Regionaltangente West

Vilbel will mit im Zug sitzen

Die Metropolregion Rhein-Main leidet unter einem verkorksten Verkehrskonzept. Der Ausbau der Verkehrswege im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) hinkt der Entwicklung um Jahrzehnte hinterher. Mit der Regionaltangente West soll ein Projekt auf die Schiene geschoben werden, das im Westen des Ballungsraumes für einen Ringverkehr sorgen soll. Doch auch die Stadt Bad Vilbel wünscht einen Anschluss an das Projekt.

Von KURT SÄNGER

Das ehrgeizige Projekt Regionaltangente West (RTW) wurde in einer öffentlichen Sitzung der städtischen Verkehrskommission den Stadtverordneten vorgestellt. Das Projekt selbst hat schon einen langen Bart. Denn seit Jahrzehnten wird um diese West-Tangente von Bad Homburg über Oberursel, Steinbach, Eschborn und Höchst zum Flughafen bis nach Neu-Isenburg politisch gerungen.

Nunmehr scheint die Sache wieder große Fahrt aufzunehmen. Seitens der EU wurden 7,7 Millionen Euro Fördermittel an die RTW-Planungsgesellschaft GmbH bewilligt, so die gute Nachricht von Rolf Valussi, neben Peter Forst Geschäftsführer der 2008 gegründeten Gesellschaft mit Sitz in Frankfurt.

Lediglich sechs Infrastrukturprojekte werden derzeit EU-weit gefördert, sagt Valussi, wobei die RTW als ein bedeutendes Projekt in der Metropolregion Rhein-Main angesehen werde. „Wir sind jetzt ein europäisches Infrastrukturprojekt mit dem offiziellen Signet der EU“, unterstreicht Valussi den bisherigen Erfolg.

Getragen wird die Planung zurzeit mit rund 20,8 Millionen Euro anteilig von den Gesellschafter-Kommunen Frankfurt, Schwalbach, Bad Homburg, Eschborn und Neu-Isenburg sowie vom Hochtaunuskreis, dem Main-Taunus-Kreis und dem Kreis Offenbach. Valussi: „Die kommunale Verwurzelung des Projektes und die kurzen Entscheidungswege sind uns wichtig.“

Die Gesamtkosten der RTW werden gegenwärtig mit 376,2 Millionen Euro veranschlagt, davon übernimmt der Bund 60 Prozent, die Kommunen den Rest. Eine beachtliche Investition, die den viergleisigen Ausbau der S 6 zwischen Frankfurt-West und Bad Vilbel um rund 100 Millionen Euro übersteigt.

Aber „der Aufwand rechnet sich“, sagt Valussi. Denn durch die Ansiedlung von Gewerbegebieten, die Ausweisung neuer Wohngebiete und durch die „exorbitante Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur“ in den Anliegerkommunen in unmittelbarer Nähe zum Flughafen „fließen erhebliche Summen an Steuergeldern wieder zurück“, betont Valussi. Die RTW umfasst derzeit im direkten Umfeld rund 200 000 Arbeitsplätze. „Der volkswirtschaftliche Nutzen übersteigt die volkswirtschaftlichen Kosten um 34 Prozent.“

Mehr noch: Prognostiziert werden täglich rund 46 000 Personenfahrten, davon werden 15 000 Fahrten vom Individualverkehr auf den ÖPNV verlagert. Und die Umwelteffekte sind enorm. 67,7 Millionen Auto-Kilometer werden pro Jahr entfallen, somit ein jährlicher Ausstoß von 12 000 Tonnen an Kohlendioxid vermieden. Allein die derzeitigen Fahrtzeiten mit dem ÖPNV nach Frankfurt werden sich laut Prognose im Durchschnitt um die Hälfte verringern.

Die Stadt Bad Vilbel hat in der Vergangenheit stets Wert darauf gelegt, in die Streckenführung der RTW einbezogen zu werden, unterstreicht Stadtrat und Verkehrsdezernent Jörg Frank (CDU). Diese Einbindung wurde in den späteren Planungen jedoch nicht mehr berücksichtigt, kritisiert Frank.

Tangentialverbindungen mit dem Bus über Bergen-Enkheim nach Offenbach oder auch nach Bad Homburg als Anschluss an die RTW stellen für die Zukunft keine Lösung dar. Gleichwohl ist eine gute Anbindung gefragt. Denn wer beispielsweise von Bad Vilbel nach Hanau will, muss diesen Weg auch nach dem geplanten viergleisigen Ausbau der S 6 über den Knotenpunkt am Frankfurter Hauptbahnhof nehmen.

Deshalb habe die Stadt auch nie den Gedanken an eine zweite Regionaltangente (RTO) aufgegeben, so Frank, die die Planungen der RTW im Osten der Bankenmetropole fortführt (siehe Info-Box). Aber dieser Zug ist abgefahren, und die politischen Weichen müssen erst wieder neu gestellt werden.

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