Kombibad

Steht das Projekt Bäder-Paradies in Bad Vilbel vor dem Aus?

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Zur immer längeren Hängepartie wächst sich der geplante Bau des Bad Vilbeler Kombibads aus. Nun erreicht eine weitere Hiobsbotschaft Bad Vilbel. Doch zumindest einer bleibt zuversichtlich.

Dass Bäderkönig , dürfte man schon als tragisch genug bezeichnen dürfen. Wenige Tage zuvor hatte es noch freudige Nachrichten gegeben, der erste Spatenstich für das rund 200 Millionen Euro teure war für März angesetzt worden.

Doch nach dem Tod Wunds war dieser Termin wieder passé. Nun kommen bei der Bad Vilbeler Opposition Zweifel daran auf, ob es überhaupt noch zum Spatenstich kommen wird. Zumal es eine weitere Nachricht gibt, die nicht gerade Optimismus aufkommen lässt.

Für die SPD etwa werden die Fragezeichen zum Bau der Wund-Therme immer größer. Denn wie der „Südkurier“ berichtete, schließt das Architekturbüro der Firmengruppe mit Sitz in Friedrichshafen Ende Juli seine Pforten. Die Mitarbeiter sollen demnach entlassen werden. Und auch bezüglich des Wund’schen Testaments, das Klarheit darüber geben soll, wer künftig im Konzern den Taktstock führt, gibt es noch keine Neuigkeiten.

Das Architekturbüro indes gilt als „Keimzelle“ der Bäderprojekte, von hier stammen die Entwürfe für die modernen Bauten. Hier entstanden die Skizzen für die Thermen in Bad Wörishofen, Erding, Sinsheim, Euskirchen oder das Badeparadies Schwarzwald. Das Besondere der Thermen sind die riesigen Glasdächer, die sich in Minutenschnelle öffnen lassen.

Für die SPD ist dies eine Nachricht, die die geplante Umsetzung der Therme in Bad Vilbel noch unsicherer, aber zumindest komplizierter machen wird. „Die SPD-Fraktion hat in den vergangenen Monaten keine weiterführenden Informationen zum Projekt Wund-Therme erhalten. Unser Vertrauen in eine kooperative, fraktionsübergreifende und konstruktive Herangehensweise an das Projekt ist auf dem Tiefpunkt“, sagt dazu der Fraktionsvorsitzende Christian Kühl. Sollte sich diese unzureichende Informationspolitik fortsetzen, werde die SPD ihre Zustimmung zu dem Projekt Wund-Therme überdenken.

Parteichef Horst Seißinger erläuterte die weitere Vorgehensweise der SPD: „Bevor über Alternativen diskutiert wird, sollte die rechtliche Situation geklärt werden. Sollte ein Ausstieg der Stadt sich aber als sinnvolle Alternative erweisen, würde die SPD die gesamte Diskussion neu aufrollen. Dann würde man nach der Sommerpause eine Mitgliederversammlung zu dem Thema durchführen und sicher auch die Idee eines Kombibads am Standort des jetzigen Freibads wieder

aufgreifen.“

Auch bei den Grünen gibt es kritische Stimmen: „„Wir wollen schnellstmöglich vom Bürgermeister wissen, wie wahrscheinlich es noch ist, dass das Kombibad von den Wund-Erben oder der Stiftung gebaut wird“, sagt der Fraktionsvorsitzende Jens Matthias. „Seit Monaten werden wir ohne Informationen hingehalten, obwohl es immer mehr beunruhigende Informationen über das Projekt gibt.“

So habe Stadtwerke-Betriebsleiter Klaus Minkel bereits im Mai von Unsicherheiten bei dem Projekt berichtet. Die Grünen seien aus zwei Gründen sehr besorgt. „Gerade werden mit dem Abriss des Hallenbads Fakten geschaffen, die dazu führen können, dass wir als Kurstadt auf Jahre hinaus kein Hallenbad mehr haben. Und zweitens sind wir auf die Einnahmen aus dem Kombibad angewiesen, um uns den Betrieb der neuen Stadthalle leisten zu können“, sagt Christopher Mallmann, Mitglied im Finanzausschuss.

Die Grünen erwarten spätestens nach der Sommerpause vom Bürgermeister eine klare Stellungnahme, ob die Stadt noch von einer Realisierung des Projektes in den nächsten Jahren rechnet und welche Verpflichtungen bereits unumkehrlich gegenüber Wund eingegangen wurden. Minkel hatte tatsächlich im Mai von Unsicherheiten gesprochen. Auch jetzt sagt er: „Es mag Friktionen auf dem Weg zum Ziel geben.“

Allerdings: „Das Ziel wird aber nicht aufgegeben. Der Nutzen und die finanziellen Vorteile für unsere Stadt sprechen für das Projekt.“ Denn Minkel hält daran fest, dass die Kernkompetenzen der Wund-Gruppe trotz der Schließung des Büros erhalten bleiben. Und Bad Vilbel sei nach wie vor erste Wahl: „Wir haben bundesweit den besten Standort anzubieten. Die Rentabilität der Wund-Bäder ist enorm hoch.“

Deswegen rät Minkel dazu, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Die schlechten Nerven der Genossen möchte ich nicht haben. So kann man keinen Blumentopf gewinnen“, sagt er in Richtung SPD.

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