Aula-Bau am Gymnasium

Die Turnhalle doch als Option?

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Gut kommt der Wetterauer Schuldezernent Helmut Betschel (Grüne) nach der Ablehnung des Aula-Baus am Georg-Büchner-Gymnasium nicht gerade bei den meisten Fraktionen im Vilbeler Stadtparlament weg. Hier zeigt man sich enttäuscht von der Art und Weise, wie der Vorschlag abgekanzelt wurde. Nun kommen alte Ideen auf den Tisch. Doch es gibt auch Gegenstimmen.

Für nicht wenige hätte der Vorschlag, auf den sich das Stadtparlament letztlich geeinigt hatte, den Gordischen Knoten zerschlagen und das Tauziehen um eine neue Aula am Georg-Büchner-Gymnasium (GBG) zerschlagen. Und so mancher befürchtet nun ein Ping-Pong-Spiel, das letztlich auf dem Rücken der Eltern und der Schüler ausgetragen wird.

Sehr enttäuscht vom Nein aus dem Friedberger Kreishaus zeigt sich etwa Christian Kühl, Vize-Fraktionssprecher der SPD im Vilbeler Parlament. „Es ist schon sehr schade, dass diese Einigung nicht zustande kam“, meint Kühl verärgert. Vor allem die Auskunft Betschels, der das Ansinnen mit der Begründung ablehnte, dass der Kreis nicht Mieter auf dem eigenen Grundstück werden solle, erscheint ihm „ein bisschen seltsam“. Dies sei kein Argument dafür, den Vorschlag gleich rundheraus abzulehnen, findet Kühl.

Stadt mit Rechten

Die SPD sitzt in Bad Vilbel in der Opposition, stellt im Kreis aber die führende Fraktion der regierenden Koalition aus SPD, FDP und den Grünen – und den Landrat Joachim Arnold. Doch der einzige SPD-Mann im Kreistag aus Bad Vilbel ist Manfred Thrun – der wiederum nicht im Vilbeler Parlament sitzt. Mit ihm habe Kühl bislang keine Rücksprache halten können.

Doch für die Vilbeler SPD stehe weiterhin fest, dass der Bedarf dringend da sei, selbst wenn die Schülerzahl am GBG gefallen sei. Die SPD vor Ort werde nun versuchen, wieder andere Lösungen ins Spiel zu bringen. „Wir wären auch bereit, über eine 50-prozentige Beteiligung der Stadt am Bau zu sprechen.“

Dies könnte auch als Aula für das komplette Schulzentrum mit Saalburg- und Kennedyschule geschehen. Dann allerdings müsste die Stadt aber ebenfalls ein Zugriffsrecht für eigene Veranstaltungen auf die Halle bekommen. Doch Kühl befürchtet, dass dieser Vorschlag an der CDU Bad Vilbel scheitern wird.

Dass der einstimmige Beschluss des Parlaments nun aber abgelehnt und die ganze Angelegenheit damit verschoben werde, sei nicht gut, zumal 2016 der Kreistag und auch das Vilbeler Stadtparlament neu gewählt würden. „Wer weiß, wie diese Wahl ausgeht“, – und was damit aus dem Thema Aula-Bau wird. Kühl plädiert nun dafür, dass die Kreis-SPD Druck ausübt, um den Bau der Aula als Nachtrag in den Kreishaushalt 2015/2016 zu erwirken. Das Argument, dass Bad Vilbel für seine immense Schulumlage von 6,8 Millionen Euro ja auch etwas zurückerhalten müsse, könne Kühl hingegen nicht mehr hören. „Ich bezweifle, dass eine schwarze Kreisregierung eine niedrigere Umlage beschließen würde.“

Schon immer befürwortet habe hingegen FDP-Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn eine ganz andere Idee. Nämlich die Sanierung der maroden Turnhalle nach den Vorschlägen des Bad Vilbeler Architekten Christopher Glanz. Doch auch mit dem Neubau durch die Stadtwerke hätte Hahn gut leben können.

Die „enttäuschende Entscheidung Betschels“ hingegen zeige für ihn, dass der Schuldezernent das Bad Vilbeler Interesse nicht ernst nehme. Die Stadt Bad Vilbel bemühe sich um einen wohlwollenden Umgang mit dem Kreis. Landrat Arnold sehe dies und unterstütze im Gegenzug auch die Segmüller-Ansiedlung und den bereits erfolgten Bau der Europäischen Schule. Doch Betschels Verhalten folge diesem Beispiel nicht.

Einen besseren Vorschlag als den Bau durch die Stadtwerke übernehmen zu lassen, könne man dem Kreis nicht machen. Und Betschels Argumentation, nicht zum Mieter werden zu wollen, sei „unsinnig“. Denn in Hahns Zeit als hessischer Justizminister sei eine Vielzahl von Projekten auf genau dieser Basis abgelaufen, „es geht immer um die Finanzierung“, schildert Hahn. Da müsse man Kreativität beweisen, um Erfolge zu erzielen.

Betschel starte mit seinem Verhalten nun ein Ping-Pong-Spiel, das Hahn allerdings nicht mitspielen wolle. „Da muss er sich andere Leute für suchen.“ Er werde jedenfalls seine Hand nicht dafür heben, das Projekt erst in den Haushalt 2016/2017 einstellen zu wollen.

Hahn sieht in der Kommunalwahl im kommenden Jahr eine neue Chance für das Projekt. „Sollten wir dann wieder auf der Seite der Regierung stehen, werden wir den Aula-Bau als Forderung für den Koalitionsvertrag stellen.“

Spätere Lösung ist tragbar

All diese Äußerungen bezeichnet Manfred Kissing, Fraktionschef der Grünen, als „Krokodilstränen“, die nun vergossen würden. Für ihn sei von Anfang an klar gewesen, dass der CDU/FDP-Antrag zum Scheitern verurteilt gewesen sei. Die Grünen stünden zu ihren beiden Anträgen, so sei die 50-prozentige Beteiligung der Stadt bei einer Vorfinanzierung der Stadtwerke realistisch gewesen. Dieser Antrag sei aber nicht mehr zur Abstimmung gekommen, da der Änderungsantrag vorgezogen worden sei. Der Kreis sei aber schon lange nicht mehr allein für den Bau von derartigen Schulräumen zuständig.

Zudem bringt Kissing das Schrumpfen der Schule aufs Parkett. Um rund ein Drittel sei die Anzahl der Schüler in fünf Jahren gesunken, zitiert er aus dem Protokoll des Gesprächs zwischen Kreis und Stadt. Damit einher gehe auch eine reduzierte Anzahl der Lehrer. Und da die Schule selbst als Hauptgrund für den Bau einer Aula Lehrerkonferenzen genannt habe, entkräfte dies den sofortigen Bedarf. Die Lösung, wie sie Betschel nun vorgeschlagen habe (siehe dazu Kasten links), sei für Kissing tragbar. Denn ein Nachtrag für den aktuellen Haushalt des Kreises einzubringen und die Sache so zu beschleunigen, sei aus einem ganz anderen Grund schwierig. Der Wetteraukreis befindet sich noch unter dem Schutzschirm des Landes. Und schließlich stünden auch noch andere Schulen auf der Warteliste.

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