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Dieses Foto der Bergstraße zeigt das Ausmaß der Zerstörung, die der 2. März 1944 hinterließ. Die Häuser der Familien Möhling und Mugler wurden komplett zerstört.

Geschichte

Als Vilbel in Trümmern lag: Am 2. März 1944 wurde die Stadt von Bomben zerstört

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Vor 75 Jahren, am 2. März 1944, bombardierte die amerikanische Luftwaffe Vilbel. Dabei wurden zwölf Prozent der Häuser in der Kernstadt zerstört und bis zu 50 Bürger verloren in den Trümmern ihr Leben. Die Bad Vilbeler Naturfreunde wollen sich heute auf Spurensuche begeben und auf den Tag zurückblicken, als Vilbel durch einen Zufall Ziel der Bomben wurde.

Heulende Sirenen, pfeifende Bomben, krachende Detonationen, zerberstende Häuser, hell auflodernde Flammen, Trümmer, Qualm, Staub: Am 2. März vor 75 Jahren fielen amerikanische Sprengbomben auf die Bad Vilbeler Kernstadt. Allein bei diesem Angriff wurden rund 50 der damals 4000 Einwohner getötet, zahlreiche verletzt und zwölf Prozent der Gebäude zerstört. Durch einen Volltreffer vernichtet wurde das damals zweigeschossige Südbahnhof-Gebäude, aber auch viele Privathäuser.

Die Naturfreunde Bad Vilbel laden historisch interessierte Bürger 75 Jahre später zu einer Spurensuche ein, wie Erster Vorsitzender Norbert Nakoinz ankündigt. Gemeinsam mit seinem Vorgänger Wolfram Dietz, dem amtierenden Landesarchivar der Naturfreunde Hessen, und Mitglied Marlene Schröder-Greim, die vielen als Stadtführerin bekannt ist, will er an das Bombardement und seine Folgen für die Bürger erinnern.

Eigentliches Ziel: Frankfurt

"Vilbel war nicht das Ziel der Angriffe. Man nimmt an, dass die Ziele der amerikanischen Bomber, die in England starteten, an diesem Tag in Frankfurt das Hauptwerk der Alfred Teves GmbH sowie der Verschiebebahnhof und einige Werkstätten waren", informiert Nakoinz. Schuld am "Fehlabwurf" über Vilbel war das Wetter verbunden mit dem Stand der Navigationstechnik. Wie Zeitzeugen berichteten, zog am 2. März 1944 "ein starkes Schneegestöber über die Wetterau." Die Wolken hingen tief, es herrschte Hochnebel.

In einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1964 schildert Vilbelerin Margarete W. die Ereignisse so: "Wir waren in der Schule, als wir Flugzeuggeräusche hörten. Unser Lehrer schickte uns gleich nach Hause, obwohl noch keine Vorwarnung gegeben war." Ab 11 Uhr setzte der Fliegeralarm ein. Zwanzig Minuten später begann die Bombardierung. Aus der geschlossenen Wolkendecke ging ein Teppich aus Spreng- und Brandbomben auf die damalige Innenstadt nieder. Der verheerende Bombenteppich reichte vom Alten Rathaus bis in das Gebiet des heutigen Heilsberges.

Keller wurde zu tödlicher Falle

Für Schutzsuchende wurden die Keller bei Volltreffern, aber auch durch Trümmer und Feuer, zu tödlichen Fallen. "Im Anwesen der Familie Trommershausen in der Hanauerstraße starben elf Menschen im Keller. In der Bergstraße 16, dem Haus der Familie Mugler, wurden Oma, Mutter und die sechseinhalbjährige Tochter durch einen Volltreffer getötet. Im Keller des Schuhgeschäftes Kaufmann fanden drei Familien den Tod", berichten die Naturfreunde Nakoinz und Dietz. Weitere Tote und zahlreiche Verletzte waren zu beklagen.

Über das Schicksal der Opfer und viele weitere Details der Bombardierung werden die drei Führer der Spurensuche berichten. Und mithilfe von historischen Fotos das Ausmaß der Verwüstung dokumentieren. Von vielen Häusern blieben nur Trümmerhaufen übrig, wie auch "die hintere Ritterstraße ein einziger Trümmerhaufen war".

Das zweigeschossige Südbahnhof-Gebäude ging nach einem Volltreffer in Flammen auf, tiefe Trichter wurden an mehreren Stellen in die Erde gerissen. Viele beschädigte Gebäude waren unbewohnbar. Bei der Gedenkfeier 1964 sagte der damalige SPD-Bürgermeister Georg Muth: "Nach diesem Bombenangriff, gegen 14 Uhr, kam ich von meiner Frankfurter Arbeitsstelle nach Hause. Ich sah die Menschen durch die Trümmer laufen und nach ihren Angehörigen, Verwandten und Nachbarn suchen. Das Gebiet am oberen Erzweg und Hainweg war am stärksten betroffen. Sofort schloss ich mich den Hilfsmannschaften der Feuerwehr, der Polizei und der Wehrmacht an. Wir versuchten zu retten, was noch zu retten war. Aus Kellern wurden die Verschütteten geborgen und aus den Ruinen zahlreiche Tote. Es war schrecklich." Viele der Opfer wurden am 8. März 1944 auf dem Ehrenfriedhof beigesetzt, alle anderen in Familiengräbern.

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