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Die Firma Hassia baut ein Hochregallager für Rohstoffe an der Büdinger Straße. 16 Meter hoch wird das Lager, dessen Stahlgerüst tagtäglich von etlichen Autofahrern bestaunt werden dürfte.

Hassia

In Bad Vilbel entsteht ein neues gigantisches Hochregallager

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Beeindruckend und riesig sieht das Stahlgerippe des neuen Hochregallagers von Hassia in Bad Vilbel aus. Die Arbeiten laufen auf Hochtouren. Für den Mineralwasserhersteller wird der Neubau sowohl Entlastung als auch Wachstum möglich machen.

Über ausreichend Zuschauer müssen sich die Bauarbeiter auf jeden Fall nicht beklagen. Denn jeden Tag rollen Tausende Autofahrer vorbei und stehen auch oft hier in der Büdinger Straße im Pendlerstau. Wochenlang haben die Passanten nun bestaunen können, wie die Arbeiter immer weiter hinauf das Stahlgerippe des neuen Hassia-Hochregallagers montierten.

In schwindelerregender Höhe zu arbeiten ist natürlich nicht ohne. "Alle kletternden Arbeiter sind speziell geschult", erklärt Vorarbeiter Lutz Müller vom Industriemontage-Spezialisten Interzeit aus dem oberpfälzischen Amberg. Die sehr spezielle Art des Arbeitens, sich zu sichern, der Eigenschutz, die Rettung in der Höhe – all das lernen die Spezialisten. Nur: "In der Höhe keine Angst zu haben, das kann man nicht lernen", sagt Müller. Er schaut hinauf, wie die Arbeiter eine weitere Stahlstrebe ins Gerippe bugsieren, dann festschrauben. Sie stehen auf anderen Streben, sind mit ihrem Klettergeschirr absturzsicher befestigt.

Bis in 16 Meter Höhe ragt der riesige Metallkomplex hinauf. 2300 Quadratmeter Grundfläche hat das neue Regallager des Mineralwasserherstellers. Genutzt werden soll das Lager vor allem für die Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe. Darunter fallen zum Beispiel Etiketten, Verschlüsse, neue Flaschen oder Rohlinge, erklärt Firmensprecherin Sibylle Trautmann.

Alte Fläche kaum genutzt

Stefan Marhold, Leiter der internen Logistik bei Hassia (links), im Gespräch mit Vorarbeiter Lutz Müller von Industriemontage-Spezialist Interzeit.

Dieses Material lagert das Unternehmen bisher auf freien Flächen innerhalb der benachbarten Produktionshallen. Um dort Platz für Wachstum und Umbauten zu schaffen, wird nun das Lagergut fortgeschafft ins Hochregallager. Dieses entsteht auf einer Fläche, die in den vergangenen Jahren kaum genutzt war: Mehrere niedrige, alte Werkstattbauten wichen daher für den Neubau.

Der steht nach nur fünf Wochen schon zum großen Teil. Anders als bei normalen Bauten werden Hochregallager "von innen nach außen errichtet", erläutert Stefan Marhold, der Leiter interne Logistik bei Hassia. Nötig und sinnvoll ist das nicht nur, weil das massive Gerippe so viel einfacher zu bauen ist. Sondern auch, weil das Gerippe selbst schon ein Teil der Statik ist.

Das Skelett aus verzinktem Stahl ist allein schon satte 80 Tonnen schwer. Und die 4908 Paletten mit Lagergut kommen ja auch noch hinein. Damit der Boden unter dem Bauwerk dieses enorme Gewicht überhaupt aushält, musste die Bodenplatte sehr massiv ausfallen. Unter ihr reichen 360 Betonsäulen drei bis vier Meter tief in den Untergrund. Und zwar genau an den Stellen, an denen die Träger des Regal-skeletts auf die Bodenplatte treffen.

Das Herstellen der äußerst massiven Platte hatte selbst schon recht lange Zeit gedauert: von Ende Oktober bis kurz vor Weihnachten. Eine Herausforderung war auch, dass die Platte "unbedingt völlig eben" sein muss, unterstreicht Stefan Marhold. "Sonst funktioniert die Technik nicht."

Wer das Mega-Stahlskelett noch einmal betrachten will, sollte das nun schnell machen. Denn ab kommender Woche bis Ende März soll eine weitere Firma Dach und Seitenwände montieren, kündigt Stefan Marhold an. Anschließend folgen innen der Einbau der Sprinklertechnik und des vollautomatischen Lagersystems. Dieses befördert die Paletten von einer Übergabestelle an ihre Stellplätze und holt sie von dort auch wieder ab. Jedes Abstellfach im Lager fasst dann sechs Paletten, drei vorn und drei hinten. Der Testbetrieb soll Ende Mai starten.

Mit dem fertigen Stahlgerippe habe das Gebäude seine finalen Ausmaße erreicht, sagt Stefan Marhold. "Größer wird es nicht mehr." Eine graue Außenverkleidung soll den Bau möglichst unauffällig machen. Auch soll noch eine neue Begrünung für den schmalen Grundstücksstreifen entlang der Büdinger Straße folgen, kündigt Sibylle Trautmann an.

Kaum Platz fürs Material

Derweil schaut sich Vorarbeiter Müller das vollendete Werk seiner Mitarbeiter an und ist zufrieden. Herausfordernd sei besonders die Baustellenlogistik gewesen. "Es war sehr knapp mit dem Platz." Den gab es auf dem Betriebsgelände nicht, um Baumaterial zu lagern. Daher hatte die Baufirma einen Teil des Festplatzes nebenan nutzen können. Der ist inzwischen wieder leer – damit die Vorbereitungen für die Caravaning-Tage laufen können.

Gerade einmal zwei Tage später als ursprünglich geplant ist der Metallbau fertig geworden. Das sei gerade bei einer Winterbaustelle sehr gut, lobt Stefan Marhold. Das gute Wetter habe zwar geholfen. "Aber die kalten Nächte waren schon ein Problem", gibt er zu. Nicht nur, weil sich nachts Eis auf der Bodenplatte bildete, sondern auch, weil der Stahl oft mit Reif überzogen war. "Da mussten die Arbeiter schon aufpassen, dass sie nicht abrutschen", weiß Marhold. Das will niemand beim Arbeiten in 16 Metern Höhe.

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