Handwerk

Till Bause: "Schnitzen bedeutet Entspannen" – Am Dottenfelderhof bietet er Kurse an

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Naturpädagoge Till Bause ist neu in Bad Vilbel. Mitgebracht hat er seine Leidenschaft: Das Schnitzen. Mit der Klinge formt er praktische Holzkunstwerke vom Kleiderhaken bis zum Buttermesser. Dass das im Grunde jeder kann, davon ist er überzeugt. Wir haben ihm beim Arbeiten über die Schulter geschaut.

Es ist ein weiter Weg vom Ast zum Löffel. Millimeter für Millimeter gräbt sich die Klinge ins Lindenholz. Dann drückt Till Bause (34) einmal kräftig den Daumen durch, das Messer ruckt nach vorn, und ein weiterer Span purzelt auf den Haufen vor ihm. Dass er mit dem unförmigen Stück Holz in seinen Händen bald Suppe essen möchte, mag man Bause kaum glauben – außer man geht davon aus, Splitter in der Lippe stören ihn nicht. "Schnitzen ist eine Frage der Ausdauer", sagt der schlaksige junge Mann und setzt sein Messer neu an. Diesmal zieht er es zum Körper hin und die Klinge rauscht über seine Fingerkuppen hinweg. So kann er zwar präziser die Wölbung des Löffels ausarbeiten, für Anfänger ist diese Technik aber nichts.

Das erklärt Bause auch den Kindern, die bereits zum dritten Mal beim ersten Schnitz-Kurs an der Landbauschule des Dottenfelderhofes die Werkbank drücken – freiwillig, versteht sich. Konzentriert schneiden sie Kuhlen in die Äste, die Bause vorher gesammelt hat. Die Löffel, die so entstehen, wollen sie später abschleifen und dann natürlich auch benutzen.

Bause gibt wertvolle Tipps bei der Arbeit: Die Beine breit und dazwischen schnitzen, ist so einer. Die Füßen immer auf dem Boden haben und den Rücken gerademachen, ein anderer. Aber die wohl wichtigste Regel lautet weiterhin: Wer nichts riskieren will, zieht die Klinge immer vom Körper weg – obwohl die Kindermesser abgerundet und etwas stumpfer als andere Schnitzmesser sind.

So oder so: "Dass man sich schneidet, gehört dazu", erklärt Pädagoge Bause in seiner unaufgeregten Art. "Fahrradfahren lernt man ja auch nicht ohne umfallen." Und mit einem Augenzwinkern fügt er an: "Wer schnitzt, der ritzt." Alle paar Wochen säbelt er sich eine Schicht Haut ab, richtig verletzt hat er sich jedoch noch nie. Und das trotz jahrelanger Leidenschaft für das uralte Handwerk.

Erinnerung am Lagerfeuer

Wiederentdeckt hat der 34-Jährige das Schnitzen während seiner Ausbildung zum Naturpädagogen an der Naturschule in Freiburg. Auf einer Studienreise durch Kanada griff er eines Abends am Lagerfeuer wieder zum Messer – und schnitzte seinen ersten Löffel. Eigentlich hatte er damals schon fast vergessen, dass er das bereits als Bub gern gemacht hatte, aber: "Auch da ist es mit dem Schnitzen, wie mit dem Radfahren: Das verlernt man nicht."

Kinder wüssten intuitiv mit dem Holz und der Klinge umzugehen, sagt Bause, der ursprünglich aus dem Hannoveraner Umland kommt. "Schnitzen schult die handwerklichen Fähigkeiten." Und man lerne, selbige nicht zu überschätzen – auch wenn diese Lektion mal wehtun kann, wie der zehnjährige Tilo aus Frankfurt weiß. Eine kleine Narbe am Finger hat er von seinen ersten Schnitzversuchen in einem Sommercamp davongetragen. Am Dotti will er lernen, wie es richtig geht. "Schnitzen ist cool, weil man seine Geduld übt", sagt er, während er ein XXL-Streichholz bearbeitet.

Er recycelt alte Möbel

Das sieht Lehrmeister genauso. Für ihn sei das Schnitzen geradezu meditativ. "Man sieht im Holz seine eigene Wirksamkeit, indem man etwas mit den Händen formt", sagt Bause, der auch gern Steinmetz-Arbeiten erledigt. Mit der Zeit hat er sich hölzern eingerichtet: Aus einem alten Frühstücksbrettchen wurde ein Pfannenwender, aus Ästen Kleiderhaken und aus aufgegebenen Möbelstücken Kämme.

"Holz ist ein toller Werkstoff, weil er nachwächst", sagt Bause, der in Freiburg auch Waldwirtschaft und Umwelt studiert hat. "Das ist gut für die Umwelt." Die Ausnahme: Billig-Betten vom Möbel-Discounter – die kann selbst er nicht recyceln. "Man lernt das Holz kennen, wenn man es bearbeitet."

Die Faszination der Holzarbeit habe er an seinen sechs Jahre alten Sohn, der mit ihm und seiner Lebensgefährtin jüngst aus dem Schwarzwald auf den Bad Vilbeler Öko-Hof gezogen ist, weitergegeben, berichtet er nicht ohne Stolz. Am Dotti arbeitet Bause jetzt in der Landbauschule und als Landwirt, und gibt Handwerkskurse (siehe Kasten), bald auch für Erwachsene.

Ein typisches Schnitz-Holz ist laut Bause übrigens das Lindenholz, das sei weich, aber fragiler als Buche oder Haselnuss. Dafür könne man aus Haselnuss keine Löffel formen – weil die in der heißen Suppe aufquellen würden.

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