Vom Container bis zum Mini-Appartement

In Bad Vilbel leben Flüchtlinge ganz unterschiedlich

Nach sechs Monaten Bauzeit ist das Flüchtlingsheim in der Homburger Straße für rund 1,4 Millionen Euro fast fertiggestellt, auch in die Container-Unterkunft in der Huizener Straße sind bereits erste Bewohner eingezogen. Zwei Projekte, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten.

Derzeit kümmert sich die Stadt Bad Vilbel um 429 Flüchtlinge, 23 davon leben allerdings in Hirzenhain oder Altenstadt. Dies schildert Sozialdezernentin Heike Freund-Hahn (FDP). Für sie müssen entsprechende Unterkünfte bereitstehen.

Eine Wohnanlage bestehend aus zwei großen Modulen: Hier werden bald 70 Menschen zu Hause sein, zirka 15 davon sind bereits eingezogen. Das Flüchtlingsheim an der Huizener Straße ist eine Container-Lösung. Doch wie werden die jetzigen und künftigen Bewohner hier leben?

Bad Vilbels Stadtsprecher Yannick Schwander und Dorit Schulze, Fachdienstleiterin Hochbau/Gebäudeunterhaltung zeigen, wie es hinter den weißen Stahlblechwänden aussieht. Die beiden führen in den noch unbewohnten ersten Stock des Teils der Anlage, der direkt an der Straße liegt. Oben angekommen, liegt links ein langer, dunkler Flur mit zahlreichen Türen, zur Rechten befindet sich ein kleiner Korridor. „Hier rechts befinden sich die Bäder. In jedem Stockwerk gibt es ein etwas größeres Herrenbad sowie ein kleineres Bad, das für die Damen vorgesehen ist“, erklärt Dorit Schulze. Noch sehen die Tageslichtbäder etwas leer aus, nur eine Toilette, ein Waschbecken und eine Duschkabine in Fertigbauweise sind zu sehen. Doch es ist alles da, was man braucht.

Durch den Flur geht es zum Wohnungs- und Küchentrakt. Simon Sag, Hausmeister mehrerer Flüchtlingsheime, kommt mit einem riesigen Schlüsselbund, ein Schlüssel für jedes Abteil. Aus zwei miteinander verbundenen Containern besteht die 31 Quadratmeter große Gemeinschaftsküche, von denen es in jedem Stockwerk eine gibt. Aufgaben wie kochen, waschen und putzen sollen die Flüchtlinge später selbst übernehmen, um Selbständigkeit zu lernen.

Doch das kann sich als Schwierigkeit herausstellen: Schwander erzählt, dass die überwiegend männlichen Flüchtlinge in ihrer Heimat größtenteils von ihren Frauen oder Müttern versorgt worden seien, die sich auch um den Haushalt kümmerten.

Bewohner sollen mitplanen

Dies zog bereits unerwartete Folgen nach sich. In einem anderen Bad Vilbeler Flüchtlingsheim hatten neu eingebaute Cerankochplatten innerhalb kurzer Zeit mehrere Sprünge, weil einige Heimbewohner weder Pfannen noch Töpfe zum Kochen benutzten und Fleisch zum Braten direkt auf den Herd legten. Zudem war Kohle für eine Shisha-Pfeife zum Erwärmen auf die heißen Kochplatten gelegt worden. Auch sonst fehlten wichtige Grundkenntnisse: Zum Wäsche waschen war in einigen Fällen kaltes Wasser verwendet worden, weshalb sich schnell Keime entwickelten.

All dies stellt nicht nur für die Betreuer eine schwierige Situation dar, sondern auch für die Flüchtlinge selbst. Diesbezüglich erzählt Schulze: „Man denkt inzwischen darüber nach, in den Erstaufnahmelagern Grundkurse zu Reinlichkeit, Kochen und Waschen anzubieten, um weitere Missgeschicke zu vermeiden und den Flüchtlingen das Einleben zu erleichtern.“ Im ganzen Gebäude fällt auf, dass die Feuermelder durch Gitter geschützt sind. Anlass hierfür sei die Bastelwut der Geflüchteten. In der Vergangenheit zeigten einige Flüchtlinge Interesse am Brandschutzsystem in der Unterkunft, bauten Feuermelder ab und auseinander. Warum, ist nicht klar.

