+
Die Bibliotheksbrücke ist derzeit Klaus Zellers Lieblingsort in Bad Vilbel. Das ändert sich aber ständig. Als langjähriger Chef der Ordnungspolizei kennt er die Stadt wie seine Westentasche. Nun muss sie ohne ihn zurecht kommen: Der 65-Jährige setzt sich zu Ruhe.

Einsatzleiter der Ordnungspolizei geht in Ruhestand

Klaus Zeller: Ein Vilbeler Original sagt Tschüss

  • schließen

Cowboy, Kamelhirte, Kontrolletti: Klaus Zeller ist eine Bad Vilbeler Kultfigur. Wer ihn nicht als Ordnungspolizist kennt, der kennt ihn als Marktmeister des größten Volksfests der südlichen Wetterau. 

Bad Vilbel - Wie könnte er nicht wehmütig sein? Klaus Zeller nippt an seinem Kaffee. "Der Job war toll, weil er immer spannend war", sagt er dann lächelnd. "Im Laufe eines Tages wusste man nie, was die nächste Stunde bringt." Ganze 26 Jahre war der heute 65-Jährige das Gesicht der Bad Vilbeler Ordnungspolizei. Jetzt sitzt er an einem diesigen Montagvormittag im Café Wewe und blickt auf die Nidda, statt wie sonst um diese Zeit Ruhestörer zu jagen und Verkehrsrowdys zu schnappen.

Seit Anfang April ist Zeller im Ruhestand. Mehr oder weniger unfreiwillig. "Ich hätte gern noch weitergearbeitet", sagt er. Eine schwere Krankheit ließ das jedoch nicht zu. Nun bleibt mehr Zeit für anderes. Zum einen natürlich fürs Auskurieren, aber auch für die große Familie, Spaziergänge und Reisen nach Indonesien, das Heimatland seiner Ehefrau Tamaria. Jetzt gerade ist Zeller aber ganz zufrieden dort, wo er ist. Die Bibliotheksbrücke ist "momentan sein liebster Platz in Bad Vilbel", erzählt der Mann, der wohl mit Fug und Recht von sich behaupten kann, dass es in der Quellenstadt keine Ecke mehr gibt, die er nicht kennt.

1993 geht Zeller zur Ordnungspolizei – Fortbildungslehrgänge mit der Landespolizei

Mit elf Jahren kam Zeller in die Wetterau. Sein Vater hatte einen Job bei einem regionalen Energiedienstleister bekommen, also zog die Familie von Feldkrücken im Vogelsbergkreis auf den Heilsberg. Zeller machte in Bad Vilbel seinen Realschulabschluss und lernte danach Fernmeldetechniker, einen Ausbildungsberuf, den es heute längst nicht mehr gibt. Nach einem Job in Offenbach, landete er schließlich bei der Stadt Bad Vilbel. Als hauptamtlicher Feuerwehrgerätewart hieß es für ihn zehn Jahre lang Fahrzeuge reparieren und Schläuche warten.

1993 trat Zeller dann die Stelle an, die noch heute dafür sorgt, dass er auf der Straße regelmäßig gegrüßt wird: Er wechselte zur Ordnungspolizei, wo er nach nur drei Jahren zum Einsatzkoordinator aufstieg. "Damals hießen wir noch Hilfspolizei und wir hatten weniger Aufgaben als heute", erzählt der Mann mit der rauen Stimme. Wie Geschwindigkeitsmessungen funktionieren und welche Strafe zu welcher Ordnungswidrigkeit gehört, lernte er bei den Fortbildungslehrgängen mit der Landespolizei, den Rest im Dienst.

Zeller avanciert in Bad Vilbel zur Kultfigur – Kameltreiber und Cowboy

Mit der Zeit avancierte Zeller zu einer kleinen Bad Vilbeler Kultfigur. "Schneller als der Zeller", wurde zum geflügelten Wort, ein Aufkleber mit diesem Ausspruch und einem Foto des Ordnungshüters soll es sogar bis auf die Hamburger Reeperbahn geschafft haben. 

"Es ist nicht übertrieben, wenn man davon spricht, dass Klaus Zeller der wohl bekannteste städtische Mitarbeiter war und ist", sagt Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU), der als Ordnungsdezernent lange Zellers Chef war. "Er ist auch so etwas wie das wandelnde Gedächtnis städtischer Einsätze und Geschehnisse. Wer sich einmal mit ihm unterhält, der erfährt Dinge, die man erst kaum glauben kann und über die man dann herzlich miteinander lacht."

Ob er als "Cowboy" entflohene Kühe, die den Sportplatz in Massenheim zertrampelten, zurück zur Weide brachte oder ob er mit zwei Kamelen im Schlepptau die L3008 entlang lief. Ob er Raser aus dem Verkehr zog oder beschwipste Teenager bei den Eltern ablieferte – Zeller hatte stets nur eines im Sinn: Bad Vilbel sollte sauber, geordnet und lebenswert bleiben.

Zeller wird zum TV-Star – Mit Kollegen steht er für "Achtung Kontrolle" vor der Kamera 

Für die Sendung "Achtung Kontrolle" auf "Kabel 1" stand Zeller, der selbst in der Kernstadt wohnt, gemeinsam mit dem Kollegen Tilo Reichart vor der Kamera. Zum Leinwandhelden wurde der TV-Star dann beim 25-jährigen Jubiläum des Open-Air-Kinos, wo er Teil des Jubiläumsfilms war.

"Ich habe viele Anekdoten gesammelt", fasst Zeller grinsend zusammen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass er auch Veranstaltungen wie die Gronauer Kerb oder das Straßenfest in der Frankfurter Straße mitorganisierte. Den wichtigsten Job hatte er aber ehrenamtlich inne: 16 Jahre lang sorgte er als Marktmeister dafür, dass bei beim Bad Vilbeler Markt alles glatt läuft. 

"Dass Zeller große Fußstapfen hinterlässt, ist unbestritten. Die Ordnungspolizei und ihre Arbeit hat er wie kein Zweiter geprägt", lobt Wysocki. "Die Türen im Rathaus stehen ihm immer offen." Wer auf Zeller als Einsatzkoordinator der Ordnungspolizei folgt, steht noch nicht fest.

Eins ist aber klar: Dem Vilbeler Markt will der 65-Jährige in diesem Jahr fernbleiben. "Ich möchte meinen Nachfolgern ermöglichen, sich ungestört in das erste Jahr ohne mich einzuarbeiten. Es wäre nicht gut, wenn ich an jeder Ecke auf dem Markt angesprochen würde", sagt er. Gespannt, was seine Heimatstadt danach für ihn bereithält, ist er aber natürlich. "Bad Vilbel wandelt sich ja gefühlt monatlich." Und wer weiß: Vielleicht kommen ja sogar noch ein paar neue Ecken zum Erkunden für ihn dazu.

Von Alexander Gottschalk

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare