Schulsozialarbeit an der John-F.-Kennedy-Schule

Spielen, bevor es Stress gibt

  • vonDieter Deul
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Schulsozialarbeit soll dafür sorgen, dass aus Problemen keine Konflikte erwachsen. Doch die Finanzierung ist unsicher. Das Schulamt habe den Schulen verboten, eigene Mittel zu verwenden, kritisiert die SPD. Das Kultusministerium widerspricht. An der John-F.-Kennedy-Schule ist der Erziehungshelfer noch bis Sommer verfügbar.

Seit einem Jahr kümmert sich Thorsten Eckel um die Kennedy-Schüler, seine Vorgängerin Joyce Löhl ist in der Elternzeit. Gerade ist große Pause. Auf dem Schulhof wird er gleich von Philipp, Maurice und David angesprochen. Das Sechstklässler-Trio hat keine Sorgen, sondern sucht noch Mitspieler für ein kleines Fußball-Match. Eckel lässt sich gerne darauf ein. „Er ist voll cool“, findet David, „er macht alles mit und erlaubt uns viel.“ Über solche freundschaftlichen Spiele erreiche man die Schüler viel eher als mit festen Angeboten, findet Eckel.

Oft erfährt er von Sorgen, die die Schüler mit sich herumtragen – mit dem Resultat, dass sie sich weniger auf den Unterricht konzentrieren können und anderen gegenüber aggressiver auftreten. Er erzählt von einem Schüler, in dessen Familie es gehäuft Todesfälle gab, dann sei auch noch ein Freund weggezogen.

Eckel sprach mit dem Jungen über seine Verlustängste. Und dann ist da noch der Fall eines Jugendlichen aus einer Migrantenfamilie. Dort funktioniere zu Hause alles nach dem Muster Befehl und Gehorsam. Eckel erzählt, er habe versucht, dem Jungen neue Perspektiven zu geben. Viele Schüler hätten Schwierigkeiten, Regeln einzuhalten, sagt Eckel. Er will vermitteln, Rat geben. Doch sein Job ist bis zum Schuljahresende befristet. Derzeit arbeitet er 20 Stunden an der JFK, den Rest als Erziehungshelfer in Frankfurt.

„Fassungslos mussten wir die Mitteilung von einigen Schulen zur Kenntnis nehmen, dass die Schulamtsdirektorin Rosemarie zur Heiden den Schulen untersagt hat, Gelder aus den USF-Mitteln, der den Unterricht unterstützenden sozialpädagogischen Förderung, als auch aus dem kleinen oder großen Schulbudget für die Schulsozialarbeit zur Verfügung zu stellen“, klagt die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Kreistagsfraktion, Kristina Paulenz.

Dem widerspricht Stefan Löwer, Pressesprecher des Hessischen Kultusministeriums. USF-Mittel stünden allen hessischen Schulen zur Verfügung, um Lehrer, Sozialpädagogen oder Erzieher zu bezahlen. Das hilft JFK-Schulleiter Mayböhm nicht weiter. Aus diesem Topf finanziert er die Nachmittagsbetreuung „Lernzeit“ im Ganztagsbereich, wo alle Schüler eine verbindliche Hausaufgabenbetreuung erhalten. Beim Umwidmen der Mittel „ist die ,Lernzeit’ in der Förderstufe beendet“.

Der Wetteraukreis, so Pressesprecher Michael Elsaß, bewerbe sich beim Land, das ein Modellprojekt in Nordhessen habe, bei dem Schulen eine Lehrerstelle oder 46 000 Euro erhalten. Die vom Kreis geförderte Schulsozialarbeit in Friedberg und Büdingen sei 2014 ausgelaufen, weil Schulen oder Kommunen kein Geld mehr einbrachten. In Hirzenhain stemmt ein Förderverein die halbe Stelle.

Das nordhessische Modell, die Drittel-Finanzierung, „steht nicht zur Verfügung“, betont Kultus-Sprecher Löwer. „Schulsozialarbeit ist eine wahnsinnig wichtige Aufgabe“, betont die Bad Vilbeler Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP), „wir sind gerne bereit, etwas dazuzugeben.“ Die Stadt lasse beim Hessischen Städte- und Gemeindebund prüfen, ob sie diese freiwillige Leistung wegen des ungenehmigten Haushalts übernehmen dürfe.

Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) ergänzt, durch die Nähe des Freizeitzentrums Efzet leiste die Stadt schon jetzt Sozialarbeit durch Kontakte zu den Schülern. Zudem gibt Stöhr zu bedenken, dass die Stadt alleine acht Millionen Euro an Kreisumlagen zahle. Dennoch wolle man eine finanzielle Beteiligung überdenken.

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