Sportzentrum

Turnverein will Haus der Vereine - aber wie?

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Rückzug bei gleichzeitigem Vorpreschen: So ist wohl die jüngste Reaktion des Turnvereins (TV) Bad Vilbel im Ringen um ein Multifunktions-Sportzentrum im Quellenpark zu bezeichnen. Eines ist klar: Ein Angebot, wie es der SV Fun-Ball Dortelweil vorgelegt hat, kriegt der Turnverein selbst mit Unterstützung anderer Vereine nicht hin. Nun muss die Politik entscheiden.

Wolfgang Schmidt ist etwas geknickt. „Ein seriöses Angebot für ein Sportzentrum im Quellenpark bekommen wir nicht hin“, sagt der Erste Vorsitzende des TV Bad Vilbel. Viele intensive Gespräche lägen hinter ihm. Mit dabei der TV Massenheim und der Kneipp-Verein. Dabei wurde eines klar: Die Karten, mit denen der SV Fun-Ball Dortelweil das Rennen um ein Sportzentrum im Quellenpark eröffnet hat (wir berichteten), haben die anderen drei Vereine nicht auf der Hand.

Fun-Ball will hier ein Gebäude mit einer Fläche von 600 Quadratmetern auf drei Stockwerken errichten, um dort kleinteilige Kurse in verschiedenen Disziplinen anbieten zu können. Das Gelände mit 1760 Quadratmetern soll die Stadt dem Verein in Erbpacht geben. Der Verein steuert dazu 150 000 Euro Eigenkapital bei. Knapp eine Million Euro soll die Stadt vorschießen, der Rest zur kalkulierten Bausumme von zwei Millionen Euro soll durch Förderungen und Zuschüsse zustande kommen. So auch durch den Spendenverein für Sport und Kultur Bad Vilbel, der 630 000 Euro in Aussicht gestellt hat.

Die 150 000 Euro zum Einstieg in das Projekt könnten sich die drei Vereine laut Schmidt schon noch leisten. Doch 5000 Euro pro Monat für Zins und Tilgung, das übersteige die Fähigkeiten der Vereine. Da der TV nach dem Vorstoß der Fun-Baller eigene Ansprüche angemeldet hatte und dies zu einer Vertagung des Themas durch das Stadtparlament geführt hatte, übergab Schmidt sein Antwortschreiben auch persönlich an Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Eigentlich sollte der TV bereits im November ein Angebot vorlegen, doch nach Rücksprache mit dem ebenfalls an einer Förderung beteiligten hessischen Sportministerium wurde dieser Termin verschoben (wir berichteten).

Doch ganz aufgeben will Schmidt das Projekt noch nicht, er sieht im möglichen Bau durch Fun-Ball seinen und auch andere Vereine in ihrer Existenz bedroht. Deswegen gab er Stöhr eine andere Förderung mit auf den Weg. Die Stadtspitze solle nun darüber nachdenken, ob sie nicht ähnlich wie auf dem Heilsberg vorgeht. Dort ist der SSV Heilsberg offiziell Hausherr, hat sich aber nur mit geringen finanziellen Mitteln beteiligt. Deswegen aber gab es Förderungen für den Bau. Neben den SSV sind heute der Kneipp-Verein, die Mädchenfußballerinnen vom MSG Bad Vilbel, das städtische Seniorenbüro und die Kita Wichtelstein in der Halle zugange.

Und Schmidt bringt eine Option ins Spiel, die bei anderen Vereinen für Aufsehen sorgen könnte. Denn die Stadt könne die Räume ja dann auch die Räume in einem „Haus der Vereine“ vermieten. Das ist bislang in keiner der städtischen Hallen der Fall.

Sollte dies nicht möglich sein, gebe es auch an anderen Orten noch entsprechende Reserven. „In unserer Halle gibt es noch Platz im Keller, um entsprechende Räumlichkeiten herzurichten. Das ist auch beim TV Massenheim der Fall“, sagt Schmidt. Hier könne die Stadt mit einer finanziellen Förderung einspringen. „Das ist wesentlich kostengünstiger als ein Neubau“, schätzt Schmidt.

Sollte Fun-Ball doch noch davon abrücken, in Alleinregie mit der Stadt bauen zu wollen, dann bleibe der TV ebenfalls bei der Stange und würde sich am dann gemeinsamen Projekt beteiligen. „Wir wollen weitere Gespräche“, fasst Schmidt zusammen.

Den Vorstoß mit vermieteten Räumen empfindet Stadtsprecher Yannick Schwander als gefährlich. „Die Stadt Bad Vilbel hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Vereinen Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung zu stellen. Das soll auch so bleiben, es ist nicht im Sinne des Magistrats, Miete zu erheben“, sagt er.

Zudem sei es schwierig, ein Zentrum so in städtischer Regie zu bauen, wie es Fun-Ball vorgeschlagen habe. Dafür müssten dann die entsprechenden Haushaltsmittel eingestellt werden. Angesichts des Hessentages 2020 seien viele Mittel geblockt. Eine Kreditvergabe an Fun-Ball sei hingegen viel unkomplizierter zu handhaben.

Die Stadtregierung habe das Schreiben des TV noch nicht besprochen, deswegen sei es für eine Stellungnahme zu früh, sagt Schwander. Doch schon jetzt ist klar, dass sich das Stadtparlament ein weiteres Mal mit dem Sportzentrum beschäftigen muss. „Es wird Geld in die Hand genommen“, sagt Schwander. Das bedeutet, dass nach einer Magistratsempfehlung das Thema erneut in den Haupt- und Finanzausschuss gelangt und von dort zur Abstimmung ins Parlament.

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