Apfelweingaststätte „Zum Knoche“

Tradition trifft auf Moderne

Die Gastwirtschaft „Zum Knoche“ in Massenheim blickt auf eine lange Tradition zurück. Seit 1884 wird dort Apfelwein ausgeschenkt. Der Saft aus dem Streuobst kam bislang jedoch aus der Flasche. Das will der junge Betreiber Marius Meier nun ändern. Er präsentiert gleich noch weitere Neuerungen.

Von STEPHANIE DESIRÉE STOBBE

Er ist erst 27 Jahre alt, doch hat Gaststätteninhaber Marius Meier genaue Pläne, wohin es mit seinem Lokal, dem „Knoche“ in Massenheim, gehen soll. Weiter bergauf, versteht sich. Denn während der Hessen liebstes Stöffche, der Apfelwein, schon quasi zum Inventar der gemütlichen Gastwirtschaft im alten Kern des Vilbeler Stadtteils Massenheim gehört, gab es bislang die nicht-alkoholische Variante, den Apfelsaft, nur aus der Flasche.

Doch das wird sich schon bald ändern. „Ende September fangen wir mit dem Keltern von Äpfeln an. Ab Anfang Oktober werden wir dann unseren eigenen frischen Süßen im Lokal – und auch zum Mitnehmen – anbieten.“

Apfelernte gefragt

Dass die verwendeten Äpfel aus der Region kommen, ist für den Gastronomen selbstverständlich. Bauer Kuchta aus Burgholzhausen wird einen Großteil des Obstes zum Pressen liefern. Da aber eine noch größere Menge benötigt wird, appelliert Meier an Streuobstwiesenbesitzer aus der Wetterau, ihre Äpfel im „Knoche“ vorbeizubringen. Sechs Euro je Zentner zahlt Meier. Die Summe kann als Verzehrgutschein oder in flüssiger Form als Saft „ausgezahlt“ werden. Gekeltert wird in einem separaten Raum gleich neben der Gastwirtschaft. Nach der Wäsche der Äpfel werden sie gemahlen. Die daraus resultierende Maische wird schließlich gepresst.

Fertig ist das Rohprodukt, das, pasteurisiert und abgefüllt, als Süßer ausgeschenkt wird. Um bereits in wenigen Tagen mit dem Keltern anfangen zu können, hat der 27-Jährige erst einmal neue Geräte wie etwa eine Wasch- und Mahlanlage anschaffen müssen. Dazu war er zu Werksführungen in Österreich unterwegs und hat sich für neueste Technologien der Firma Voran Maschinenbau entschieden.

3000 bis 5000 Liter will der Familienvater im Alleingang im Herbst keltern. Dieser Vorrat soll dann bis zur nächsten Keltersaison im kommenden Jahr reichen. Zum Vergleich: etwa 70 000 Liter Apfelwein werden jährlich von den „Knoche“-Kunden konsumiert. Das sind etwa 200 Liter am Tag.

Egal ob Apfelwein oder Saft aus dem Streuobst: für den Verzehr zu Hause wird künftig nur noch aus der Bag-in-Box verkauft. „Damit arbeiten wir erst seit Anfang August. Die Pappkartonage eignet sich bestens für den Transport. Der Inhalt ist angebrochen acht bis zwölf Wochen haltbar, unangebrochen sogar bis zu einem Jahr“, freut sich der Gastronom, der seit mehr als sechs Jahren das Lokal gemeinsam mit seiner Frau Jenny und seiner Mutter Marion führt.

Kanister abfüllen

Die zuvor verwendeten Kanister seien nicht luftdicht gewesen und konnten deswegen das Stöffche nur rund 14 Tage lang in seiner gewohnten Qualität lagern. Abfüllungen in Drei- oder Fünf-Liter-Behältern mit Saft und Wein können mit nach Hause transportiert werden. Zwei Euro kostet der Liter Apfelsaft, der Apfelwein wird mit 1,80 Euro je Liter berechnet.

Eröffnet wurde die Gaststätte in der Rathausstraße 4 am 27.Dezember 1884 von Valentin Georg Jacobi unter dem Namen „Zur Jägersruh“. Nach jeder Treibjagd im Herbst trafen sich dort die Jäger zu ihrem „Schüsseltreiben“ genannten Festessen. Dort, wo früher im Freien Schoppe gepetzt wurden, steht heute das Kelterhaus.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter .

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