+
Bad Vilbel soll schöner werden. Bürgerveranstaltung in der Stadtbücherei. 

Schönheitskur für die Innenstadt

Bürger machen zahlreiche neue Vorschläge für eine attraktivere Innenstadt

Wie man die Achse entlang der Haupteinkaufsstraße in Bad Vilbel weiterentwickeln und die Aufenthaltsqualität steigern kann, darum dreht sich das Landesprogramm "Aktive Kernbereiche". Am Montagabend konnten Bürger in der Stadtbücherei Anregungen einbringen. Das haben sie getan, und zwar reichlich. 

Bad Vilbel - Eine ganze Menge hat sich in den vergangenen Jahren in der Innenstadt getan: Der trostlose und graue Zentralparkplatz ist verschwunden, dafür eine moderne neue Mitte mit Geschäften und der Mediatheksbrücke entstanden. Aktuell befindet sich auf der anderen Nidda-Uferseite die Stadthalle im Bau, danach soll das historische Kurhaus saniert werden. Aber wie sollen sich die anderen Bereiche der Innenstadt entwickeln? Wie etwa könnte die Lebensqualität der Frankfurter Straße gesteigert werden, damit sich die Menschen nicht nur in der Neuen Mitte länger aufhalten? Und was kann noch im Kurpark und in den anderen Grünanlagen getan werden? 

Diese Fragen sollen im Rahmen des Landesförderprogramms "Aktive Kernbereiche" beantwortet werden. Die Landesregierung schüttet Zuschüsse für Maßnahmen aus, die die Innenstadt "lebendig, vielfältig und unverwechselbar gestalten. Im Vordergrund stehen das Wohnen, eine stabile Wirtschaft in Kleingewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen sowie moderne Infrastruktur- und Versorgungsangebote", heißt es dort. 

Bad Vilbel soll schöner werden. Bürgerveranstaltung in der Stadtbücherei. 

Bad Vilbel: Innenstadt weiterentwickeln - Bürgerversammlung

Um in den Genuss von Zuschüssen zu kommen, muss die Stadt von professionellen Planern zunächst ein Konzept erarbeiten lassen, und zwar gemeinsam mit den Bürgern. Jetzt fand in der Stadtbücherei dazu eine Bürgerveranstaltung statt. Dazu hatten die Planerinnen Sabine Herz und Alena Röhrich diverse Einzelmaßnahmen erarbeitet, die aus dem Bürgerworkshop heraus von den Innenstadtbewohnern angeregt worden waren. 

Nun galt es, diese zu ergänzen und einen Leitsatz zu finden. Und davon machten die rund 40 Anwesenden reichlich Gebrauch. Angeregt wurden unter anderem eine Veranstaltungsreihe zum Thema "Wohnen im Alter", ein Management für den Immobilien-Leerstand in der Innenstadt, die Verbesserung der Radverkehrsinfrastruktur und vor allem vielfach der Erhalt des Freibades. Mit zu dem Programm gehören Maßnahmen, die bereits im Bau sind, wie etwa die Sanierung von Altem Rathaus und Stadthaus. 

Auch interessant: Vilbus: Stadtwerke wollen Ausfälle von Fahrten verhindern - aber keine Garantie

Bad Vilbel: Freibad soll bleiben - Bürgerveranstaltung in Stadtbücherei

Alle geplanten Projekte sind mit einem Zeithorizont versehen, "denn wir können nicht alles in zwei Jahren umsetzen", sagte Erster Stadtrat Sebastian Wysocki. Die Bürger konnten Punkte vergeben für die Projekte, die ihnen am wichtigsten sind. Auf Platz eins landete der Erhalt des Freibades vor Wohnen im Alter und der Begrünung der Kernstadt. Überhaupt: Dass die Innenstadt grüner werden soll, das wünschen sich viele. Die Planerinnen nennen das "Grün- und Freiflächen attraktivieren". Aus Sicht vieler Vilbeler könnte die Stadt auch im Kurpark etwas tun. An einer der Stellwände, an denen die Projekte vorgestellt wurden, haben einige Besucher mit dem Stadtrat heftig darüber diskutiert. 

