Anke Ebel und Claus Metz sowie andere Angehörige, die sich nicht öffentlich zeigen und auch namentlich nicht genannt werden möchten, beklagen die Zustände im Alloheim in Dortelweil. Der Träger des Altenzentrums weist Vorwürfe zurück und verspricht Besserung.

Behördenüberwachung

Träger der Seniorenanlage wehrt sich gegen lauter werdende Kritik der Angehörigen

Die Angehörigen sind aufgebracht: Seit die Trägerschaft in der AGO-Seniorenanlage in Dortelweil zu Alloheim gewechselt hat, habe sich die Betreuung spürbar verschlechtert. Die Klagen sind massiv, zwei Versammlungen hat es bereits gegeben. Ist im neuen Jahr Abhilfe in Sicht?

Eigentlich war zu Anfang alles in Ordnung, berichten mehrere Bad Vilbeler, deren Angehörige im Alloheim an der Friedberger Straße in Dortelweil leben. "Meine Eltern waren damals glücklich", erzählt ein Mann, dessen Mutter und Vater vor einigen Jahren dort einzogen. Am 1. September 2013 wurde die Seniorenanlage mit 120 Pflegeplätzen und 44 Plätzen für betreutes Wohnen eröffnet. Und zu Anfang machte die Anlage positive Schlagzeilen. Doch die allseitige Zufriedenheit hat sich Anfang dieses Jahres ins Gegenteil verkehrt. Einige Angehörige berichten, "dass sich die Situation extrem verschlechtert hat, seit der Träger gewechselt hat." Die Alloheim-Gruppe hat das Heim übernommen. Keine Unbekannten in der Branche, schon über die von ihr verantwortete Einrichtung in Niddatal gab es massive Beschwerden.

Nun also auch in Dortelweil. Anke Ebel berichtet, dass ihre Eltern vor rund zweienhalb Jahren dort einzogen seien. "Sie waren damals richtig glücklich", sagt sie. Es habe Spiele und Gymnastik gegeben. Aber dann habe sich alles verändert. "Mein Vater hat geweint, weil er dauernd andere Pfleger gesehen hat", sagt sie und meint damit die von ihr kritisierten häufigen Personalwechsel. Ebel beklagt auch, dass die Pflege ihrer dementen Mutter "sehr zu wünschen übrig lässt". Der Duschplan werde nicht eingehalten, sagt sie. Zudem seien ihre Haare nicht gewaschen und ihr Gebiss nicht gereinigt worden. Außerdem gebe es Pflegekräfte, die "nicht einmal wissen, wie ein Asthma-Spray funktioniert". Im Heim werde "mit viel zu vielen Aushilfen gearbeitet". Es gebe kaum schriftliche Informationen, manche Hilfskräfte sprächen kaum Deutsch.

Dokumentation gefordert

Claus Metz berichtet, dass es bereits zwei Angehörigen-Versammlungen gegeben habe. "Da gab es massive Beschwerden." Zudem habe es nach dem Weggang der langjährigen Heimleiterin Yvonne Göttig "fünf Monate lang keine Heimleitung gegeben". Vor einem Vierteljahr habe man gefordert, dass die Reinigung der Toiletten dokumentiert werden müsse. Das sei bis heute nicht geschehen.

Beim Pflegepersonal, das sehr bemüht sei, gebe es einen hohen Krankenstand. Das Personal reiche auch nicht aus. Deshalb würden viele Patienten "gar nicht mehr bewegt". Das führe aber zu einem Abbau der Muskulatur und schließlich zu Stürzen.

Das Regierungspräsidium Gießen, das die Aufsicht über alle hessischen Heime hat, bestätigt, dass es in Dortelweil "Mängel in unterschiedlichen Bereichen" gegeben habe. Deshalb werde die Einrichtung "engmaschig überwacht". Und weiter: "In der Einrichtung haben mehrfach Prüf- und Kontrollbesuche der zuständigen Betreuungs- und Pflegeaufsicht stattgefunden und sich Mängel bestätigt. Daher hat die zuständige Betreuungs- und Pflegeaufsicht in Hessen den Betreiber umgehend aufgefordert, die Defizite unverzüglich oder nach Fristsetzung abzustellen." Allerdings sei dies nicht vollumfänglich geschehen, meint ein Sprecher des RP Gießen. Deshalb sei am 8. August 2018 "ein absoluter Belegungsstopp" angeordnet worden.

Der Träger sieht die Dinge ganz anders. Man habe, als man die Einrichtung Dortelweil 2016 übernommen habe, "dieselben hohen Standards wie in den weiteren Einrichtungen eingeführt". Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Alloheim würden hoch engagiert arbeiten, um ihnen "Pflege zu bieten, die sich eng entlang ihrer persönlichen Bedürfnisse ausrichtet".

Häufige Personalwechsel

Die auf einem Angehörigen-Abend erhobenen Vorwürfe sei man "mit Hochdruck angegangen". Man habe "auf vielen Gebieten positive Ergebnisse und Veränderungen erzielen" können. Dies werde von Bewohnern und Angehörigen bestätigt. Aktuell verzeichne man keine Beschwerden mehr.

Der Sprecher der Alloheim-Gruppe weist zudem Behauptungen zurück, es gebe in der Einrichtung über einen längeren Zeitraum häufige Personalwechsel und es würden vermehrt Zeitarbeitskräfte eingesetzt. "Wie in all unseren Einrichtungen investieren wir auch in Bad Vilbel erheblich in die Gewinnung von qualifiziertem Stammpersonal. Darüber hinaus engagieren wir uns stark in der fortlaufenden Weiterbildung unserer Mitarbeiter." Korrekt sei, dass in Bad Vilbel noch bis Ende Januar die Heimleitung interimistisch besetzt sei. Zum 1. Februar beginne die neue Heimleiterin ihre Aufgabe. Zudem habe man in der Vergangenheit "branchentypische Personalfluktuation durch den Einsatz von Zeitarbeitskräften ausgeglichen".

Der Sprecher informiert weiter darüber, dass Alloheim die Zusammenarbeit mit einem Dienstleister gestartet habe, "der uns hoch qualifiziertes und zuverlässiges Personal langfristig zur Verfügung stellt". So würden zusätzlich Wechsel reduziert. Zudem weist der Sprecher "die pauschalen Vorwürfe zur hygienischen Versorgung von Bewohnern" zurück.

Mit dem Heimbeirat stehe man im Kontakt. In Bad Vilbel habe man eine wöchentliche Sprechstunde eingerichtet, bei der Bewohner und Angehörige mit dem Einrichtungs- und Regionalleiter sprechen können. Zum Belegungsstopp heißt es, man habe mit der Heimaufsicht vereinbart, vorübergehend keine neuen Bewohner aufzunehmen, "bis die schon erreichten Verbesserungen vollends verstetigt sind".

Dass sich in letzter Zeit "einiges gebessert" habe, geben auch die Angehörigen zu. Ausreichend, sagen sie, sei das aber bei Weitem nicht.

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