Georg-Büchner-Gymnasium

Überflieger sagen Auf Wiedersehen

  • vonDieter Deul
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Der Abiturjahrgang 2017 ist ein guter, wie sich bei der feierlichen Zeugnisübergabe herausstellt. 153 Schüler des Georg-Büchner-Gymnasiums haben ihre Reifezeugnisse erhalten, nur zwei fielen durch. Bei ihren Ansprachen betonen Lehrer, aber auch der Schulsprecher, dass jetzt der Mut angesagt ist, seinen eigenen Weg zu gehen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Aber es gibt auch wehmütige Gefühle.

Verantwortungsbewusst sei er, der Abi-Jahrgang 2017, lobt Claudia Kamm, Leiterin des Georg-Büchner-Gymnasiums (GBG). Und er habe viel soziales Engagement in der Schule gezeigt. Aber es war auch ein ruhiger Jahrgang, denn der traditionelle Abi-Streich ist diesmal einfach ausgefallen. Doch bei der feierlichen Übergabe ist von Zurückhaltung wenig zu spüren. Bereits als Kamm anhebt die „Verleihung des höchsten deutschen Schulabschlusses“ anzukündigen, gibt es im voll besetzten Dortelweiler Kulturforum kräftigen Applaus der Schüler und ihrer Eltern.

Genau 153 Gymnasiasten haben in diesem Jahr ihr Reifezeugnis geschafft, nur zwei fielen durch. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Schere der Leistungen nicht stark auseinandergeklafft, sagt Kamm. Der Notendurchschnitt liegt bei 2,3. Und bei 30 Prozent der Gymnasiasten steht eine Eins vor dem Komma. Es gab über 300 mündliche Prüfungen.

Nach dem Motto „Die Vergangenheit ist die Vorratskammer für die Zukunft“ rät Kamm den Abgängern, ihre Allgemeinbildung und Kompetenzen für ein gedeihliches Miteinander der Gesellschaft zu nutzen. Und „Wege entstehen, indem man sie geht“. Auf einen Weg, eine Abschiedsgeste, hat der Abi-Jahrgang 2017 allerdings verzichtet: Erstmals ist der traditionelle Abistreich der Schüler einfach ausgefallen. In seinem Grußwort erinnert sich der Erste Stadtrat Sebastian Wysocki daran, dass er vor 13 Jahren selbst auf einer GBG-Abschiedsfeier war. Doch damit hört das Pauken nicht auf. Lebenslanges Lernen, das sei keine abgedroschene Phrase, sondern die Realität.

Innere Festigkeit

Dabei sollten die Abiturienten jedoch ein Stück ihrer kindlichen Neugier bewahren, rät Marie-Luise Sefzig-Klein, die Elternbeiratsvorsitzende. Lernen sei keine Belastung, sondern ermögliche, dass man die Welt immer wieder mit anderen Augen sehen könne. Wissen, das bedeute auch Freiheit und Sicherheit. Aber es bedarf auch einer inneren Festigkeit, eigene Entscheidungen nicht nur zu treffen, sondern auch dafür einzustehen, sagt Susanne Reichert, die zweite Vorsitzende des GBG-Fördervereins. Der bescherte zahlreiche Abiturienten mit zusätzlichen Preisen für besondere Leistungen oder als Jahrgangsbeste in den Fachbereichen.

Im Namen der Lehrer verabschiedet Matthias Modricker nicht nur seinen eigenen Leistungskurs Deutsch, sondern alle Abiturienten mit einer launig-nachdenklichen Rede. Er kreiert einen Bandwurmsatz mit allen Floskeln humanistischer Bildungserfolge in der Postmodernen Globalisierung, aber: „Sie haben etwas anderes verdient!“

Stolz auf das Erreichte

Dann zitiert er Hans Magnus Enzensbergers „Lied von denen auf die alles zutrifft und die alles schon wissen“, ein 1964 geschriebenes Gedicht, das sich über die ratlosen Besserwisser und Nichtstuer lustig macht. Und Rose Ausländers „Nicht fertig werden“ als Appell, sich immer wieder neu einzubringen: „sich freuen, trauern, höher leben, tiefer leben, noch und noch, nicht fertig werden.“ Denn, so Modricker: „Für mich wäre das Bewusstsein einer Vorbestimmung unerträglich.“

Danach setzt der scheidende GBG-Schulsprecher Felix Zuber zu einem Seufzer an: „Leute, jetzt haben wir es wirklich geschafft, darauf bin ich sehr stolz.“ Damit fallen auch eine große Last, Druck und Anstrengungen der vergangenen Monate von ihm ab. Allerdings hat der Abschied natürlich auch seine melancholischen Seiten. Zwölf Jahre habe er an der Schule verbracht, „fast mein ganzes Leben“, sagt Zuber.

Und nun kommen die letzten Male: die letzte Brezel am Kiosk, die letzten Hausaufgaben, das letzte Mal Deutsch. Und die Erinnerung an Briefe, die durch die Reihen wandern, die erste Whatsapp-Klassengruppe, die Überzeugungsversuche von Freunden, dass das Referat wichtiger sei, als das Freibad – „und dann wurden sie doch vom Gegenteil überzeugt.“ Zuber gibt seinen nun bald ehemaligen Mitschülern keine weiteren Weisheiten auf den Weg, wünscht nur „Viel Erfolg – man sieht sich!“

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