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Birgit Zottmann redet auf den hypnotisierten Redakteur Dominik Rinkart ein. Ob das gegen Flugangst helfen kann?

Unter Hypnose

Redakteur im Selbstversuch: Kann Therapeutin Birgit Zottmann seine Flugangst heilen?

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Ein bisschen klingt Hypnose auch immer nach Scharlatanerie und Show. Magier und Entertainer nutzen sie gerne und präsentieren Zaubertricks oder mentale Grenzerfahrungen. Doch Hypnose kann auch anders sein: therapierend und wohltuend. Das sagt zumindest die renommierte Bad Vilbeler Hypnosetherapeutin Birgit Zottmann. Unser Redakteur macht den Selbstversuch, mit erstaunlichen Erkenntnissen.

Birgit Zottmann ist keine Zauberin, das betont sie immer wieder. Doch als sie sagt: "Ihre Lieder werden schwer und Sie bekommen Ihre Augen nicht mehr auf", scheint es mir wirklich, als müssten meine Augen nun geschlossen bleiben. Ich liege in einem ziemlich bequemen Sessel in einem Kellerraum am Rande der Bad Vilbeler Kernstadt und fühle mich so wohl wie nur selten.

Der Zustand, in dem ich mich befinde, nennt sich Trance. Ein paar Mal musste ich tief durchatmen, meine Augen schließen und nur kurz den klaren Worten meiner Hypnotiseurin lauschen, schon war ich in diesen Zustand einer fokussierten Entspannung geglitten. Dass das so schnell geht, überrascht weder mich, noch Birgit Zottmann: "Sie sind sehr empfänglich für eine Hypnose", sagt sie. Das ist ohne Zweifel korrekt, seit jeher reagiere ich mit großer Freude auf äußere Entspannungsreize. Hinzukommt, dass ich neugierig bin und große Lust habe, hypnotisiert zu werden. Die ideale Ausgangssituation also.

Hypnose – das verspricht nicht nur die Expertin, sondern das spüre ich sofort – ist absolut ungefährlich. Und natürlich hätte ich mich zwingen können, meine Augen wieder zu öffnen, bloß gab es dafür einfach keinen Grund. Die tiefe Trance gibt sich selbst recht und dennoch bleiben die Gedanken frei und klar und ich handlungsfähig.

"Hypnose ist eine Begegnung von Mensch zu Mensch", erklärt mir Birgit Zottmann. Vor der Hypnose unterhalten wir uns lange, gelegentlich gar mit etwas Small Talk. Sie erzählt viel von sich, von ihren Kindern, fragt mich nach meiner Lieblingsmusik und was ich gerne im Fernsehen schauen. Schnell lernen wir uns kennen.

"Die Frage ist doch: Wie authentisch bin ich?", erklärt Zottmann und verweist genervt auf übergewichtige Ärzte, die rauchen. Zweimal unterbricht sie das Interview, um am Handy einen Anruf entgegenzunehmen. Das mag unprofessionell erscheinen, doch vor mir sitzt ein echter Mensch, etwas zappelig und mit einer energiegeladenen Stimme, aber echt. Wenn ich diesem Menschen etwas Persönliches erzähle, erzähle ich das jemandem, der sich mir längst geöffnet hat, und keiner abgezockten, fast klinischen, Therapeutenfassade.

Burn-out und Migräne

Schon am Telefon kam Birgit Zottmann schnell zur Sache: "Was ist ihr Problem?", wollte sie wissen. Show-Hypnose gibt es bei ihr nicht. Alles was sie tut, diene einzig und allein dazu, dem Menschen, der vor ihr sitzt, zu helfen. Zottmanns Website gibt einen mannigfaltigen Überblick, welche Probleme sie lösen könne: Burn-out, Trauer, Migräne, Übergewicht, Raucherentwöhnung sind nur einige Beispiele. Und Flugangst!

In einem detailreichen Spektrum meiner Ängste ist das die medial unverfänglichste, denke ich mir. Kurz reden wir über meinen ersten Flug und wie ich mich dabei fühlte, da sage ich einen entscheidenden Satz: "Eigentlich habe ich gar nicht vor, noch mal irgendwohin zu fliegen. Ich achte sehr auf meinen CO2-Fußabdruck!".