Bad Vilbel soll schöner werden. Bürgerveranstaltung in der Stadtbücherei. 

Zudem haben die beiden Planerinnen für das Förderprogramm festgehalten, dass das alte Freibad erhalten bleiben soll. Bis 2025 sollen Investitionen in dessen Infrastruktur und ein attraktiveres Erscheinungsbild erfolgen. Ein Bürger regte zudem an, das Gelände rund ums Freibad mit in den Geltungsbereich einzubeziehen, was Wysocki und die Fachfrauen begrüßten. Vielfach haben die Bürger auch für die entlang der Frankfurter Straße vorgeschlagenen Maßnahmen Prioritätspunkte vergeben, so etwa für die Schaffung von kleinen Plätzen mit Sitzgelegenheiten an den Einmündungen. Dazu gab es Anregungen für eine bessere Fahrradinfrastruktur, etwa vermehrte Abstellplätze und Ladestationen für E-Bikes. Als Leitsatz für das Programm erhielt die meisten Punkte folgernder: "Historie bewahren – zukunftsfähige Mitte entwickeln". Eine Bürgerin hatte noch "grüne Mitte" darunter geschrieben, dick unterstrichen. 

Bad Vilbel: Hessentag 2020 - Millionen Zuschüsse möglich

Wegen des Hessentags 2020 fließen Millionen an Landeszuschüssen nach Bad Vilbel. Damit können vor allem entlang der Frankfurter Straße und im Kurpark Investitionen im öffentlichen Raum getätigt werden. Damit aber weit über das Hessenfest hinaus Zuschüsse in öffentliche wie auch private Projekte fließen und damit vor allem die Innenstadt aufgehübscht werden kann, hat die Stadtverordnetenversammlung im Mai 2018 entschieden, dass die Stadt sich um das Landesprogramm "Aktive Kernbereiche" bewirbt. 

Es unterstützt Maßnahmen, die die Zentren der Städte lebendig, vielfältig und unverwechselbar werden lassen sollen. Im Vordergrund dieses vom Umweltministerium betreuten Programms stehen "das Wohnen, eine stabile Wirtschaft in Kleingewerbe, Handel, Gastronomie und Dienstleistungen sowie moderne Infrastruktur- und Versorgungsangebote". Eine große Rolle soll dabei spielen, dass ein gesundes Stadtklima entsteht. Gefördert werden sollen ebenso "bessere Rahmenbedingungen für eine stadtverträgliche Mobilität". Attraktive Grün- und Freiflächen, belebte öffentliche Räume, die zum Verweilen einladen, Familienzentren und kulturelle Angebote sollen ebenso bezuschusst werden. 

Zunächst muss die Stadt ein sogenanntes Integriertes Stadtentwicklungskonzept erarbeiten. Dieser Prozess ist gerade im Gange. Dabei sollen und müssen die Bewohner und Gewerbetreibenden der Kernstadt bzw. der Innenstadt kräftig beteiligt werden. Das Landesprogramm hat eine Laufzeit von zehn Jahren. pe BU: Die Sanierung des Alten Rathauses in der Bad Vilbeler Innenstadt hat begonnen. Mit Blick auf den Hessentag erhält die Stadt Zuschüsse vom Land Hessen. Für weitere Projekte kann sie gleichfalls auf Fördermittel hoffen. Dafür muss sie aber mit Profiplanern und Bürgern ein Konzept entwickeln. Fotos: Holger Pegelow BU: Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (Bildmitte) diskutiert mit Besuchern der Bürgerinformationsveranstaltung die ausgestellten Projekte für die Innenstadt.

Von Holger Pegelow

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare