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Wendy Müller macht es sich bequem. Doch die Yoga-Lehrerin betont: Nicht jeder muss so gelenkig sein, um Yoga als Bereicherung zu empfinden.

Lebenslanger Übungsweg

Das Leben muss (k)ein Spagat sein: Wendy Müller hat Yoga zu ihrem Beruf gemacht

Lange am Schreibtisch sitzen, die Augen ständig auf den PC gerichtet: Dieses Zustand kannte auch die Bad Vilbelerin Wendy Müller. Doch mit der Geburt ihres Kindes wurde es nicht nur für eine neue berufliche Ausrichtung Zeit, Müller entdeckte einen neuen Lebensstil für sich: Yoga. Dazu gibt sie heute nicht nur Kurse sondern will auch mit Klischees aufräumen.

Bad Vilbel - Bei Yoga denken viele meist an indische Gurus und unmenschliche Verrenkungen – ein Sport nur für Frauen und Gummimenschen. Unter Begriffen wie "Herabschauender Hund", "Kobra" oder "Haltung des Kindes" können sich die wenigsten etwas vorstellen. Das Yoga jedoch viel mehr als die bloße Summe seiner Haltungen ist und viele positive Auswirkungen auf Körper, Geist und Wohlbefinden mit sich bringt, bemerkte Wendy Müller schnell, als sie selbst das erste Mal mit Yoga in Berührung kam. Die 41-jährige machte ihre Leidenschaft zum Beruf und unterrichtet heute als selbstständige Yoga-Lehrerin in ihrem Yoga-Studio in Dortelweil.

Den Alltag an einem Ort der Entspannung und des Rückzugs hinter sich lassen, sich selbst näherkommen, um abseits des hektischen Lebens wieder eine Verbindung von Körper und Geist herzustellen und so Freude und Gelassenheit zu erfahren. Dieses Geschenk möchte Wendy Müller den Teilnehmern machen, die die verschiedenen Kurse des "Verbunden Sein"-Yoga-Studios besuchen.

Yoga in Bad Vilbel: Die Grenzen spüren

Ihren Schwerpunkt setzt die YogaLehrerin dabei auf achtsames Hatha-Yoga sowie den ruhigen und passiven Yin-Yoga-Stil. Doch auch intensivere Einheiten bieten Raum, um sich auszupowern und seine Grenzen auf neue Art und Weise kennenzulernen. Regelmäßige Workshops zu speziellen Themen und Kooperationen mit handverlesenen externen Trainern runden das Angebot ab.

Erst vor etwa acht Jahren kam Wendy Müller auf der Suche nach einem Ausgleich zu ihrem Bürojob erstmals mit Yoga in Berührung. Schnell bemerkte sie die positiven Auswirkungen, die Yoga ihrem Körper und Geist im Alltag kurzfristig wie langfristig bot. Die Idee, ein eigenes Studio zu eröffnen, beschreibt sie aber als Prozess, der sich über die Zeit entwickelt hat.

Nach der Geburt ihres heute sechsjährigen Sohnes Felix passten das Arbeitsmodell ihres alten Jobs als Marketingmanagerin und das Familienleben nicht mehr zusammen und es fehlte die berufliche Erfüllung. Besagte Idee des eigenen Studios kam dann erstmals im Frühjahr 2017 auf, als sie bereits Yogastunden im Bad Vilbeler Burgpark leitete. Der Traum von der Selbstständigkeit wuchs und ging schließlich in Erfüllung. "Es hat sich einfach richtig angefühlt."

Als Selbstständige bestimmt sie seitdem selbst ihre Tages- und Arbeitsstruktur. Neben der Vorbereitung von Yoga-Einheiten und Workshops gehören auch administrative Tätigkeiten wie Rechnungen, Steuer aber auch Marketing-Aktivitäten zu ihrem Alltag. Vor den abendlichen Kursen gehören Mittag und Nachmittag der Familie. Den Tag mit einer persönlichen Yoga- oder Meditationspraxis zu beginnen ist dabei für die Powerfrau ebenso essenziell, wie gutes Essen, viel frische Luft sowie an freien Tagen ausreichend Schlaf, Saunagänge oder Massagen.

"Obwohl ich quasi Vollzeit Yoga praktiziere und lehre ist es besonders wichtig, gut für mich selbst zu sorgen, um in meiner eigenen Kraft zu bleiben." Ihre Inspiration, die sie unter anderem auch in die Stundengestaltung einfließen lässt und mit ihren Schülern teilt, findet sie unter anderem in Büchern, Begegnungen, Musik und in der Natur – "eben in allem, was mich umgibt und ich erfahre".

Langsam und behutsam

Zum Klischee, Yoga sei nur etwas für Gummimenschen oder Gurus hat Wendy Müller eine klare Meinung. "Ich bin überzeugt, dass Yoga für jedermann geeignet ist und auch jedem guttun würde." Gerade ungelenkige Menschen könnten und sollten Yoga praktizieren, denn es biete einige Vorteile. Durch häufiges Sitzen im Alltag und mangelnde Bewegung verkürze die Muskulatur und die Gelenke versteifen.

Dadurch, dass die Muskeln in der Yoga-Praxis langsam und behutsam gedehnt werden und auf die jeweilige Flexibilität des Körpers eingegangen und gegebenenfalls mit Hilfsmitteln unterstützt werde, sei für jeden eine individuelle Verbesserung zu erzielen. Besonders Wirbelsäule und Schultern profitierten von regelmäßiger Yoga-Praxis. "Darüber hinaus lernen wir, unseren Körper, Atem sowie unsere Gedanken und Gefühle bewusster wahrzunehmen – schon innerhalb einer Kurseinheit sind Veränderungen für die Teilnehmer spürbar." Und auch wer ohne spirituelle Absichten Yoga praktiziert, bemerke Veränderungen und fühlt sich körperlich gefordert und entspannt.

Trotz widerlegter Klischees wird Yoga aktuell noch vermehrt von Frauen praktiziert – und das, obwohl das ursprüngliche fernöstliche Yoga eine reine Männerdomäne war. Doch auch der westliche Mann hat die positiven Auswirkungen von Yoga auf die Leistungssteigerung im Sport und zur Vorbeugung von Verletzungen inzwischen erkannt und selbst Profiteams wie die Fußballnationalmannschaft integrieren Yoga in ihre Trainingskonzepte. Diesem Trend begegnet Wendy Müller mit ihrem kürzlich gestarteten Yoga-Anfängerkurs nur für Männer.

Info: Kennenlernen im Burgpark 

Wendy Müller betreibt seit 2017 das Yoga-Studio "Verbunden Sein Yoga" in Bad Vilbel Dortelweil. Auf der Website www.verbundensein- yoga.com finden Interessierte zahlreiche Kurs- und Workshop-Angebote sowie einen Blog. Ab Ende April bis September findet jeden Dienstag von 19 bis 20.15 Uhr zudem Yoga auf der großen Wiese im Burgpark statt. Dies sei eine gute Möglichkeit, einen Einblick in eine typische Yoga-Einheit zu erhalten. Nichtmitglieder zahlen für das Openair-Yoga Angebot 10 Euro.

von Mario Hess

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