Generell sei der Brandschutz eine komplizierte Angelegenheit. Vielen Flüchtigen sei gar nicht klar, was der Alarm eines Feuermelders bedeute, erzählt Dorit Schulze. Die Feuertreppen können im Sommer wie ein Balkon genutzt werden, allerdings sollen die Aktivitäten unter freiem Himmel vermehrt im Innenhof stattfinden, der hierfür gemeinsam mit den Bewohnern attraktiver gestaltet werden soll. Nachtruhe ist um 22 Uhr.

Untergebracht werden die Flüchtlinge in der Regel in 13 Quadratmeter großen Zweibettzimmern. Diese sind eher kahl und spartanisch eingerichtet, alles riecht noch sehr neu. Trotzdem wirkt der Raum nicht unfreundlich - durch ein großes Fenster kommt viel Licht herein, ein Tisch, Stühle, Betten und Schränke sind vorhanden, und auch die Kühlschränke befinden sich in den privaten Zimmern.

Schwander erklärt: „Die Möbel sind unverbindlich gestellt. Einzelbetten lassen sich zu Doppelbetten zusammenschieben, Kleiderschränke zu Raumteilern umfunktionieren. So können die Bewohner die Räume individueller gestalten.“

Heilsberg nicht aufgeben

Für Familien gibt es größere Zimmer. Bestehend aus zwei Containern, sind diese mit 27,6 Quadratmetern geräumiger. Laut Dorit Schulze gibt das Gesetz vor, dass in einem Flüchtlingsheim pro Bewohner 9,5 Quadratmeter – allerdings inklusive der Gemeinschaftsräume mit etwa drei Quadratmetern pro Bewohner – eingeplant werden müssen. In dieser Bad Vilbeler Unterkunft stünde sogar noch mehr Platz zur Verfügung.

„Einen Schönheitspreis gibt es dafür sicherlich nicht“, sagt Freund-Hahn. Aber bereits jetzt befinden sich dort jene Flüchtlinge, die bislang im Georg-Muth-Haus auf dem Heilsberg wohnen mussten, mit einer Privatsphäre, die oft nur durch Vorhänge hergestellt wurde. „Das Gebäude steht jetzt leer, aber aufgeben können wir es wegen der unsicheren Situation leider noch nicht, müssen es weiter vorhalten“, schildert Schwander. Auch Freund-Hahn bestätigt, dass das Haus als Reserve weiter zur Verfügung stehen müsse. Zumal die Container in der Huizener Straße nur für etwa fünf Jahre stehenbleiben werden.

Danach geht es zum Flüchtlingsheim in der Homburger Straße 66, das voraussichtlich ab Mai bezogen werden kann. Der Bau, der die Stadt etwa 1,4 Millionen Euro kosten wird – hinzu kommt allerdings eine nicht geplante zusätzliche Baustraße –, wirkt wie ein Kontrastprogramm zur Container-Anlage. Der Gemeinschaftsraum sowie die 22 Einraum- und sechs Zweiraum-Wohneinheiten in diesem Flüchtlingsheim sind gedacht für Flüchtlinge, die sich besonders um Integration bemühen, etwa für ein anerkanntes junges Paar, das bereits gute Deutschkenntnisse vorweisen kann. Rund 120 der 429 Flüchtlinge sind bereits anerkannt, leben aber zum größten Teil weiter in den Flüchtlingsheimen. „Genaue Zahlen bekommen wir vom Wetteraukreis nicht, obwohl wir schon länger darauf drängen“, schildert Freund-Hahn. Denn dabei geht es auch um Geld. Da die anerkannten Flüchtlinge Hartz IV beziehen, müssen sie nun Miete bezahlen.

In der Homburger Straße hat eine Ein-Zimmer-Einheit für zwei Personen mit eigener Küche und Bad insgesamt zirka 19 Quadratmeter, eine Zwei-Zimmer-Einheit 38. Im Gegensatz zu den Unterkünften in der Huizener Straße, wurde hier sehr nachhaltig gebaut: Für die Micro-Appartements gibt es vielfältige Nutzungsmöglichkeiten, später könnten sie auch von Studenten oder Monteuren bewohnt werden.

Laut Schulze ist die Baustelle der Baufirma Luxhaus eine richtige Musterbaustelle, alles läuft vorbildlich. Beschwerden gäbe es bis jetzt, abgesehen von einem aus Versehen gekappten Fernsehkabel zum Nachbargrundstück, nicht.

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