Ritterweiher wird eingezäunt

Stadt will Unfälle und gerichtliche Konsequenzen vermeiden ? auch Hochwasserschutz kommt

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Was viele Bad Vilbeler schon länger befürchtet hatten, bewahrheitet sich nun: Der Ritterweiher in der Kernstadt wird eingezäunt. Doch es passiert noch mehr rund um das bisher idyllische Gewässer.

Eigentlich war Johannes Wolf vom Büro für Geoinformatik, Umweltplanung und neue Medien (GPM) wegen eines ganz anderen Themas in Bad Vilbel zu Gast. Er sollte in mehreren Gremien über Untersuchungen zum neuen Bebauungsplanentwurf für die Smart City im Quellenpark Auskunft geben (wir berichteten). Doch was Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) jüngst im Ortsbeirat der Kernstadt ankündigte, ließ ihm die Hutschnur platzen.

Denn der Ritterweiher entlang der Landgrabenstraße, ein beliebter Ort zum Spazierengehen und wegen seines Spielplatzes auch zum Toben für die Kleinen, wird nun abgesperrt. Damit setzten sich Entwicklungen fort, die bereits vor Jahren ihren Anfang nahmen. Spätestens seit dem Tod dreier Geschwister im Juni 2016 in Nordhessen gibt es Debatten um mehr Sicherheit an stehenden Gewässern.

Nun steht das Ergebnis dieser Diskussion für den Ritterweiher fest: Er wird durch einen 1,80 Meter hohen Doppelstabzaun rundum abgesichert. "Es wird drei Zugänge für Angler und für Wartungsmitarbeiter geben, die Tore sind aber nur per Chip zu öffnen", erläutert Wysocki. Und er liefert auch den rechtlichen Hintergrund. Denn offiziell ist der Weiher ein Regenrückhaltebecken. "Damit handelt es sich um ein technisches Gewässer", schildert Wysocki. Und die müssten abgesperrt werden, egal ob aus nacktem Beton oder in die Natur eingebettet.

Dies gilt nicht für natürliche Seen oder gar Flüsse. Umweltplaner Johannes Wolf hat dafür wenig Verständnis. Natürlich könne er Eltern und die Sorgen um ihre am Wasser spielenden Kinder verstehen, räumt er ein. Doch derartige Gefahren hätten schon immer bestanden, Eltern müssten an Gewässern auf ihre Kinder aufpassen. Stattdessen derartige Biotope mitten in der Stadt abzusperren, bringt den Umweltplaner auf die Palme.

Doch Wysocki führt aus, dass es vermehrt Anfragen und Aufforderungen gegeben habe, den Weiher abzusperren, vor allem nachdem im Sommer ein zweijähriges Kind in einem Wassergraben im Frankfurter Zoo ertrunken war. Deswegen sicherten sich immer mehr Kommunen ab. Das Regelwerk besage, dass technische Gewässer unabhängig von ihrer Ausgestaltung abzusperren seien. Auch habe sich die Stadt Empfehlungen unter anderem vom Hessischen Städte- und Gemeindebund geben lassen.

Noch in diesem Jahr soll der Bau des Zaunes über die Bühne gehen. "Der Auftrag ist vergeben, wir warten nun darauf, dass die Firma Zeit für die Ausführung hat", sagt Wysocki mit Verweis auf die vollen Auftragsbücher der Handwerksunternehmen.

Doch noch eine weitere Baustelle gibt es derzeit am Ritterweiher. Über den Nutzen dieses Vorhabens dürfte ungeteilte Zustimmung herrschen. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Überschwemmungen im Bereich des Ritterweihers, wenn Starkregen und der satte Boden im Stadtwald dazu führten, dass sich enorme Wassermassen ihren Weg in Richtung Kernstadt bahnten. Der Bereich rund um die Kleingärten und des Spielplatzes am Ritterweiher stand dann tief unter Wasser.

Um dies zu verhindern, begann nun der Aushub eines Grabens, dank dem das Wasser besser abfließen können soll. Gemeinsam mit Klaus Kniese vom Fachdienst Tiefbau/Abwasser, der für das städtische Kanalwesen zuständig ist, machte sich Wysocki ein Bild von dem Projekt, das fortan die Überschwemmung des Gebiets verhindern soll.

"Gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr und unseren Experten im Fachdienst haben wir bereits mehrere Maßnahmen zum Schutz vor Hochwasser getroffen. Der nun ausgehobene Graben wird ein effektiver Schutz vor der Überschwemmung in diesem Gebiet", erklärt Wysocki hierzu.

Mit einem neuen Entwässerungskanal am Beginn des Grabens sowie einer elektronischen Wasserstandsregelung für den Ritterweiher wird der Graben ergänzt.

"Das System sorgt dafür, dass am Ritterweiher automatisch Wasser abgelassen wird, wenn im Graben größere Mengen angespült kommen. Es muss daher niemand mehr ausrücken und händisch diese Ab- und Zufuhr regeln, womit wir wertvolle Zeit gewinnen", erläutert Kniese. Da die Straße vom Stadtwald kommend zum Graben hin abfällt, wird das Wasser, das aus dieser Richtung fließt, in den Graben geleitet, der es aufgrund seiner Tiefe aufnehmen und kanalisiert weiterführen kann.

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