Birgit Zottmann lacht. Nicht etwa, weil sie 33 Jahre bei der Lufthansa arbeitete, sondern weil mein Wunsch heute per Hypnose die Flugangst zu überwinden, somit hinfällig ist. "Ich kann Sie nicht heilen," betont sie, "ich kann nur Ihr Verhältnis zu einer Sache ändern." Ich müsse es also schon auch wollen. Hypnose sei keine Medizin, es sei vielmehr die Gelegenheit, Zusammenhängen auf den Grund zu gehen, und solange Flugzeuge für mich nichts Gutes sind, könne auch die beste Hypnose an meiner Flugangst nichts ändern. Es muss also tiefer gehen.

Ein blauer Sessel

"Keiner ist ohne Probleme", betont Birgit Zottmann, mein Blick schweift durch das hell erleuchtete Wohnzimmer des edlen Wohnhauses. Die Therapeutin trägt einen eleganten schwarzen Hosenanzug und irgendwie ist ihr abzunehmen, dass sie immer so fein in ihren eigenen vier Wänden gekleidet ist.

Für den Pressetermin war sie extra noch mal beim Friseur, erzählt sie. Und auch ich beginne zu erzählen, kurz über meinen Friseurtermin am Folgetag, dann von weiteren Ängsten. Mit konzentriertem Blick hört Birgit Zottmann aufrichtig zu. Es gibt tatsächlich etwas, das sie für mich tun kann, und wir begeben uns in ihr Behandlungszimmer im Keller.

Der Raum ist in sanften Farben gehalten – größtenteils beige mit hellblauen Akzenten. Nur der quietschblaue Sessel in der Mitte fällt auf. Dieser soll mein Platz sein. Ich falle in ihn hinein und Birgit Zottman beginnt ein Gespräch: Unverblümt spricht sie die Angst an, ihre Worte sind sachlich, gelegentlich fast wissenschaftlich. Einen übertrieben durchdringenden Blick, wie er den meisten Therapeuten eigen ist, lässt sie dabei vermissen. Lässig zurückgelehnt sitzt sie in ihrem Sessel und winkt ab: "Das lösen wir jetzt mit Hypnose", erklärt sie, als könne sie es kaum erwarten, endlich loszulegen.

So lässt sie schließlich den schon jetzt bequemsten Sessel der Welt nach hinten kippen und legt eine Decke über mich. Sie soll mir zusätzlich das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Ich bin bereit und lausche Zottmanns Worten – ihren klaren Worten, kein Säuseln, kein esotherischer Singsang, in normal gesprochenen Sätzen führt sie meine Gedanken an verschiedene Orte meines Körpers und lässt mich so im Handumdrehen in wohlige Trance fallen.

Gefühl nicht zerreden

Was dann passiert, klingt fast zu einfach, um zu funktionieren. Indem ich mich zunächst auf meinen Angstgegenstand und anschließend auf den vielleicht fröhlichsten Moment in meinem Leben besinne, wird der Angstauslöser mit Glücksgefühlen überlagert. So zumindest meine Theorie.

"Man kann die Wirkung auch zerreden", warnt Birgit Zottmann in Anschluss an die Hypnose. "Reden Sie nicht zu viel über dieses Erlebnis" gibt sie mir einen nur schwer umsetzbaren Tipp und betont, dass meine Worte, so wohlüberlegt ich sie auch wählen mag, ohnehin hinfällig seien, da jeder eine Hypnose anders fühle.

Was für jeden gleich ist, sind hingegen die Kosten. 390 Euro kostet eine Sitzung von drei Stunden. Dass das viel Geld ist, will Zottmann gar nicht leugnen, "aber ich bin auch sehr gut", betont sie. So würden die drei Stunden garantiert reichen, um einer Person das Rauchen abzugewöhnen, "das ist das Leichteste." Andere Dinge bräuchten hingegen mehr Zeit, Übergewicht loswerden etwa: "Das ist ein Prozess", erklärt sie und warnt: "Hypnose ist kein geschützter Begriff. Es gibt Leute, die behaupten, sie könnten in vier bis sechs Stunden eine Angststörung heilen, das ist gefährlich."

Wer einen Hypnotiseur sucht, solle sich also unbedingt dessen Qualifikationen ansehen: "Der Markt ist voller Fakes", klagt sie und wirkt zum ersten Mal bei diesem Treffen angekratzt. Der Ruf ihrer Zunft ist ihr wichtig: "Ich fühle mich für meine Klienten verantwortlich, sie können mich jederzeit anrufen", erklärt sie. Viele würden sich sogar Jahre nach der Hypnose noch mal bei ihr melden.

Und so verabschiedet sie auch mich mit den Worten, dass ich mich jederzeit an sie wenden könne – mein Vertrauen hat sie an diesem Punkt längst gewonnen.

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