Stark sein, wenn es um Gewalt geht

  • VonDieter Deul
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Wo fängt Gewalt an – und wie können Jugendliche sie rechtzeitig stoppen? Das ist das Thema einer Ausstellung im Efzet für Schüler ab der fünften Klasse. An 24 interaktiven Schautafeln können sie Konfliktsituationen durchspielen und erfahren, wo es Hilfe gibt.

Fundas Freund hat, ohne zu fragen, einige ihrer CDs mit nach Hause genommen, heißt es auf der Stelltafel „Strittig!“ Die Besucher können sich zwischen zwei Reaktionen unterscheiden, erläutert Melanie Marschall vom Kinder- und Jugendbüro (KJB). Sollen sie die aggressive „Du-Botschaft“ aussenden? „Du bist das Allerletzte, immer denkst du nur an dich?“ Oder besser mit einer Ich-Botschaft um Mitgefühl bitten? „Ich bin sauer, weil du einfach meine CDs weggenommen hast. Frag mich bitte vorher.“ Es geht um Gewalt in der Präventions-Ausstellung „Echt fair“ – aber der Titel besagt, dass es da nicht nur um Handgreiflichkeiten geht, sondern auch um subtile Formen der Missachtung. Und um „Wege in eine gewaltfreie Zukunft“, wie Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP) betonte.Schon vor einem Jahr hat sich Marschall um die Ausstellung bemüht, die von der Berliner Interventionszentrale gegen häusliche Gewalt und dem Kieler Präventionsbüro „Petze“ zusammengestellt wurde. Noch bis zum 26. März, einen Tag vor den Osterferien, ist die Ausstellung im Efzet zu sehen. Die Lage am Schulzentrum passt – denn 17 Klassen der John-F.-Kennedy-Schule (JFK), des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG) und der Europäischen Schule sollen sie im Zweistunden-Takt besuchen.

Große Grauzone

Die Ausstellung wird vom 29. Juni bis 17. Juli auch im Friedberger Kreishaus zu sehen sein. Auch wenn Gewaltdelikte in Bad Vilbel offiziell keine Rolle spielen, so gibt es doch gute Gründe für das Aufklärungsprojekt. „Es gibt eine große Grauzone, wo Opfer sich nicht trauen, das publik zu machen“, sagt JFK-Schulleiter Peter Mayböhm. Sei es, weil sie nicht wehleidig sein wollten, dächten, „mir hilft ja eh’ keiner“ oder aus Angst vor Rache. Derlei setzen die Tafeln mit fantasievollen Gestaltungen um.

Keine heile Welt

„Guckies“ sind an einer Tafel namens „Heile Welt?“ angebracht. Sie ermöglichen einen Lupenblick auf ein Schild: „Warum nimmt sich mein Stiefvater überall zusammen – nur zu Hause nicht“, fragt Kemal (13). Forschungsergebnisse belegten, das Miterleben häuslicher Gewalt wirke sich auf Kinder und Jugendliche so massiv aus, als seien sie selbst unmittelbar von der Gewalt betroffen, heißt es im Begleittext zur Ausstellung. Auch in der Schule seien die Folgen solcher Erlebnisse sichtbar, in Form von Konzentrationsstörungen, Depression oder Mobbing und Gewalt.

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