte Bild einer nordschwedischen Provinzgemeinde und ihrer Bewohner, die unter der Doppelmoral der protestantischen Kirche leiden.

Pfarrer Stig Berggren (Julian Mehne) predigt wider Unmoral, während er gleichzeitig Pornozeitschriften versteckt, ohne die ihm ein erfülltes Sexualleben nicht möglich wäre. Der jähzornige Lastwagenfahrer Conny (Niklas Herzberg) schlägt seine Frau und wird von der Dorfgemeinschaft gedeckt. Neuankömmling Daréus gelingt es, mit Unterstützung Lenas die Fesseln der Ignoranz zu lösen. Besonders die Probleme im Zwischenmenschlichen sind hervorragend dargestellt und zeigen, wie schädlich Neid und Prüderie wirken.

Zugleich ist die Geschichte ein ergreifender Appell für Mitmenschlichkeit, Respekt und Toleranz im Umgang miteinander. Die Zuschauer erleben, dass bei den Menschen um Daniel nicht alles perfekt ist. Dass es eben nur ein bisschen „wie im Himmel“ ist.

Denn Gabriella (Jenny Klippel) muss am Ende mit zwei Kindern ein neues Leben anfangen, die Pfarrersfrau Inger (Britta Hübel) verlässt ihren geliebten Ehemann und Lena leidet. Entscheidend ist die Botschaft, auf sich selber zu hören, denn erst dann, hört man auch den anderen zu. Der Applaus der Festspielbesucher wirkt nachhaltig.

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