Gespräch mit einem Experten

Wie sieht die Zukunft der Mobilität aus?

Stau! Für viele Autofahrer die an einem Wochentag morgens aus der Wetterau in Richtung Frankfurt unterwegs sind, gehört er zum Morgen wie sonst nur Frühstück und Kaffee. Manche Ecken wie die Homburger Straße in Bad Vilbel sind besonders vom Berufsverkehr betroffen, quasi überall ist das zunehmende Verkehrsaufkommen zu spüren. Doch was kann man dagegen tun? Sind mehr Straßen tatsächlich eine Lösung?

Stau! Für viele Autofahrer die an einem Wochentag morgens aus der Wetterau in Richtung Frankfurt unterwegs sind, gehört er zum Morgen wie sonst nur Frühstück und Kaffee. Manche Ecken wie die Homburger Straße in Bad Vilbel sind besonders vom Berufsverkehr betroffen, quasi überall ist das zunehmende Verkehrsaufkommen zu spüren. Doch was kann man dagegen tun? Sind mehr Straßen tatsächlich eine Lösung?

Prof. Dr. Stephan Rammler ist Direktor des Instituts für Zukunftsstudien in Berlin, unter der Überschrift "Mobilität jenseits des Verkehrskollapses" kam er am Mittwochabend auf Einladung der Wetterauer Grünen in das Kulturzentrum Dortelweil.

"Wachsendes Verkehrsaufkommen ist überall in Deutschland in den Metropolregionen ein Problem", sagt Kathrin Anders, Listenkandidatin der Grünen für die Landtagswahl aus der Wetterau. "Jeder sieht, wie voll morgens manche Straßen sind. Fahrverbote in Frankfurt, die werden auch uns in Bad Vilbel betreffen." Immer wieder hatten Bürger angeregt, dass sich die Grünen des Themas Mobilität mehr annehmen sollten, die Einladung Professor Rammlers sollte einige Impulse geben.

"Elektrofahrzeuge alleine reichen nicht", ist Rammler überzeugt. "Es muss ein allgemeines Umdenken im Bereich der Mobilität geben. Der Individualverkehr ist kein Weg in die Zukunft: Alleine Auto fahren ist auf Dauer nicht nachhaltig und verstopft unsere Straßen."

Doch dagegen etwas zu tun, ist sehr schwierig." Der Verbrennungsmotor, das selbst Besitzen und selbst Fahren des Autos sind wichtige Charakteristika unserer Mobilität", sagt Rammler. "Das eigene Auto ist zum Beispiel seit Langem ein Statussymbol, das auch eine soziologische Bedeutung hat. Welches Auto ich fahre, sagt viel darüber aus, wer ich bin und was ich anderen Personen übermitteln möchte."

Doch das ist ein Problem, wenn man bedenkt, wie viel die Autos genutzt werden. "Im Durchschnitt steht jedes Auto 23 Stunden am Tag und wird nicht genutzt", weiß Rammler aus einer Studie. "Das ist schon rein ökonomisch, aber vor allem auch ökologisch und aus Nachhaltigkeitsaspekten eine Katastrophe, bedenkt man, wie viel Technik und Materialien  in dem Fahrzeug stecken."

Doch auch Elektroautos seien keine Lösung, ist Rammler überzeugt. "Ersetze ich alle Autos mit Verbrennungsmotor durch E-Autos, dann ändert sich ja nichts daran, dass die Straßen weiterhin verstopft sind", erklärt der Professor. "Außerdem benötigen diese neuen Fahrzeuge enorme Mengen an Seltenen Erden, sind also bei der Herstellung alles andere als Nachhaltig, auch wenn sie beim Fahren kein CO2 ausstoßen."

Daher sei die einzige Möglichkeit die Mobilität an sich zu verändern. "Öffentliche Verkehrsmittel müssen verbessert, Carsharing-Angebote ausgebaut und der Fahrradverkehr gefördert werden", ist Rammler überzeugt. Besonders in Skandinavien habe dieses Konzept bereits Früchte getragen.

"Schauen wir uns etwa Kopenhagen an, dort geschieht 40 Prozent des innerstädtischen Verkehrs mit dem Rad", sagt Rammler. "Selbst die Lieferwagen wurden durch effiziente E-Bikes ersetzt. Gerade im Logistikbereich sind die Fahrzeuge viel unterwegs und sind besonders schmutzig. Und das geht auch hier in Deutschland, das Interesse ist groß. Der Elektroscooter der Deutschen Post ist da nur ein Beispiel."

Doch ohne Druck von oben werde alles weiter seinen Gang gehen und nichts wird sich verändern, meint Rammler. "Die Politik, ob lokal oder auf Länderebene, muss hier eingreifen und die ersten Schritte zur Verkehrswende fördern." Denn ohne die Menschen gehe es nicht, deren Herzen müssen gewonnen werden. "Die neue Mobilität muss so attraktiv werden wie möglich", erklärt Rammler. "Wenn ich zum Beispiel in den Urlaub fahre und weiß, dass die Bahn unzuverlässig ist, dann fahre ich mit dem Auto und nutze vor Ort auch kein Carsharing-Angebot.

"Das wichtigste Ziel muss daher zuerst sein, diese Umstände zu verbessern. Das neue System muss sich am bisherigen System messen lassen." Das hier ein kostenloser Nahverkehr förderlich sein könnte, davon ist Rammler jedoch nicht überzeugt. "Wir brauchen das Geld, denn die Fahrpreise werden ja in die Infrastruktur reinvestiert.

Der Staat allein kann das in keinem Fall komplett übernehmen." Ein-Euro-Tickets, wie es sie bereits für Schüler gibt, könnten jedoch ein großer Erfolg sein: Wien habe seit Jahren ein Ein-Euro-Ticket für alle. Seitdem sei die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel enorm gestiegen und der Individualverkehr zurückgegangen. Eines sei jedoch klar, betont Rammler. "Die Verkehrswende muss jetzt beginnen, sonst werden wir von den Folgen übermannt werden." Und das müsse verhindert werden.

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