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Bis 2021 darf hier noch getobt und gespielt werden. Was dann mit dem Spielplatz und den Räumen der Spiel- und Lernstube in Bad Vilbel passiert, ist unklar. Stadträtin Heike Freund-Hahn hat nun bekannt gegeben, dass der Schülerhort im Sommer 2021 schließt.

Ende der Spiel- und Lernstube

Eltern sind schockiert: Schülerhort in Bad Vilbel schließt 2021

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Im Juni 2018 feierte die Spiel- und Lernstube noch ihr 40-jähriges Bestehen, nicht einmal ein Jahr später ist klar: Ein weiterer runder Geburtstag wird nicht hinzukommen. Im Sommer 2021 ist in der Homburger Straße 66b wohl Schluss. Schon jetzt besteht ein Aufnahmestopp. Ein Ersatzangebot für den Schülerhort ist laut Stadtverwaltung nicht geplant. Für diesen könnten die Eltern aber selbst sorgen.

Bad Vilbel - Als Ayse Isik vor ein paar Tagen ihren jüngeren Sohn für die Nachmittagsbetreuung bei der Lern- und Spielstube anmelden will, fällt sie aus allen Wolken. Der Hort für Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse nehme vorerst keine neuen Schüler auf, heißt es da. Und mehr noch: Im Sommer 2021 schließt die Einrichtung angeblich komplett. "Ich war schockiert. Mein Mann und ich sind voll berufstätig. Ohne den Hort, weiß ich nicht, wie ich meine Kinder betreuen lassen soll", sagt die Mutter, deren älterer Filius schon vor einem Jahr im Hort untergekommen ist.

Inzwischen hat Stadträtin Heike Freund-Hahn (FDP), die im Rathaus für Soziales zuständig ist, auf Anfrage dieser Zeitung die Gerüchte bestätigt: "Ja, die Spiel- und Lernstube schließt zum Ende des Schuljahres 2020/21, also im Sommer 2021."

Im vergangenen Jahr hatte die Kindertagesstätte für Grundschüler, die seit gut 21 Jahren in Trägerschaft der Stadt Bad Vilbel steht, noch ihr 40-jähriges Bestehen gefeiert. Nun sagt die Sozialdezernentin: "Wir können den Hort nicht weiter betreiben." Was mit den Räumen in der Homburger Straße 66b passiert ist demnach noch unklar.

29 aktuell in Betreuung

Insgesamt 29 Kinder werden derzeit in der Spiel- und Lernstube betreut. Werkstags um 12 Uhr geht es los. Eltern können aus drei Modulen wählen: Die vier Erzieherinnen beaufsichtigen den Nachwuchs bis 15, 16 oder 17 Uhr. Es gibt einen großen Spielplatz vor der Haustür, ein gemeinsames Mittagessen, das von einer eigenen Küchenhilfe zubereitet wird, und eine professionelle Hausaufgabenbetreuung. Der wohl größte Pluspunkt ist aber, dass der Hort auch in den Schulferien nur zwei Wochen zumacht und sonst sogar ab 9 Uhr geöffnet hat.

Zuletzt mit den Eltern geschlossene Verträge habe man bereits zeitlich begrenzt, erläutert Freund-Hahn nun. Jüngst habe das zuständige städtische Kita-Büro auch einen Aufnahmestopp verhängt. Einzig wie mit nachrückenden Geschwisterkindern zu verfahren sei, sei noch nicht abschließend geklärt. Dass die Stadtverwaltung ein Ersatzangebot für den Schülerhort einrichtet, sei nicht vorgesehen.

"Der Hort an sich ist ein Auslaufmodell, weil die Schulen immer mehr auf Ganztagsbetreuung setzen", ist die Vilbeler Politikerin überzeugt. Sie baut hierbei vor allem auf den "Pakt für den Nachmittag", ein Programm des Landes Hessen, das helfen soll, an Grundschulen die Nachmittagsbetreuung auszubauen. Freund-Hahn: "Davon erhoffe ich mir ganz viel."

Die Dortelweiler Regenbogenschule ist seit dem laufenden Schuljahr eine von vier Schulen in der Wetterau, die vom "Pakt für den Nachmittag" profitieren. Sie bietet damit in Bad Vilbel das umfangreichste Angebot der öffentlichen Grundschulen. Hier gibt es in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt (AWO) an fünf Tagen in der Woche und in den Schulferien eine Nachmittagsbetreuung bis 17 Uhr. Auch Saalburgschule, Stadtschule und Ernst-Reuter-Schule haben Ganztagsangebote in unterschiedlichem, wenn auch geringerem Umfang.

