Viele helfende Hände

Der Pfarrsaal der St. Nikolaus-Gemeinde in Bad Vilbel platzte beinahe aus allen Nähten. Denn ungefähr 70 Personen waren gekommen, um beim Jubiläumsempfang des Café Kleeblatt dabei zu sein. Dafür mussten im Saal sogar zusätzliche Tische aufgestellt werden. Das Café Kleeblatt kümmert sich seit einem Jahrzehnt um die Betreuung von Demenzerkrankten.

Von Niklas Mag

Das Café Kleeblatt hat sich drei große Aufgaben auferlegt, um die sich die Verantwortlichen kümmern. Zum einen ist da die Pflege der Erkrankten, doch auch die Angehörigen sollen entlastet werden. Diese können die Zeit, in denen die Erkrankten im Café verweilen, für wichtige alltägliche Aufgaben nutzen. Auch die Öffentlichkeitsarbeit zählt zu den wichtigen Aufgaben des Cafés. Seit zehn Jahren arbeiten mehrere Träger auf das Erreichen der Ziele hin.

Das Café nutzt die Räumlichkeiten der Arbeiterwohlfahrt (Awo), deren Vorsitzender Rainer Fich begleitet das Projekt seit der Gründung: „Es ist toll, dass das Café nun schon so lange Bestand hat. Damals war eine solche Einrichtung eher selten anzutreffen, heute gibt es viele ähnliche Projekte“, erklärt er vor Beginn des Empfangs. „Ich war mir damals noch sehr unsicher, ob das Ganze wirklich so funktionieren würde“, erinnert sich Fich. „Und mittlerweile finden die Treffen drei Mal pro Woche statt.“

Profis und Helfer

Zum Empfang sind Gäste des Cafés gekommen, Mitglieder der Trägerversammlung und die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Es ist mir eine große Freude, dass wir zum ersten Mal Mitarbeiter, Träger und Spender empfangen können“, begrüßt Hans-Ulrich Callies, Vorsitzender der Trägerversammlung, die Gäste. Unter denen befinden sich unter anderem der ehrenamtliche Stadtrat Udo Landgrebe (SPD) und Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP). „Es gab damals einen dringenden Bedarf, Demenzerkrankte zu versorgen, aber keinerlei Zuschüsse“, erklärt Callies: „Deshalb kam die Idee auf, professionelle Pfleger mit ehrenamtlichen zusammenzubringen.“ Im Januar 2005 wurde der Trägervertrag für das Zusammenwirken dieser Institutionen beschlossen.

Die gemeinsame Tätigkeit von haupt- und ehrenamtlichen Institutionen mit der Stadt sei einzigartig und hervorragend gelungen, betont er. „Mittlerweile ist das Café mit allen seinen verschiedenen Mitwirkenden zur Einheit mit hoher Fachkompetenz zusammen gewachsen. Durch Lieder, Spiele und Spaziergänge wollen wir unsere Gäste aktivieren“, so Callies. Das erreicht das Café auch mit besonderen Gästen. Zum Beispiel schaut Künstlerin Ute Ringwald häufiger im Café vorbei, um die Besucher zum Malen und Gestalten zu bewegen.

Ein Drittel betroffen

Der demografische Wandel wird die Anzahl der Erkrankungen weiter erhöhen. „Im Alter zwischen 80 und 85 sind ein Viertel der Menschen von Demenz betroffen. In den darauffolgenden Lebensjahren steigt die Zahl auf 35 Prozent“, mahnt Callies. Das Café Kleeblatt tue viel dafür, das Bewusstsein in der Bevölkerung zu wecken.

Dieses Jahr läuft erneut eine Vortragsreihe von Sozialgerontologin Gabriele Scholz-Weinrich, außerdem sei die Stadtbibliothek zu der Thematik bestens ausgerüstet. Heike Freund-Hahn würdigt die Anwesenden: „Auch den Gästen des Cafés gebührt Dank. Für die Bereitschaft, sich so zu öffnen“, sagt sie. Denn gerade bei diesem Krankheitsbild sei das nicht selbstverständlich. Das gelte auch für die Arbeit der Pfleger. Das Café sei „ein wunderbarer Beitrag zur Gemeinschaft der Stadt Bad Vilbel“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare