Autor und Therapeut Josef Aldenhoff

Vernünftig mit der Liebe umgehen

Kann die Liebe auch nach der ersten Aufregung halten oder sogar in eine tiefe Bindung führen? Darüber spricht der Psychiatrieprofessor, Therapeut und Autor Josef Aldenhoff in der Stadtbibliothek auf Einladung des Lions Clubs. Dort stellt er sein neues Buch Werk „Ich und Du – warum?“ vor.

Von CHRISTINE DEHLER

Der renommierte Psychotherapeut und Autor von „Bin ich psycho oder geht das von alleine weg?“ erklärt den zahlreich erschienenen Zuhörern in seinem neuen Buch, was Beziehungen so schwierig macht, warum sie so häufig scheitern und was getan werden kann, damit die Partnerschaft dauerhaft gelingt. „Liebe ist eine Himmelsmacht, die Glückseligkeit und Verzweiflung gleichermaßen in sich birgt, die uns lebenslang immer von Neuem hoffen lässt, ohne dass es eine Garantie auf Erfüllung gäbe“, beginnt der Autor. Dauerhaftes Glück und Zufriedenheit in einer Beziehung seien selten.

Wichtig für die Beziehungsfähigkeit im späteren Leben seien die ersten drei Jahre – da würde der Grundstein dafür gelegt, ob man Beziehungsfähigkeit entwickelt oder nicht. An die erste Beziehung im Leben erinnerten wir uns nicht und doch sei sie von elementarer Bedeutung. Man könne sich erst weiter entwickeln, wenn man die eigenen Eltern akzeptiert habe, so der Therapeut.

Gefühle konsevieren?

„Liebe ist eine Himmelsmacht, die uns in einen Ausnahmezustand versetzt, der anfangs alle Beziehungsmechanismen hoch synchronisiert und beim Zustand des Verliebtseins wird alles andere sekundär“, erklärt der Professor seiner Zuhörerschaft. Was nicht beim Partner passe, würde passend gemacht, es sei ein Konzert aller zwischenmenschlichen und neurobiologischen Facetten, die zusammen wirkten beim Verliebtsein, das aber auch eine Verhaltensstörung hervorrufen könne.

„Wird die Verliebtheit so bleiben?“, lautet die immer gestellte Frage, und wie kann man den Zustand konservieren? Nein, Liebe sei ein Geschenk ohne Anspruch, sie sei nicht zu konsumieren, nicht vernünftig, sondern beglückend und verstörend zugleich, sie lasse Lebendigkeit fühlen. Man müsse versuchen, mit ihrer ambivalenten Kraft vernünftig umzugehen, weil sie beides beinhalte: höchstes Glück, aber auch Destruktivität, wie schon in der klassischen Literatur anschaulich beschrieben. Man denke nur an Helenas Liebe, die in den trojanischen Krieg mündete, Tristan und Isolde oder Romeo und Julia, die allesamt den Tod fanden.

Kinder verändern alles

Manchmal scheinen Liebe und bürgerliche Existenz unvereinbar, so Aldenhoff. „Ehe entspricht der Konvention schlechthin und die Konvention lautet Monogamie.“ Was aber, wenn man sich neu verliebt oder es mit dem Partner nicht mehr passt? Trennung und Scheidung sind Optionen – das geschehe auch in fünfzig Prozent der Fälle. Doch was kommt danach?

Auch für oder gegen Kinder sollte man sich aktiv entscheiden, betont er. Denn sie brächten das Leben durcheinander, den „sorgsam gehätschelten Zeitplan“. All diese und viele weitere Fragen werden im Buch beantwortet. „Man muss akzeptieren, dass Partner sich im Laufe der Zeit verändern und dass es nicht veränderbare Anteile gibt“, rät der Fachmann.

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