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Die Tierschützerin Anja Breimaier ruft dazu auf, sich an dem Spenden-Marathon zu beteiligen.

Verein „Leben für Streuner“

Die Vierbeiner nicht vergessen

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Der Bad Vilbeler Verein „Leben für Streuner“ ruft alle Bürger dazu auf, sich an der ersten großen Futterspenden-Aktion zu beteiligen. Das Ziel: Kein Tier in Europa soll an Weihnachten hungern.

Die Bad Vilbelerin Anja Breimaier ruft alle Bürger zur Teilnahme an einer besonderen Aktion auf: dem ersten großen Spenden-Marathon für Tiere. „Wir sammeln mit Tierfreunden aus aller Welt 30 000 Futter-Pakete für Tiere in Europa, die auf der Straße oder in Tierheimen leben“, berichtet Breimaier. Jeder Spender könne so viel geben wie er möchte: „Ein kleines Paket kann bereits für 98 Cent gepackt werden. Eine Monatsration Futter kostet 50 Euro“, berichtet die Tierschützerin. Und betont, dass die Aktion der Futter-Spendenplattform seriös ist.

Jedes Jahr, so berichtet Breimaier, werden in Europa etwa eine Million Straßenhunde vergiftet, überfahren, erschossen, gehängt und zu Tode geprügelt. „Oder sie verhungern auf der Straße, leiden in Tierheimen, die diesen Namen nicht verdienen.“

Anja Breimaier ist eine von sieben Gründungsmitgliedern des im Februar 2016 gegründeten örtlichen Vereins „Leben für Streuner“. Dieser hat seinen Vereins- und Verwaltungssitz in der Quellenstadt. Die bisher 50 Fördermitglieder kommen aus ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich. „Fast alle Mitglieder waren zuvor bei anderen Tierschutzvereinen im In- und Ausland aktiv.“ Der Verein hat es sich vorrangig zur Aufgabe gemacht, Streunern in Italien zu helfen. „Wir unterstützen die von Luigia Parco in Manduria geleitete Auffangstation „Oasi Nuova Vita“ in Südapulien. Dort werden bis zu 100 Hunde aus schlimmer Haltung, verletzte, kranke und ausgesetzte Hunde sowie aus Mülleimern gerettete Welpen beherbergt.“

Der örtliche Verein will auf die Situation in Italien aufmerksam machen. Vor allem deshalb, weil der Tierschutz dort nur auf dem Papier existiere und die Politik ein fragwürdiges System unterstütze. In Italien ist das Quälen, Aussetzen und Töten von Tieren seit 1991 laut Gesetz verboten, kann mit einer Geldstrafe oder gar Gefängnis geahndet werden.

Der Staat subventioniert die Unterbringung von Streunern in sogenannten Canili, also Tierheimen. „Bei den Canili handelt es sich meist um umfunktionierte Schlachthöfe oder Industrieareale. Jeder Betreiber erhält pro Hund und Tag bis zu sieben Euro vom Staat. Je mehr Hunde und je geringer die Ausgaben für die Versorgung sind, desto höher ist für die Betreiber der Gewinn“, erkärt Breimaier. „Dort vegetieren 200, 500 oder auch über 1000 Hunde auf engstem Raum eingepfercht vor sich hin. Je tiefer man in den Süden kommt, desto schlimmer wird es.“ Vor allem auch, weil die Einrichtungen vom italienischen Staat nicht kontrolliert würden. „Die Hunde erhalten gerade so viel Wasser und Futter, dass sie überleben können. Eine medizinische Versorgung gibt es nicht“, sagt die Tierschützerin.

Auf das schlimme Schicksal vieler Hunde, Katzen und anderer Tiere werden die Vereinsmitglieder oft durch Urlauber aufmerksam gemacht. Zu helfen sei keine einfache Aufgabe, „weil Tierschützer keine Hilfe erfahren, sondern bedroht, ihre Autos in Brand gesetzt werden oder sie sogar Morddrohungen erhalten.“ So wie Luigia Parco: Sie kämpft seit Jahren auch politisch gegen das Canile-System, setzt sich für die Kastrationen von Streunern ein, um die Welpenflut einzudämmen. Für ihr Engagement wird sie von der sogenannten Hundemafia bedroht, ist immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

In Deutschland hat der Vilbeler Verein bisher einen Gnadenhof unterstützt und konnte dadurch todkranke Pferde retten. „Wir haben in diesem Jahr 70 Hunde an neue Besitzer vermittelt. Wir sind sehr streng bei der Auswahl der Halter.“ Die Vereinsmitglieder würden vor Ort auch gerne eine Tierhilfe-Notpflegestelle eröffnen.

Breimaier hat selbst zwei vierbeinige Partner: Einen Beagle, der sechseinhalb Jahre in einem Labor verbringen musste, und einen rumänischen Schäferhundmix aus einer Tötungsstation.

Sie und zwei weitere Vorstandsmitglieder des gemeinnützigen Vereins verfügen zudem über einen Sachkundenachweis, der grundlegende theoretische Kenntnisse über Hunde und ihre Haltung belegt.

Anja Breimaier sagt mit Blick auf den Spenden-Marathon für Tiere: „Was uns besonders am Herzen liegt: Man kann sicher, seriös und einfach mit wenigen Klicks von Zuhause aus spenden. Dank Spendenplattformen wie „Tierschutz-Shop“ kommen alle Futter-spendenpakete in dem Land an, das man unterstützen möchte. Unsere Vision ist es, dass kein Tier mehr in Europa hungern muss.“

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