Erzieher-Stellen fallen weg

Dass die Stadt Bad Vilbel den Kinderhort betreibt, ist eine freiwillige Leistung. Dass es nun in zwei Jahren das Ende der Lern- und Spielstube bevorsteht, hat laut Freund-Hahn mehrere Gründe. Zum einen verliert die Einrichtung zwei Mitarbeiterinnen, die bis dahin in Rente beziehungsweise Altersteilzeit gehen. Zum anderen habe die Stadtverwaltung, so die Stadträtin, vom Hessischen Rechnungshof das Signal bekommen, "sich auf das Kerngeschäft zu beschränken."

Das bedeutet: "Wenn wir die Erzieherstellen nachbesetzen können, werden wir sie auf die Kindergärten umlegen", erklärt Heike Freund-Hahn. Dort würden sie dringender gebraucht. Zuletzt hatte die Stadt mit Personalproblemen in den Kitas zu kämpfen (wir berichteten). Ausgebildete Erzieher sind vor allem im Frankfurter Ballungsraum Mangelware.

Alternative gesucht

"Der Hort ist eine tolle Sache", sagt Ayse Isik. "Ein Riesenvorteil ist für mich, dass die Kinder vier Jahre lang die gleichen Betreuer haben. Da muss man sich keine Gedanken machen." Auch die Ferienbetreuung und die qualifizierte Hausaufgabenhilfe finde man sonst nirgendwo zu vergleichbaren Konditionen. Knapp über 200 Euro im Monat habe sie für ihren Sohn gezahlt.

"Das haben wir gern gemacht", sagt die Personalberaterin. Vom gemeinsame Betreuungsangebot der AWO und der Saalburgschule, auf die ihr Ältester bereits geht und die der jüngere auch besuchen wird, ist sie nicht überzeugt. Ein Babysitter oder ein Au Pair sei aber allein aus finanziellen Gründen kein Alternative.

"Wir sind 2018 von Offenbach nach Bad Vilbel gezogen, weil es hier ein kinderfreundlicheres Umfeld geben soll", erzählt Ayse Isik, die im Neubaugebiet am Ziegelhof in Massenheim wohnt. "Jetzt muss ich schlimmstenfalls meinen Job aufgeben." Ihre Zukunftssorgen teilten viele Eltern in den Nachbarschaft, erzählt sie. Bis zum Äußersten will Isik es aber nicht kommen lassen. Sie überlegt, mit anderen Betroffenen eine Initiative zu gründen, und den Hort in Eigenregie weiterzuführen. "Bis die Politik was macht, ist’s zu spät. Ich brauche bis nächstes Jahr eine Lösung." Dann kommt ihr jüngster Sohn in die ersten Klasse.

Kommentar: Ein harter Schlag, aber nachvollziehbar 

Dass die Stadt die Spiel- und Lernstube dichtmacht, ist für junge Eltern aus Bad Vilbel ein harter Schlag. Ihnen bricht eine wertvolle und bewährte Betreuungsmöglichkeit für den Nachwuchs weg. Zwar nicht vom einen auf den anderen Tag, doch auch zwei Jahre Vorlauf sind fix vorbei. Heftiger Gegenwind dürfte dem Sozialdezernat daher sicher sein. Alles in allem ist dessen Entscheidung aber nachvollziehbar. Denn der Ärger vor dem man nun steht, ist – auch wenn es anders wirkt – nicht per se hausgemacht. Der erhobene Zeigefinger muss Richtung Wiesbaden und Berlin gehen – die Stadt gerät hier in eine undankbare Situation. So hat sie für ihre sozialen Vorhaben nur begrenzte Ressourcen zur Verfügung und ist nun gezwungen diese umzuverteilen. Dabei hat sie keine schlechte Alternative gefunden: Die städtischen Kitas können die zwei nachzubesetzenden Stellen dringend gebrauchen. Dass die Stadt jahrelang mit dem Hort einen eigeninitiativen Beitrag zur Kinderbetreuung geleistet hat, ist löblich, und dass es damit nun zu Ende geht umso dramatischer. Im Gegensatz zu 40 Jahren Hort hat sich der "Pakt für den Nachmittag" nämlich längst nicht bewährt.

von Alexander Gottschalk

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