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An der Nidda in Dortelweil hat der Wasserverband nun zehn Bäume fällen lassen. Dagegen gab es Proteste der Anwohner.

Proteste

Wenn das Ufer sich lichtet: Bad Vilbeler gegen Baumfällungen

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Der Wasserverband Nidda hat am Mittwoch den Baumbestand am Ufer in Höhe von Alt-Dortelweil ausgelichtet. Mehrere Anwohner beobachteten die Arbeiten mit Argusaugen und protestierten dagegen.

Bad Vilbel - Als die Motorsäge läuft, geht es zunächst ganz schnell. Zack, zack, und der Bergahorn fällt mit lautem Knacken hinab auf die Uferböschung. Das Wasser der Nidda spritzt auf. Manfred Tunkowski vom Wasserverband Nidda kommt herübergelaufen, wischt die Sägespäne vom Baumstumpf und nickt. "Faulstellen", sagt er. Im Kern ist das Holz des Stamms deutlich dunkler als drum herum.

Baumfällung ist notwendig

Auch wegen solcher Schäden muss der Wasserverband auf 280 Flusskilometer immer wieder Bäume fällen – wie an diesem Morgen in Dortelweil. "Jede Baumfällung ist ein Eingriff", gibt Tunkowski zu. Hier aber, nahe der Ortslage, stehe die Sicherheit der vielen Passanten an erster Stelle. Wenn Äste schadhafter Bäume abbrächen, wäre der Wasserverband in der Haftung. Während Bäume an weniger belebten Stellen also auch mit Totholz oder Schäden stehen bleiben können, müsse der Verband dort, wo viele Menschen unterwegs seien, sehr genau seiner Verkehrssicherungspflicht nachkommen, betont der Verbandsingenieur.

Lautstarkes Schimpfen

Das bedeutet an diesem Donnerstagmorgen konkret: Zehn Bäume fallen im Ortsbereich, davon aber nur vier mit dickerem Stamm. Als die Arbeiter am Morgen anfangen, sind sofort Anwohner zur Stelle. Sie lehnen die Fällungen ab.

Auch Claus Metz aus Dortelweil-West ist hinuntergekommen. "Übertriebenes Sicherheitsdenken" wirft er den Fäll-Verantwortlichen vor. Das sind wohl noch mit die freundlichsten Worte an diesem Morgen: Lautstark rufen einige Anwohner Beschimpfungen. Gleich zweimal wird der städtische Feldschütz Marc Dudda vorbeikommen, um die Gemüter ein wenig zu kühlen.

Seit mehr als einem Jahr Baum-Proteste in Bad Vilbel

"Der Protest ist hier schon sehr außergewöhnlich", räumt Manfred Tunkowski ein. Seit mehr als einem Jahr machen Anwohner gegen die Fällungen mobil – seit sie die Markierungen an den Bäumen entdeckt hatten. Drei Treffen zwischen Wasserverband, Stadt und Anwohner gab es. Der Verband arbeite ja nicht heimlich, betont Tunkowski. Was schon aufgrund der Lautstärke der Motorsägen unmöglich sei. Auch gebe es stets Informationen an die entsprechende Kommune, oft auch an die Anwohner und die Presse.

Kein Kahlschlag - dafür Auslichtung

Als an diesem Vormittag alles fertig ist, liegen alle paar Dutzend Meter gefällte Bäume halb im Fluss. Dazwischen aber sind andere Bäume stehen geblieben. "Kahlschlag macht man nicht mehr", erklärt der Verbandsingenieur. Stattdessen werde nur ausgelichtet, damit sich gesunde, stärkere Bäume besser entwickeln können. "Ein solcher abgestufter Baumbestand bietet die beste Lebensgrundlage für Tiere", erläutert der Fachmann. Schon in wenigen Wochen, nach dem Sprießen der Blätter, seien die Lücken im Gehölz nicht mehr erkennbar.

Anwohner in Bad Vilbel Schlimmstes verhindert

Einer der Anwohner, die die Aktion haargenau beobachten, ist Dieter Kress. "Richtig unbefriedigend" sei, dass so viele Bäume trotz der Proteste fielen. Allerdings räumt er ein: "Sie haben auch einiges stehen gelassen." 

Für dieses Entgegenkommen lobt er den Wasserverband – und "dass mit uns gesprochen wurde". So hätten die Anwohner immerhin Schlimmeres verhindert, ist Dieter Kress überzeugt. "Wollen wir nur hoffen, dass das nicht in zwei, drei Jahren nachgeholt wird."

Warum der Vorsitzende des Umweltausschusses im Bad Vilbeler Parlament von Bäumen Albträume bekommt, können Sie hier nachlesen.

Wie die Renaturierung der Nidda weitergeht und wann sie fertig können, erfahren Sie hier

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