Hebammen

Silke Mehltretter eröffnet in Massenheim eine Hebammenpraxis

Für werdende Mütter ist es eine Katastrophe: In Deutschland gibt es immer weniger Hebammen. Rein wirtschaftlich füllt Silke Mehltretter mit ihrer neuen Praxis also eine Marktlücke. Aber ihr Job ist für die Hebamme weit mehr: Nämlich eine echte Herzensangelegenheit.

„Für mich war Hebamme zu sein immer eine Berufung“, sagt Silke Mehltretter. Sie sitzt in ihrer gemütlichen Praxis, die sie vor Kurzem im Massenheimer Gesundheits-Gut eröffnet hat. „Mein Großvater hatte eine eigene Arztpraxis, ich bin sozusagen dort aufgewachsen“, erzählt sie. „Da war es für mich logisch später auch etwas im Gesundheitsbereich zu machen.“

Anstatt Medizin zu studieren, entschied sie sich jedoch, Hebamme zu werden. „Ich wollte relativ schnell auch selbstständig werden“, erinnert sich Mehltretter. „Einige Jahre habe ich dann in einer Klinik als Hebamme gearbeitet, doch nach der Geburt meiner eigenen Kinder habe ich mich dann für die Selbstständigkeit entschieden. So konnte ich meine Arbeit meiner Familiensituation anpassen.“

Das Besondere am Hebammenberuf ist, dass sie die werdenden Mütter über einen langen Zeitraum begleitet. „Viele melden sich direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest an, was auch sehr wichtig ist“, sagt Mehltretter. Wer sich erst nach der zehnten Schwangerschaftswoche bei ihr meldet hat schlechte Chance: „Ich bin oft schon ausgebucht.“

Viele Frauen vermissten eine Hebamme später schmerzlich: „Sie unterschätzen besonders beim ersten Kind die Herausforderungen, die eine Schwangerschaft und Elternschaft mit sich bringen“, weiß Mehltretter, die selbst drei Kinder hat. „Kinder- und Frauenarzt können bei vielen Problemen nur bedingt helfen, dafür braucht es schon eine Hebamme. Stillberatung ist zum Beispiel sehr wichtig. Ich nehme mit die Zeit für die Frauen, sie können ihre Ängste und Sorgen äußern.“

Die Betreuung der Schwangeren reicht vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende der Stillzeit. „Das einzige Angebot, das ich nicht mache, ist die Geburt selbst“, sagt Mehltretter. „Ich bereite die Frauen aber sehr gut darauf vor.“ Eine „selbstbestimmte Geburt“ sei vielen Frauen heute wichtig.

Sind sie zu Hause angekommen, besucht Mehltretter Mutter und Kind in der ersten Woche, später gibt sie Tipps, beispielsweise zum ersten Baden. Später kommen die Eltern zu ihr in die Praxis. „Wichtig ist mir aber auch, mich schnell überflüssig zu machen“, sagt sie. „Die Mutter muss auch ohne mich zurechtkommen.“

Diese langfristige Betreuung ist sehr gefragt, denn nur wenige bieten sie an. „Viele Hebammen arbeiten in Krankenhäusern oder geben Geburtsvorbereitungskurse“, weiß Mehltretter. Eine ausführliche Umsorgung sei selten.

Doch nicht allen Frauen kann Mehltretter helfen. „Ich bin auch nur eine Person und kann nicht zu jedem nach Hause kommen“, erklärt sie. Für alle, die dennoch den Rat der Expertin suchen, bietet sie Sprechstunden im Gesundheits-Gut an. „Die

Dankbarkeit ist enorm

“, sagt sie. „Die Mütter sind oft sehr verzweifelt, fühlen sich allein gelassen und sind enorm glücklich, hier Hilfe zu bekommen.“ Frauen aus der ganzen Region kämen zu ihr, sagt sie.

Ein immer wiederkehrendes Thema: das Stillen. „Stillen ist enorm wichtig für die Entwicklung des Kindes“, sagt die Hebamme. „Wird nicht gestillt, kann das weitreichende Folgen haben: Lungenerkrankungen, Allergien, Übergewicht.“ Außerdem sei die Brust zu geben wichtig für die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Mehltretter hat nun auch eine Heilpraktikerprüfung abgelegt. „Ich hatte zwar zuvor schon einen Master in Akupunktur, das Problem dabei war jedoch, dass ich es nur im Rahmen meiner Hebammentätigkeit anwenden durfte“ sagt sie. „Nach dem Wochenbett war also Schluss, obwohl viele Frauen ja auch so Probleme haben.“ Diese Lücke habe sie nun geschlossen und könne von Jugendlichen bis zu Frauen in den Wechseljahren allen helfen.

Tag der offenen Tür

Am Samstag, 18.August, findet in der Praxis, Hainstraße 2, ein Tag der offenen Tür statt. Weitere Informationen: .

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