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Co-Direktor Timmy Barelli schaut, dass beim Zeltaufbau an alles gedacht wird.

Akrobaten, Clowns und Kamele

Manege frei: Zirkus Barelli hat sein Zelt in Dortelweil aufgebaut

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Dank der Plakate überall in Bad Vilbel kommt man nicht umhin zu bemerken: Ein Zirkus ist in der Stadt. Die Gebrüder Barelli haben in Dortelweil ihre Zelte aufgeschlagen. Morgen beginnen die Vorstellungen. Die Schausteller hoffen auf großen Publikumsandrang, denn die Kosten für ihre Show sind hoch. Erst mal hat sich aber ein anderer Gast angekündigt: Das Veterinäramt.

Bad Vilbel - Sie sind selten geworden in Deutschland, die fahrenden Zirkusse. "Wenn es so weitergeht, gibt es in zehn Jahren keine mehr", raunt Francesco Barelli, dessen bürgerlicher Namen eigentlich John Henry Spindler ist. Der 62-Jährige ist Seniorchef beim "Circus Gebrüder Barelli", wie das Unternehmen, das die Familie Spindler-Barelli inzwischen in sechster Generation führt, heute heißt. Der Zirkus gilt als einer der größten des Landes, glaubt man Barelli, ist es gar der zweitgrößte nach dem in München beheimateten Circus Krone.

Ihren Hauptsitz haben die Gebrüder Barelli in Pirmasens. Dort sind sie aber selten anzutreffen, reisen sie doch von März bis November durchgängig umher. Gerade kommt der Tross aus 70 Wagen mit Tiertransportern, Wohnmobile und Lastwagen aus Büdingen, wo die Schausteller ihre jüngsten Shows gespielt haben. Nun machen sie halt in Bad Vilbel-Dortelweil, auf einer Grünfläche des Porta-Parkplatzes. Eine Chance, für die Barelli dem Möbelhaus sehr dankbar ist. Denn: "Es wird immer schwieriger, noch einen Platz zu bekommen", sagt der erfahrene Zirkusleiter.

Zuletzt verkündeten viele Zirkusse in der Republik: Sie kämpfen ums Überleben. Der frühere Manegenzauber lockt immer weniger Schaulustige, die Kosten steigen gleichzeitig. Pro Tag 6000 Euro braucht es laut Barelli, um seinen Zirkus am Laufen zu halten, eingerechnet hat er beispielsweise Futter, Spritkosten und Platzgeld. Die Vorstellungen sind also zum Erfolg verdammt.

Veterinäramt überprüft Zirkus

Schwer wiegt vor allem, dass Zirkusse vielerorts keinen guten Ruf mehr haben. Das fahrende Volk wird nur selten mit Euphorie begrüßt, Tierschützer stellen Dompteure & Co. immer wieder öffentlich an den Pranger. "Schwarze Schafe gibt es überall", sagt Barelli dazu nur. "Für die Fehler anderer können wir nichts." Mit der häufig kritisierten Tierhaltung gebe es in seinem Zirkus keine Probleme. Er beteuert: "Das Veterinäramt gibt uns immer die Note Eins. Unsere Tiere gehören für uns zur Familie. Außerdem haben wir sowieso keine Wildtiere." Die Pressestelle des Wetteraukreises teilt auf Anfrage dieser Zeitung mit: Der "Circus Gebrüder Barelli" sei dem Fachbereich nicht bekannt. Die Verantwortlichen hätten sich demnach längst beim Amt melden müssen, weil sie Ende April und Anfang Mai in Büdingen-Düdelsheim, also im Kreisgebiet, gastiert hätten. Das Veterinäramt werde Mitarbeiter nach Dortelweil schicken, die überprüfen sollen, ob die Tiere sachgerecht untergebracht und versorgt sind. Ein Ergebnis stand zum Redaktionsschluss noch aus.

30 Pferde, sechs Kamele und zwei Kühe gehören bei Barellis zu den Stars des Programms. Der aus Sibirien stammende Zabo gilt nach Angaben des Zirkus als "der größte Kamelbulle Europas". Dompteur Franz Barelli soll mit seiner Dressur "die Schönheit dieser prächtigen Tiere" zeigen. Der Co-Zirkusdirektor führt auch die edlen Araber-Hengste durch die Manege. Artistin Salima Sidney beweist derweil auf dem Rücken von Andalusier-Hengst Amarando ihr außergewöhnliches Reit-Talent.

Die Tiere sind laut Seniorchef Barelli jedoch nur ein kleiner Part des zweistündigen Zirkusspektakels. Höhepunkte setzen für ihn die menschlichen Künstler. 40 Personen sind in Summe mit dem Schausteller-Tross unterwegs, nicht nur Artisten und Clowns, sondern auch Aufbauhelfer und Musiker. Besonders stolz ist Barelli auf die "Kenya Boys". Die Akrobaten mit afrikanischen Wurzeln bauen menschliche Pyramiden und verbiegen sich wie Schlangenmenschen.

Band spielt live

Auch der Tanz auf dem Seil darf unter dem Dach des großen Vier-Mast-Zeltes nicht fehlen. "Miss Desirée" versucht, ihre Zuschauer hierbei mit fantastischen Schrittsequenzen und atemberaubenden Sprüngen zu verzaubern. In die großen Zeiten der Wassermanege entführt "Miss Ramona", wenn sie zwischen Luft und Wasserbassin ihre Akrobatik zelebriert. Clown, Comedian und Co-Direktor Nummer zwei, Timmy Barelli, zieht zwischendurch alle humoristischen Register und hat auch eine tierische Nummer im Gepäck: Ein oberbayerisches Kuhballett und ein gar nicht so dummer Esel. Musikalisch begleitet wird das Geschehen in der Manege von der live aufspielenden Circus-Band.

Morgen um 15 Uhr feiert die Zirkusshow in Dortelweil Premiere. "Das Interesse ist groß. Wir merken, dass schon lange kein Zirkus mehr in der Stadt war", sagt Francesco Barelli. Er hofft, dass sich die Zuschauerreihen zu allen acht Vorstellungen, die bis Sonntag geplant sind, füllen. Barelli: "Die lange Zirkustradition sollte nicht ganz aussterben."

Info: Der "Circus Gebrüder Barelli" präsentiert am morgigen Donnerstag, 9. Mai, um 15 und 19 Uhr seine Galapremiere. Wiederholt wird die Show an den darauffolgenden Tagen zu den gleichen Zeiten und am Sonntag um 11 und 15 Uhr. Tickets gibt’s ab 20 Euro für Erwachsene und ab 15 Euro für Kinder. Am Freitag ist Familientag, die Nachmittagsshow kostet dann nur 10 Euro auf allen Plätzen außer der Loge. Karten sind direkt an der Zirkuskasse erhältlich. Sie ist täglich von 11 bis 12 Uhr sowie an den Spieltagen immer eine Stunde vor Vorstellungsbeginn geöffnet. Buchungen sind auch unter der Rufnummer (01573) 2818873 oder online unter www.circus-gebrueder-barelli.jimdosite.com möglich.

von Alexander Gottschalk

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