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Die Tanzsportabteilung des TV Bad Vilbel hat mehr als 100 Aktive. Hier führt die Gruppe "MTV Moves II" gerade ihre Weihnachtsbaum-Choreografie vor. Die Tänzer sollen – wie auch der Rest des insgesamt 1249 Mitglieder starken Vereins – vom nun startenden Förderprogramm profitieren.

Einer von 30 hessischen Vereinen

TVBV nimmt an Projekt "Starker Sport. Starker Verein" teil

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Von Datenschutz bis Steuerrecht, von Mitgliedergewinnung bis Angebotsentwicklung, von Baumaßnahmen bis Übungsleiterausbildung: Die Bandbreite der Themen, mit denen sich Sportvereine heute beschäftigen müssen, steigt stetig an – auch im TV Bad Vilbel. Der Verein wurde nun in ein exklusives Förderprogramm aufgenommen. Das lässt für die Zukunft hoffen.

Michelle Nickels hat schon allerhand zu tun. Als hauptamtliche Bürokraft des 1249 Mitglieder starken Turnvereins Bad Vilbel (TVBV) muss sie nicht nur Termine und Raumkapazitäten koordinieren, auch die Verwaltungsarbeit wird immer mehr. Zudem muss sich der Verein für die Anforderungen der Zukunft wappnen. Er muss modern und attraktiv sein.

"Das geht den meisten Vereinen so", weiß der Vorsitzende Wolfgang Schmidt. Es wird immer schwieriger, Ehrenamtler zu finden. Auch Übungsleiter, Betreuer, Räume fehlen. "Deswegen freuen wir uns darauf, Informationen zu vielen Themen zu bekommen", sagt der Vorsitzende.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt "Starker Sport. Starker Verein." war Anfang 2018 vom Landessportbund Hessen, dem Hessischen Turnverband und dem Hessischen Fußball-Verband in Kooperation mit dem Hessischen Ministerium des Inneren und für Sport ins Leben gerufen worden. Ziel ist es, die hessischen Sportvereine fit für die Zukunft zu machen.

"Hessen ist ein absolutes Sportland. Daran haben unsere Sportvereine einen ganz erheblichen Anteil. Um sie für die Zukunft weiter zu stärken, benötigen wir einen Überblick darüber, welche Sorgen und Nöte die Vereine haben und wo sie Förderung benötigen", sagt Innen- und Sportminister Peter Beuth (CDU) bei der Vorstellung des Projekts.

Kostenlose Beratung

Alle 7700 hessischen Sportvereine hatten deshalb die Möglichkeit, an einer umfangreichen Online-Befragung der Projektpartner teilzunehmen. Eine Auswertung gibt erste Hinweise, wo im jeweiligen Fall Handlungsbedarf besteht. Darüber haben über 100 Vereine verschiedener Größen und Herkunft die Chance genutzt, sich bis Mitte September als Projektverein zu bewerben und so von einer mehrstufigen, kostenlosen Vereinsberatung zu profitieren. Jetzt ist die Entscheidung gefallen, der TV Bad Vilbel ist in dieser Endrunde dabei.

Auf ihn kommt viel Arbeit zu: Wolfgang Schmidt ist der Vorsitzende des Turnvereins Bad Vilbel. Von der Aufnahme seines Vereins in ein hessisches Förderprogramm erhofft er sich neue Impulse für seine ehrenamtlich Arbeit.

Sorgen und Nöte gibt es zuhauf. "Wir wollen besser für unsere Angebote werben", sagt Schmidt und verweist auf die kürzlich ins Leben gerufene Sport-Union mit dem TV Massenheim. Mitglieder können nun die Angebote beider Vereine nutzen, müssen aber nicht in beiden Mitglied sein. "Unsere Homepage wird allerdings noch nicht richtig betreut. Außerdem wollen wir jemanden für gute Pressearbeit gewinnen", schildert Schmidt.

Auch müsse man auf moderne Angebote setzen. Riesigen Erfolg hatte der TVBV demnach mit einer im vergangenen Jahr gegründeten Tanzsportgruppe. Die soll nun weiter ausgebaut werden, die Übungsleiter müssen dafür aber immer neue Kurse besuchen.

Kräftig abwärts ging es dafür beim Schwimmangebot. Durch die Schließung des Bad Vilbeler Hallenbads ist es nahezu unmöglich geworden, vor allem die Jugendgruppen ins Karbener Hallenfreizeitbad zu begleiten. Die Folge: 40 Austritte.

Auch die Bürokratie bereitet Sorgen. Die neue Datenschutzgrundverordnung, kurz DSGVO, ist für viele Vereine immer noch ein Buch mit sieben Siegeln, es herrscht Unsicherheit, was man als Verein darf und was nicht. "Hier wollen wir genaue Auskunft bekommen", erwartet Schmidt.

Fitnessstudios denkbar

Im Januar soll ein Treffen mit dem Hessischen Turnverband stattfinden. Dort wollen die Verantwortlichen alle Problemfelder erfassen. "Danach folgen weitere Schritte", schildert Schmidt. Damit meint er den Austausch mit anderen Vereinen. Davon könnten alle profitieren. Kernfrage dabei: Was läuft bei anderen Vereinen gut, gibt es Sportarten, die man vielleicht noch gar nicht im Blick hatte?

Aktuelles Thema sind etwa kleine Fitnessstudios, die in den Vereinsräumen des TVBV untergebracht werden. Mitglieder zahlen dafür zwar einen Aufschlag, doch oft geringer als die Monatsgebühr für ein kommerzielles Fitnessstudio.

"Wir sind nicht allwissend und wollen erfahren, was wir verbessern können", sagt Schmidt. "Wir haben aber auch selbst noch einiges im Kopf und hoffen als Projektverein, vieles umsetzen zu können."

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