Umweltschutz

Schüler sammeln Zigarettenkippen ein

Zwei Tage haben Schüler der John-F.-Kennedy-Schule Zigarettenkippen gesammelt. Dies war keine Strafarbeit: Dahinter steckt ein ernsthaftes Problem.

Immer noch etwas ungläubig schauen Ante, Jan, Boran und Azra auf die vor ihnen auf dem Tisch liegenden Tüten. Aus ihnen strömt starker Tabakgeruch. „Ich glaube niemand von uns hat erwartet, dass das so viele werden würden“, sind sich die vier Klassensprecher einig. „Tausend, klar. Aber nicht so viele.“ An zwei Tagen der Projektwoche haben die Schüler der 7d und 7e der John-F-Kennedy-Schule 18 000 auf den Boden geworfene Zigarettenkippen gesammelt. Mit Müllsäcken und Plastikhandschuhen ausgerüstet machten sich die zwei Hauptschulklassen auf den Weg.

Besonders für Azra (13) brauchte es am Anfang etwas Überwindung: „Man geht ja nicht jeden Tag durch die Stadt und hebt Zigarettenkippen auf. Die Leute schauen, manche lachen einen aus. Das ist schon ein komisches Gefühl. Doch nach einer Stunde war es mir dann irgendwann egal.“ Überall in der Stadt waren die 36 Schüler unterwegs – am Bahnhof, in der Neuen Mitte, am Eingang von Geschäften. Überall ergab sich das gleiche Bild: „Die Leute schmeißen ihre Zigarettenreste einfach auf den Boden“, sagt Boran (12). „Teilweise sogar direkt neben die dafür vorgesehenen Aschenbecher.“

Gebracht hat die Aktion den Schülern Gutes und Schlechtes. „Toll war, dass viele uns angesprochen und nachgefragt haben, was hinter der Aktion steckt“, sagt Ante (12). „Aber viele haben uns auch einfach nur komisch angeschaut. Als ich mit einem Klassenkameraden am Alten Rathaus gesammelt habe, ist ein Passant dort richtig laut geworden und hat uns beleidigt. Er dachte wir machen Strafarbeiten. Zum Glück kam dann Herr Lukarsch aus der Metzgerei, der wusste von der Aktion und hat ihn beruhigt. Der Passant war danach ganz kleinlaut, hat sich entschuldigt und uns einen Kakao ausgegeben.“ Denn hinter der Aktion steckt eine ernste Sache: Zigarettenkippen verdrecken nicht nur den Boden, sondern die darin enthaltenen Schadstoffe gelangen mit dem nächsten Regen auch ins Grundwasser.

„Jede Zigarettenkippe kann zwischen 40 und 60 Liter Grundwasser verseuchen“, rechnet Boran. „Wenn man die Mitte von 50 nimmt, kommt man mit unseren 18.000 Zigarettenkippen auf 900.000 Liter Grundwasser, die wir an diesen zwei Tagen in nur sieben Stunden gerettet haben.“ Das sind etwa 6000 mittelgroße Badewannen.

Die Folgen können beträchtlich sein: Fische können sterben und das Wasser wird ungenießbar. Vielen Passanten war das überhaupt nicht bewusst. „Wir haben das dann erzählt und bei machen sind die Augen echt groß geworden“, erinnert sich Azra. „Die haben uns versprochen, in Zukunft die Kippen richtig wegzuwerfen. Andere waren aber richtig asozial und haben demonstrativ ihre Kippe vor uns auf den Boden geworfen.“

Bereits im Vorfeld der Aktion haben sich die Schüler der beiden Klassen mit der Thematik beschäftigt. So wurde unter anderem eine ZDF-Doku geschaut, in der das Thema erklärt wurde. „Im Rahmen der Projektwoche ist immer auch ein soziales Projekt vorgesehen“, erklärt die Klassenlehrerin der 7d, Regina Florian.

„Eine Freundin hatte mich auf das Thema gebracht. Sie sammelt bereits seit einiger Zeit Zigarettenreste in Bad Vilbel. Ich fand das eine tolle Idee: Umweltbewusstsein und Soziales verbinden.“ Von dem Projekt haben die Schüler einiges mitgenommen. „Gut ist es natürlich, gar nicht erst anzufangen zu rauchen“, sagt Azra. „Aber wenn man schon muss, dann bitte die Kippen auch in den Mülleimer!“

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