Weltmeister im Zehnkampf

Für Thomas Stewens geht ein Athleten-Traum in Erfüllung

Die Erfolgsliste von Thomas Stewens ist lang. Seine Bestleistungen aber hat der für den TV Bad Vilbel startende Athlet Anfang September im spanischen Malaga getoppt. In der Klasse M 50 ist Thomas Stewens mit 8086 Punkten Weltmeister im Zehnkampf geworden und offizieller Weltrekordhalter.

In der Klasse M 45 hat der Ausnahmeathlet, der vor rund 30 Jahren 1500 Meter in vier Minuten und sechs Sekunden lief und damit eine Zeit für sich verbuchen konnte, die heute noch die Nummer 11 der ewigen Weltrangliste aller Zehnkämpfer ist, einen Sieg an den anderen gereiht, „deutlich über dem bis dahin gelisteten Weltrekord im Zehnkampf der Männer über 50 von 7864 Punkten“ berichtet er. Mit seiner Spitzenleistung ist der leidenschaftliche Sportler äußerst zufrieden, denn diesen Erfolg hat er selbst kaum erwartet.

„Aufgrund einer langen Verletzungspause und einer schwachen Wintersaison hatte ich nur Außenseiter-Chancen“, sagt er. Hinter ihm liegen sechs Jahre harten Trainings, eine schwere Verletzung und zwei Knieoperationen. In Malaga konkurriert er mit drei Zehnkämpfern, die in der ewigen Weltrangliste M50 unter den besten sieben Athleten geführt werden. „Der Spanier José Antonio Vano Urena, Jurgen van Berkum aus den Niederlanden und der US-Amerikaner Brian Coushay waren als klare Favoriten dabei.“

Dieses Zusammentreffen ist außergewöhnlich, aber die Rahmenbedingungen sind nicht optimal. Die Temperaturen liegen weit über 30 Grad, im Stadion gibt es kaum Schatten. Beim 100-Meter- und im Hürden-Lauf sprinten die Athleten gegen den starken Wind, beim Werfen werden sie vom Seitenwind beeinträchtigt. Beim Kugelstoßen sind die lackierten Wurfringe extrem rutschig. Der Anlauf beim Hochsprung muss 50 Zentimeter nach außen geändert werden, da Hindernisse im Weg sind.

Beim Stabhochsprung finden die entscheidenden Sprünge in der einsetzenden Dunkelheit statt. „Dennoch hat sich ein intensiver kameradschaftliche Kampf entwickelt und die Verhältnisse sind ja für alle Athleten gleich“, betont Stewens. Am Ende des ersten Wettkampftages rangiert er in der Zwischenwertung auf Platz eins. „Der Vorsprung war dünn.“ Die Konkurrenten aus Spanien und den Niederlanden sind am zweiten Tag extrem stark. Beim Hürdenlauf geht Stewens überraschend vor den Rivalen mit einer persönlichen Bestzeit von 15,20 Sekunden, trotz des starken Gegenwindes, als erster ins Ziel.

„Ich musste aber auch in den Würfen punkten, um den Vorsprung zu halten“, berichtet der passionierte Zehnkämpfer, der sich beim Diskus-Wurf mit einer Weite von 40,52 Metern durchsetzt. Nach ordentlichen 3,85 Metern im Stabhochsprung erzielt er auch beim Speerwurf die beste Weite des Feldes. Vor dem abschließenden Fünfzehnhundertmeterlauf ist ihm klar: „Ich muss unter fünf Minuten laufen, um zum ersten Mal in meinem Leben die 8000-Punkte-Schallmauer zu durchbrechen“. Mit vier Minuten 57 Sekunden geht er in seiner ehemaligen Parade-Disziplin nur 12 Sekunden hinter dem stärksten Konkurrenten José Antonio Vano Urena ins Ziel.

So reicht der Vorsprung von Stewens aus, um in der Punktwertung vorne zu bleiben. Sieben von zehn Disziplinen hat er am Ende gewonnen. „All meine Träume haben sich erfüllt. Es war fast unwirklich. Ich war völlig erschöpft, aber gesund und hatte keine Schmerzen.“ Nervig findet er die Diskussion um den Weltrekord des Ausnahmeathleten Jean-Luc Duez, der im Oktober 2015 im französischen Tournefeuille einen M 50-Zehnkampf mit 8106 Punkte gewann.

„Dieser Rekord wurde aus mir unbekannten Gründen nicht anerkannt. Jetzt, da meine Punktzahl höher ist als die des letzten gelisteten Weltrekords, aber niedriger als die von Duez, will ich nur von einem deutschen Rekord sprechen, auch wenn meine Leistung leider derzeit offiziell als Weltrekord geführt wird“, so Stewens, der damit auch den deutschen Rekord des deutschen Ausnahme-Zehnkämpfers im Senioren-Bereich Rolf Geese aus dem Jahr 1996 einstellte. Glücklich ist der Unternehmer aus Bad Vilbel auch über die familiäre Unterstützung. „Meine Tochter Lena und ihre Freundin Laura Lauschke waren in Malaga dabei und haben sich vom ersten bis zum letzten Moment hervorragend um mich gekümmert.“

Beeindruckt zeigt er sich vom fairen Wettkampf und dem Gemeinschaftsgeist der Athleten. „Es ist immer ein ganz besonderer Moment, einen Zehnkampf abzuschließen und dann mit der ganzen Mannschaft die Ehrenrunde zu laufen. Diesen Augenblick und diese Atmosphäre vergisst man nie und das war mein Ziel während der vielen harten Trainingseinheiten in den letzten Jahren und der Entbehrungen, die vor allem meine Frau BethAnn und die ganze Familie mittragen und akzeptieren mussten.“

Für die Zukunft hat er sich neue Ziele gesteckt. Er freue sich jetzt auf das Wintertraining und dann auf die Hallenweltmeisterschaften in Polen sowie auf den Zehnkampf, der im Frühjahr in Stendal stattfindet. „Dann kann ich sehen, was bei der erarbeiteten Form unter guten Bedingungen möglich ist.“

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