Trockenheit und Hitze

Stadtbrandinspektor warnt: Jede Sekunde droht ein Feuer

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Seit Wochen hat es nicht richtig geregnet. Die Wiesen sind vertrocknet und der kleinste Funke könnte einen Flächenbrand verursachen. Die Feuerwehren in Karben und Bad Vilbel rechnen ständig mit einem Einsatz und appellieren an den gesunden Menschenverstand der Bevölkerung.

Mit Stadtrandinspektor Christian Becker in diesen Tagen durch die Karbener Landschaft zu fahren, ist ein aufregendes Unterfangen: „Dort hinten könnte etwas sein“, ruft er und blickt weit in die Ferne. Vom Parkplatz an der Waldhohl in Groß-Karben erspäht er irgendwo am Wald hinter Okarben eine rauchartige Säule.

Becker weiß: „Es könnte jederzeit irgendwo anfangen zu brennen.“ Anhaltende Trockenheit und Hitze haben das Feuerrisiko auf Feldern und in Wäldern in den vergangene Tagen massiv steigen lassen.

Die auffällige Rauchsäule am Horizont verfliegt schnell wieder, vermutlich war es nur Staub. Becker atmet auf. Sein Blick lässt jedoch erahnen, dass er gleich doch noch einmal am Wald von Okarben vorbeifährt – zur Sicherheit. Denn wenn ein Feld Feuer gefangen hat, zählt jede Sekunde: „Trotz der Wärme ist es leicht windig“, erklärt Becker. Schon ein kleines Feuer kann sich so in kürzester Zeit über ein ganzes Feld ausbreiten und einen sogenannten Flächenbrand verursachen.

„Deswegen ist es umso wichtiger, sofort die Feuerwehr zurufen, wenn es irgendwo in der Natur brennt“, betont Becker. Da gibt es keine Ausreden. Immer wieder höre er davon, dass Personen, die ein Feuer entdeckt haben, nicht die Feuerwehr rufen, weil sie Angst vor möglichen Kosten haben. „Das ist völliger Humbug“, schimpft Becker, und noch mehr: „Es hätte schon vieles verhindert werden können, wenn immer sofort die Feuerwehr gerufen worden wäre!“

Erst vor wenigen Tagen sei es richtig knapp gewesen. Ein Flächenbrand unmittelbar neben dem Karbener Wald war diesem schon bedrohlich nahe gerückt. „Ich dachte ich muss sämtliche Verstärkung rufen, weil gleich der Wald brennt“, schildert Becker. Doch die Brandschützer hatten Glück: Die Senioren, die das Feuer meldeten, waren schnell genug. Gerade noch rechtzeitig konnte ein Überspringen auf den Wald verhindert werden.

Drei Flächenbrände zählte Becker in den vergangenen zwei Wochen. Und die nächsten werden sicher folgen. Schuld ist daran meist der Mensch, explizit: Raucher. Denn brennende Zigaretten, die achtlos in die Umwelt geworfen werden, sind immer noch die Ursache Nummer eins für ein Feuer in der Natur. Ebenfalls gefährlich sind Glasscherben oder nicht gelöschte Holzkohle vom Grillen. Doch sogar ein Auto, dass auf einer Wiese parkt, kann durch seine Hitze bereits ein Feuer unter sich auslösen.

„Es ist überall strohtrocken. Die Bevölkerung muss sehr darauf achten, jetzt nicht mit offenen Feuer zu hantieren“, betont auch Bad Vilbels Stadtbrandinspektor Karlheinz Moll. „Wir sind innerlich darauf vorbereitet, dass es jederzeit irgendwo brennen könnte.“

Ein Problem für die Brandbekämpfer ist dabei, dass es in weiter Flur kaum Hydranten gibt. Deshalb sind derzeit alle verfügbaren Löschfahrzeuge bis zum Rand mit Wasser gefüllt. 4000 Liter fasst etwa das größte Tanklöschfahrzeug der Stadt Karben, das zweitgrößte immerhin 2400 Liter.

Einzelne Tropfen, die vom Himmel fallen, beruhigen Becker nicht: „Es müsste jetzt schon einen ganzen Tag regnen, damit das Risiko gebannt ist“, erklärt er. Ein solcher Regen ist jedoch nicht in Sicht, im Gegenteil: „Die Situation wird sich weiter zuspitzen!“

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