Schlechtes Ergebnis beim Fahrrad-Klimatest

Strampeln für neues Radwegekonzept in Bad Vilbel

Als überraschend bewertet die Stadt das deutlich verschlechterte Abschneiden Bad Vilbels in einer bundesweiten Umfrage des Radfahrerverbands ADFC. Es gebe bereits eine gute Infrastruktur, außerdem sei das Radwegekonzept kurz vor der Fertigstellung. Während die Grünen die Schuld beim Magistrat suchen, erhält die Stadtverwaltung Rückendeckung von der CDU.

188 Teilnehmer stellen beim Fahrradklimatest des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Bad Vilbel ein schlechtes Zeugnis aus. Bad Vilbel belegte bundesweit Platz 316 bei 364 abgefragten Städten mit bis zu 50 000 Einwohnern. Im Vergleich zu 2014 eine deutliche Verschlechterung.

Das Ergebnis bewertet der Erste Stadtrat und Verkehrsdezernent Sebastian Wysocki (CDU) als „doch sehr überraschend“ angesichts „diverser Investitionen und Anstrengungen“. So habe man in den vergangenen Jahren viel in den Ausbau des Niddaradwegs investiert und zusätzlich zum Ausbau über den Zweckverband Niddaroute Geld in die Hand genommen, um die Wege breiter gestalten zu können.

150 neue Abstellplätze

Auch im Doppelhaushalt 2017/2018 seien 800 000 Euro für den Ausbau der Radwege eingestellt, berichtet Wysocki. Ausgebaut werden sollen damit insbesondere der Plattenweg auf dem Heilsberg und der Niddauferweg auf der flussabwärts linken Seite.

Die Stadt Bad Vilbel sei überdies der AG Nahmobilität des Landes Hessen beigetreten „und nimmt hier aktiv an der Verbesserung der Nahmobilitätsinfrastruktur bei“, so Wysocki. Ein Beispiel dafür seien die neuen Fahrradabstellanlagen. Am Nordbahnhof, am Südbahnhof und in Gronau seien über 150 neue Fahrradabstellplätze entstanden.

In Massenheim, zählt Wysocki auf, wurde eine Fahrradrampe installiert, die von der Straße An den Banggärten zur Straße Am Weinberg führt, um Radfahrern, die vom Erlenbach kommen, einen kürzeren Weg zu ermöglichen, ohne ihr Fahrrad tragen zu müssen. Wysocki kündigt an, dass das städtische Radverkehrskonzept nunmehr in der Fertigstellung ist, es werde „schon bald mit der Verkehrskommission diskutiert“. „In diesem Konzept finden sich auch und gerade Antworten auf die Frage, welche Optimierungsmöglichkeiten für den Radverkehr bestehen und an welchen Stellen die Radverkehrsinfrastruktur ausgebaut werden kann“, deutet Wysocki an, ohne nähere Beispiele vorab zu nennen.

Bei dem ADFC-Wunsch nach mehr Möglichkeiten, gegen die Einbahnstraßen zu radeln, müsse der Einzelfall beurteilt werden: „Sicherlich kann keine generelle Öffnung aller Einbahnstraßen als zielführend oder hinsichtlich einer positiven Bewertung des Fahrradklimas angestrebt werden“, sagt Wysocki. Entgegen der Darstellung im Fahrradklimatest seien zudem bereits 80 Prozent des Stadtgebiets als Tempo-30-Zone oder verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen.

„Dass die Radfahrer in Bad Vilbel enttäuscht von der fehlenden Fahrradfreundlichkeit sind, haben wir in erster Linie dem Magistrat zu verdanken“, kommentiert hingegen Christopher Mallmann, verkehrspolitischer Sprecher der Vilbeler Grünen, das Ergebnis. Für Alltagsverbindungen werde zu wenig getan. „Der geförderte Radweg an der Nidda ist schön, aber die übrigen Probleme werden seit Jahren nicht gelöst. Andere Städte wie Karben verbessern die Radfahrbedingungen kontinuierlich.“ Parteichef Clemens Breest ergänzt: „Entsprechend groß ist die Erwartung an das angekündigte Radverkehrskonzept. Es ist nur zu hoffen, dass die Stadt wichtige Impulse aus der AG Nahmobilität aufnimmt und nach und nach umsetzt. Die Fahrradboxen an den Bahnhöfen sind da ein ermutigendes Zeichen.“

Nur ein Lobbypapier

Aber: Keine wichtige Einbahnstraße dürfe vom Radverkehr entgegen der Fahrtrichtung genutzt werden. Hier schlage die Strecke vom Marktplatz zum Biwer-Kreisel parallel zur Frankfurter Straße negativ zu Buche. Wenn Baustellen eingerichtet werden, bleibe den Radfahrern oft nur, abzusteigen. Jüngstes Beispiel sei die Baustelle in der Homburger Straße, wo Radfahrer schlicht vergessen worden seien.

Die durch den ADFC vorgestellten Ergebnisse des Klima-Tests für Bad Vilbel spiegeln indes nach Ansicht des Leiters des Arbeitskreises Verkehr der CDU, Oliver Junker, kein durch ein objektives Institut erarbeitetes Ergebnis wider, sondern es sei in erster Linie ein Papier der Radfahrlobby. „Der Aufbau der Fragen, als auch deren Wertung verdeutlichen dies. Derlei Fragen geben ein subjektives Gefühl wider, ohne aber Antworten zu liefern, was der Grund für eine negative Medienberichterstattung war, wieso es zu Konflikten zwischen Radfahrern und Fußgängern und Autofahrern gekommen ist. Dies kann aber eine nur an Gruppe gerichtete Umfrage nicht liefern“, so Junker.

Auch entgegen der Beurteilung der Grünen gebe es bereits eine Vielzahl an Einbahnstraßen, die für den Radverkehr freigegeben sind. Hier erinnerte Junker daran, dass dies im Zuge des Radverkehrskonzeptes nochmals näher betrachtet werden soll.

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