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Gebäude des Unternehmens sind von der B3 gut zu sehen. Nun musste WT Systems Insolvenz anmelden.

40 Mitarbeiter entlassen

Massenheimer Unternehmen WT Systems ist insolvent – Verfahren hat begonnen

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Wer regelmäßig auf der B3 an Bad Vilbel vorbei Richtung Karben fährt, kennt die großen Hallen auf Massenheimer Seite, die zur Firma WT Systems IT-Service & Logistic gehören. Die Stadt hat dort seit 2013 Grundstücke an den IT-Dienstleister vermietet. Es folgten Erfolgsjahre, zweimal wurde angebaut. Nun ist WT Systems pleite. Am Montag hat das Insolvenzverfahren begonnen.

Bad Vilbel - Der in Bad Vilbel ansässige IT-Dienstleister WT Systems ist insolvent. Anfang der Woche hat das zuständige Amtsgericht Frankfurt das Verfahren gegen das Unternehmen eröffnet. Der Insolvenzberater Frank Schmitt vom Büro Schultze & Braun aus dem baden-württembergischen Achern hat die Frankfurter Finanzberatung Falkensteg damit beauftragt, gezielt einen oder mehrere potenzielle Käufer für die Firma anzusprechen. Sie sollen WT Systems übernehmen und sanieren.

40 von 192 Mitarbeitern, also knapp ein Fünftel der Angestellten, wurde zum 1. April gekündigt. Nach Angaben von Schmitt, habe das Unternehmen die Entlassungen wegen Umsatzeinbußen bereits ausgesprochen, bevor es Anfang Februar den Insolvenzantrag gestellt habe, um die "Personalstärke zu reduzieren". Etwa 110 Beschäftigte hatte die deutschlandweit agierende GmbH am Standort Bad Vilbel, im Raum Frankfurt ansässige Service-Techniker eingerechnet.

Die Sozialauswahl sei das Kriterium für die Auswahl der gekündigten Mitarbeiter gewesen, heißt es vom Unternehmen. Weitere Entlassungen sind laut Schmitt derzeit nicht geplant. Zum Monatsanfang hat der ins Wanken gekommen Arbeitgeber aus der Quellenstadt auch die Gehälter und Löhne seiner Mitarbeiter wieder voll übernommen, zuvor waren diese über das Insolvenzgeld abgesichert gewesen.

Ziel: Arbeitsplätze halten

"Oberstes Ziel des Verfahrens ist der Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingen könnte", sagt der Insolvenzverwalter. Wie viele Stellen jedoch im Zuge einer möglichen Firmenübernahme gestrichen werden, hänge "maßgeblich von den Vorstellungen des Investors ab". Die Personalplanungen seien für den Gläubigerausschuss ein wichtiges Kriterium dafür, wer letztlich bei WT Systems einsteigen darf.

Es gebe ein reges Interesse an den Massenheimern. Man erwarte "kurzfristig finale Angebote", heißt es weiter vonseiten des Unternehmens. Schmitt: "Wir wollen noch im Frühjahr einen entsprechenden Übernehmer finden." Der Geschäftsbetrieb laufe derzeit "unverändert und ohne Einschränkungen weiter", bestehende Aufträge würden "absprachegemäß bearbeitet" und WT Systems habe in den zurückliegenden Wochen sogar neue Geschäfte auftun können, berichtet Schmitt. Man stehe in engem Austausch mit Auftraggebern und Lieferanten.

WT Systems setzt als IT-Dienstleister die Computer-Infrastruktur ganzer Behörden und Großunternehmen auf. "Dafür benötigt man entsprechendes Know-how und fähige Mitarbeiter", sagt Schmitt. Die Experten richten neue PCs mit passender Software ein, warten und reparieren die Geräte oder löschen alte Festplatten.

Dazu gehört auch ein großer logistischer Aufwand. An der Zeppelinstraße 33 liefern oder holen Transporter oft nachts Gerätschaften ab, in den extra-geschützten Hallen lagern Computer und Technik-Zubehör. "Zu den Lieferanten zählen mehrere große internationale Hersteller von Computerhardware, in deren Auftrag WT Systems die IT-Infrastruktur bei den Kunden ausrollt", erklärt Schmitt. Seinen Angaben nach erwirtschaftet die Firma rund 17 Millionen Euro im Jahr. Im Oktober 2013 war die WT Systems IT-Service & Logistic GmbH von Maintal aus ins Massenheimer Gewerbegebiet an die B3 umgesiedelt. Dort hat sie mehrere große Grundstücke für ihre Logistikhallen vom Eigenbetrieb Immobilien der Stadtwerke angemietet, 2016 hatte sie zuletzt für knapp zehn Millionen Euro ausgebaut.

Die Expansion sollte den knapp gewordenen Lagerplatz zentralisieren und zusammenfassen. Geschäftsführer Michael Weber hoffte zu dieser Zeit noch, WT Systems weiter Richtung Mittelstandsunternehmen entwickeln zu können. Damals hatte er gerade den Großauftrag einer Bundesbehörde an Land gezogen.

In der Folge sei das Unternehmen vor allem personell vergrößert worden, antwortet Weber nun schriftlich auf Anfrage dieser Zeitung. "In den Jahren 2017 und 2018 wurden in diesem Projekt jedoch bedeutende Bestandteile deutlich verschoben", sagt er. "Das konnte nicht aufgefangen werden." Wegen der so entstanden Verluste und einer drohenden Zahlungsunfähigkeit habe dann WT Systems den Insolvenzantrag stellen müssen. Außerdem, ergänzt Schmitt, hätten weitere Kürzungen und Verschiebungen bei anderen Projekten zu Einbußen geführt. Was genau das bedeutet, bleibt jedoch offen. Auch Zahlen gibt WT Systems nicht heraus.

Standort soll bleiben

Wie es nun mit dem IT-Dienstleister weitergeht, müssen die kommenden Monate zeigen. "Die vertrieblichen Aktivitäten wurden ausgebaut. Zusätzlich, neue Dienstleistungen sind in Planung", antwortet Weber auf die Frage nach einer unternehmerischen Neuausrichtung. Und Bad Vilbel? "Der Standort soll in vollem Umfang erhalten bleiben", bekennt der Geschäftsführer. Doch: Auch in dieser Sache haben kommende Investoren das letzte Wort. Weber: "Die auch verkehrstechnische perfekte Lage des Standorts und die Güte der Gebäude wird aus unserer Sicht jedoch alle Interessenten überzeugen."

Im Rathaus hat die Nachricht der wirtschaftlichen Schieflage des Massenheimer Gewerbesteuerzahlers jedenfalls keine Panik ausgelöst. Rund 900 000 Euro Miete zahle die Firma jährlich für ihre Flächen in Bad Vilbel an die Stadt – eine nicht unerhebliche Einnahmequelle. "Die Stadtwerke hoffen mit den Eigentümern auf eine Fortführung des Betriebes, damit möglichst viel Arbeitsplätze gerettet werden können. Das ist das wichtigste Anliegen", schreibt Stadtwerke-Chef und Stadtrat Klaus Minkel (CDU), der das Geschäft mit WT Systems einst eingefädelt hatte. "Ansonsten sind Logistik-Immobilien zur Zeit sehr gefragt."

von Alexander Gottschalk

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