Bäderkönig-Testament

Stiftung will Wunds Erbe antreten

  • Thomas Kopp
    vonThomas Kopp
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Zumindest für etwas Erleichterung dürften neue Nachrichten zum Testament von Bäderinvestor Josef Wund sorgen. Das ist inzwischen in Bearbeitung, trotz des Chaos’ nach dem Inkrafttreten einer Justizreform in Baden-Württemberg.

Derzeit deutet alles darauf hin, dass die Stiftung von Josef Wund dessen Geschäfte nach seinem Tod durch einen Flugzeugabsturz im Dezember weiterführen kann. Dies bestätigt Martin Hussels, Sprecher des Amtsgerichts in Tettnang im Bodenseekreis. Tettnang liegt knapp 20 Kilometer von Friedrichshafen entfernt, dort hatte Wund nicht nur seinen Wohn-, sondern auch seinen Firmensitz. Da Friedrichshafen kein eigenes Amtsgericht hat, ist Tettnang für alle Angelegenheiten des nördlichen Bodensee-Ufers und somit auch für Friedrichshafen zuständig.

Das Testament von Wund wurde nach Aussage des Amtsgerichts-Sprechers Martin Hussels bereits im Mai eröffnet. „Potenziell betroffene Erben haben wir angeschrieben und darüber in Kenntnis gesetzt“, schildert Hussels. Als Reaktion darauf ist am vergangenen Freitag ein Erbscheinantrag eingegangen. Damit werden Ansprüche angemeldet, die sich auf das Erbe beziehen. Wird ein solcher Antrag durch das Gericht anerkannt, kann der Antragsteller Amtsgeschäfte im Rahmen des ihm zustehenden Anteils anstreben, etwa bei Banken und Versicherungen. „Derzeit prüft ein Sachbearbeiter, ob die Ansprüche berechtigt sind“, erklärt Hussels.

Antragsteller in diesem Fall war die Wund-Stiftung. Diese hatte Josef Wund noch zu Lebzeiten gegründet. Wie er in einem früheren Gespräch mit dieser Zeitung sagte, sollte sie im Falle seines Todes sein Erbe antreten und damit auch das Projekt in Bad Vilbel mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro fortführen.

Weitere mögliche Erbberechtigte haben sich nach Auskunft von Hussels bislang nicht gemeldet. Dazu zählen Josef Wunds Sohn, der die Großtherme in Erding betreibt, sowie eine Tochter, die mit dem Firmengeschäft allerdings nichts zu tun hat, sondern als Lehrerin arbeitet.

Insofern scheint momentan vieles darauf hinzudeuten, dass die Stiftung nach Abschluss des Verfahrens weiter am Bad Vilbeler Projekt arbeiten kann. Wann es so weit ist, kann Hussels allerdings nicht sagen. Angesichts einer Justizreform in Baden-Württemberg herrscht bei den Amtsgerichten „absolutes Chaos“, wie es Hussels ausdrückt. 2800 Erbverfahren lägen nun in den Händen des Amtsgerichts, vorher hatten sich Notare im Landesdienst um Erbangelegenheiten gekümmert. Sie wurden zum 1. Januar an die Amtsgerichte angegliedert.

Trotzdem wird der Sache Wund eine gewisse Priorität eingeräumt, schließlich hängen viele Arbeitnehmer vom Ergebnis des Verfahrens ab. Zudem geht es um hohe Geldsummen, die sich im Firmenkapital befinden.

Doch es gibt noch ein weiteres Problem: Denn derzeit muss sich das Amtsgericht damit beschäftigen, das richtige Testament zu identifizieren. „Es gibt mehrere Schriftstücke, die man als Testament bezeichnen könnte“, führt Hussels dazu aus. Es geht nun unter anderem darum, zu prüfen, welches Testament das aktuellste ist.

Sollte allerdings alles so kommen, wie es Wund zu Lebzeiten noch gesagt hatte, kann die Stiftung mit Sitz in Stuttgart an die weiteren Planungen gehen. Die Baugenehmigung für das Bad Vilbeler Kombibad liegt bereits seit Dezember vor. Sie traf ein, wenige Tage bevor Wund beim Absturz einer Cessna ums Leben gekommen ist. Der Unternehmer hatte nur wenige Tage zuvor seinen 79. Geburtstag gefeiert.

In unserem Dossier gibt es weitere Hintergründe zum geplanten Bauprojekt.

Die Stiftung wurde von Josef Wund errichtet, mit dem Ziel, auf diesem Weg seine Unternehmensnachfolge zu regeln und die Allgemeinheit an seinem wirtschaftlichen Erfolg teilhaben zu lassen. Bislang trat sie vor allem in Erscheinung, wenn es um die Förderung von Projekten aus den Bereichen Bildung, Gesundheit und Kreativität geht. Auch Bad Vilbeler Einrichtungen sollen von den hier erwirtschafteten Geldern profitieren. So war im Dezember ein Termin anberaumt, bei dem eine Bad Vilbeler Kita 15 000 Euro erhalten sollte. Der Termin ist nach dem Tode Wunds geplatzt.

Geschäftsführer der Stiftung ist seit März Christoph Palm, früherer Oberbürgermeister von Fellbach bei Stuttgart. Der muss sich nun damit auseinandersetzen, dass das Architekturbüro Wunds Ende Juli geschlossen wird, die Mitarbeiter müssen sich andere Stellen suchen (wir berichteten gestern). Das Büro hatte Wunds Thermen geplant.

Wie es ohne das Büro gehen soll, wird sich noch zeigen müssen. Die Stuttgarter Stiftung war gestern für eine diesbezügliche Anfrage nicht zu erreichen.

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