Tritt weiter für das Radeln gegen die Einbahnstraße in der Frankfurter Straße ein: der städtische Radverkehrsbeauftragte Joachim Brendel.
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Tritt weiter für das Radeln gegen die Einbahnstraße in der Frankfurter Straße ein: der städtische Radverkehrsbeauftragte Joachim Brendel.

Kritik an Bad Vilbeler Magistrat

Strampeln für mehr Rechte

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Erneute Diskrepanzen gibt es beim Dauerthema Radwege in Bad Vilbel. Einmal mehr vertreten der Fahrradbeauftragte Joachim Brendel und Stadtrat Jörg Frank unterschiedliche Meinungen.

Als seine Pflicht sieht es der städtische Radverkehrsbeauftragte Joachim Brendel an, auf Missstände in der Stadt hinzuweisen. Deswegen verfasste er nun – allerdings in seiner Funktion als zweiter Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs Bad Vilbel (ADFC) – einen offenen Brief an den Magistrat der Stadt und reagiert damit auf Äußerungen des Ersten Stadtrats Jörg Frank (CDU).

Vor allem stört Brendel, dass er immer wieder lächerlich gemacht werde. So habe Frank ihn als „schlauen Radfahrer“ bezeichnet, der pressewirksam „billige Erfolge“ erziele. Der ADFC sei eine reine Radfahrerlobby, die bezüglich der Einbahnstraße in der Frankfurter Straße „auf Kosten der Allgemeinheit“ rechtswidrige Veränderungen einfordere.

Doch habe der ADFC die Stadt immer wieder mit seiner Sachkenntnis unterstützt, wenn es darum ging, auf Gefahrenstellen aufmerksam zu machen, Fehler bei Planungen zu vermeiden und Lösungen für eine zeitgemäße Verkehrsinfrastruktur zu finden. „Dies unerwähnt lassend, scheint es so, als wollten Sie sich vergangene und erwartete Erfolge an die eigene Brust heften“, ärgert sich Brendel über Frank.

Umdenken gefordert

So sei die Idee des Wetterau-Radschnellwegs zwar in Bad Vilbel geboren. Doch der ADFC habe das Projekt mit Leben erfüllt. Während in Friedberg, Bad Nauheim und Karben bereits konkrete Arbeiten begonnen hätten, diskutiere man in Bad Vilbel immer noch. Brendel wundert sich dabei, dass der Radschnellweg gelobt wird, der Ausbau des Pappelwegs zwischen Dortelweil und Karben aber abgelehnt werde. „Ich fände es bedauerlich, wenn dieser seit Jahren von vielen gewünschte Ausbau nicht realisiert wird, weil sich die Stadt nicht in der Lage sieht, ein geltendes Auto-Fahrverbot durchzusetzen.“

Nicht die Idee von Frank hingegen sei es gewesen, in Kooperation mit anderen Kommunen überdachte Stellplätze an den Bahnhöfen einzurichten. Das sei das Verdienst von Georgios Kontos, des Radverkehrsbeauftragten des Regionalverbands Frankfurt/Rhein-Main. Auch hier sei absehbar, dass die Anzahl nicht ausreichen werde, andere Kommunen seien weiter.

Brendel sagt weiter, dass es als gesetzliche Verpflichtung gelesen werden könne, Einbahnstraßen für Radler in Gegenrichtung zu öffnen. Dies sei in vielen Fällen ohne Sicherheitseinbußen möglich. Tempo-30-Zonen aber würden nicht kontrolliert, Radwege seien oft zugeparkt. Hier fordert Brendel ein Gesamtkonzept.

Beim Quellenpark sei eine Berücksichtigung des Radverkehrs nicht in den Plänen zu finden. Und auch die positive Drei-Kreisel-Lösung in der Homburger Straße weise für Radfahrer zahlreiche unzureichende Details auf.

Die bauliche Verdichtung der Stadt fordere ein Umdenken für den Nahverkehr. Dies aber müsse im gegenseitigen Einvernehmen geschehen. Sollten die von Brendel genannten Ziele keine Anerkennung beim Magistrat finden, könne er den erheblichen Zeitaufwand als ehrenamtlicher Radverkehrsbeauftragter nicht mehr rechtfertigen, droht Brendel mit einem Rückzug.

Frank aber sieht sehr wohl die Radfahrer im Fokus von Brendels Interesse. Der Magistrat habe aber alle Belange zu berücksichtigen und auch an die Finanzen zu denken. Allerdings würden die Ziele der Radler sehr ernst genommen. Das zeige sich nicht nur in regelmäßigen Treffen mit dem Tiefbauamt und der Straßenverkehrsbehörde, sondern jüngst auch in der Verkehrskommission, die sich ausschließlich mit Rad-Themen beschäftigt habe.

Kompromiss gesucht

Insgesamt seien die Problemlagen „relativ klein“. „Dass Autofahrer hin und wieder falsch parken und damit andere behindern, ist bekannt. Es ist eine ziemlich banale Erkenntnis, dass die Ordnungspolizei nicht überall sein kann und daher vieles ungesühnt bleibt. Aber insgesamt gesehen muss die städtische Verkehrspolitik sehr erfolgreich sein, weil Unfälle zwischen Fußgängern und Radfahrern in der Unfallstatistik praktisch keine Rolle spielen“, sagt Frank weiter

Die Idee zum Schnellweg „Kurze Wetterau“ stamme von Stadtrat Klaus Minkel (CDU), Landrat Joachim Arnold (SPD) habe die Idee aufgegriffen. Die Radfahrerlobby sei erst später hinzugezogen worden. Brendel habe aber die Ideen zur Verbindung nach Frankfurt skizziert und auch in Gesprächen mit der Stadt Frankfurt eingebracht.

Richtig sei, dass die Zusammenarbeit bei den Fahrradabstellanlagen vom Regionalverband ausging, die Stadt Bad Vilbel hinzugezogen wurde. Sie habe dann aber besondere Pflichten innerhalb der Kooperation übernommen. Auch hier dankt Frank Brendel für die Unterstützung.

Allerdings sei es „unredlich, wenn behauptet wird, ein Verbindungsweg zwischen Dortelweil und Karben sei nicht gewollt. Vielmehr geht es darum, einen Kompromiss zu finden, um keinen Schleichweg für Autos zu eröffnen.“ Daran werde gearbeitet. Demnächst stünden Termine mit der Behörde „Hessen Mobil“ an.

Weiterhin als zu gefährlich schätze der Magistrat das Fahren gegen die Einbahnstraße in der Frankfurter Straße ein. Der Verkehr dort sei immens, die Straße mit 3,50 Metern sehr eng. „Es wäre unverantwortlich, in einer solchen Verkehrssituation auch noch die Radler gegen die Einbahnrichtung zu schicken.“

Alle Teilnehmer der Verkehrskommission hätten klar signalisiert, dass die Mobilität neu überdacht werden müsse und der Radverkehr eine größere Rolle einnehmen solle. „Deshalb ist die Grundstimmung eigentlich sehr positiv für die Radler“, schildert Frank.

Allerdings brauche alles seine Zeit, vor allem, wenn es um Zuschüsse von Landesseite gehe. Das habe sich wieder am Radweg im Burgpark gezeigt, auf die Zuwendung habe man lange warten müssen. Frank sagt, dass er gerne weiter mit Brendel zusammen arbeite. Nach zwei Sitzungen der Verkehrskommission zum Thema ÖPNV gehe es dann wieder um den Radverkehr.

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