Stetes Üben rettet Leben

Verkehrsspielplatz am Bad Vilbeler Ritterweiher hat wieder geöffnet

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Jetzt stehen wieder alle Ampeln auf Grün für die Verkehrserziehung. Freitagnachmittags können alle Kinder ab sechs Jahren wieder auf dem Übungsplatz am Ritterweiher unter fast realen Bedingungen das richtige Miteinander auf der Straße üben. Dafür stehen alle möglichen Räder und Roller zur Verfügung – und natürlich ausreichend Helme.

Dem Jungen im Kettcar kann es nicht schnell genug gehen: „Elli, fahr’ doch!“, ruft er und seufzt: „Schon wieder Stau!“ Gerade erst waren nur zwei Kinder auf dem städtischen Verkehrsspielplatz am Ritterweiher, doch vom angrenzenden Spielplatz strömen sie nun mit ihren Eltern vorbei, und plötzlich sind ein Dutzend Kinder auf den kleinen Straßen unterwegs. Die Folge: Vor der roten Ampel bildet sich rasch ein langer Stau aus Fahrrädern, Tretrollern, Dreirädern und sogar einer Draisine.

Wulfhard Bäumlein hat das Geschehen stets im Blick. Vor vielen Jahren hat er die Bad Vilbeler Sektion der Radlerlobby ADFC mitbegründet, jetzt ist er im zweiten Jahr Platzwart für den Übungsplatz, montiert die Original-Ampeln auf die Masten und achtet auf ein reibungsloses Miteinander der Kinder.

„Ich möchte nicht dauern eingreifen, die Kinder sollen auch selbstständig lernen“, sagt er. Tatsächlich gibt es, wenn einer nicht die Spur hält oder unvermittelt kreuzt, auch gleich Protest. „Aber wenn ich sehe, dass da zwei kollidieren, greife ich ein“, sagt er. Und auch dann, wenn Kinder so verträumt umherkurven „als wären sie allein auf der Welt.“ Das würde auf dem Übungsplatz keine schlimmen Folgen haben – auf den richtigen Straßen schon. Außerdem, hofft Bäumlein, achten auch die Eltern auf das Verkehrsverhalten ihrer Kinder.

Deswegen ist das Gelände das ganze Jahr über, dann aber nicht mit den Ampeln, ein beliebtes Ausflugsziel für junge Familien. Dorin Koch ist mit Jette (3) und Sohn Marlon (8) gekommen, nicht das erste Mal. Hier können ihre Kinder die Regeln lernen und auch die gegenseitige Rücksichtnahme, sagt sie. Der Platz sei ideal, „meine beiden Kinder haben hier das Radfahren gelernt.“

Praktischerweise könne man das Üben mit einem Spielplatzbesuch verbinden, findet Koch. Auch Marlon ist zufrieden im Cockpit seines Kettcar: „Es macht Spaß, hier zu fahren“, sagt er – „und man kann so gut Kurven fahren.“ Dass es auch ums Lernen von Verkehrsregeln geht, die rote Ampel, das Rechts vor Links, das Ausweichen vor Hindernissen, „das ist nicht schwer“, meint der Achtjährige.

Zweieinhalb und fünf sind die Kinder von Christiane Scheibe, „gerade für meine Fünfjährige ist das eine tolle Möglichkeit, die Verkehrsregeln zu lernen, ohne dass ich als Mutter Stress wegen des fließenden Verkehrs habe. Hier kann ich mich ganz auf mein Kind konzentrieren.“ Bis zum zehnten Geburtstag müssen Kinder noch den Gehweg benutzen, wenn sie mit ihren Rädern unterwegs sind.

Auch Christiane Scheibe kommt regelmäßig hierher, vor allem am Wochenende. Ihre Kinder haben auf dem Gelände Radfahren gelernt. Aber es gibt auch Neulinge: „Ist das ein Verein?“, fragt eine Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter vorbeischaut. „Nein, das ist für alle“, lädt Bäumlein sie ein.

Auch wer zu Fuß kommt, wird auf dem Platz schnell mobil, denn der Fundus ist gut bestückt. 15 Fahrräder, drei Laufräder, fünf Kettcars, zehn Roller, ein Liegerad, zwei Hoch-Einräder und eine Draisine können ausgeliehen werden – und 18 blaue Helme zur Sicherheit.

„À droite, Leo!“, tönt es plötzlich auf französisch, eine Mutter hält ihren Sohn an, die rechte Spur zu benutzen. Doch meist geht es auf dem Parcours sehr ordentlich zu, höchstens einmal fällt ein Kind mit dem Laufrad um. An der roten Ampel halten alle brav, geben dann kräftig Tempo vor den Kurven.

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