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Bad Vilbel wird Uni-Standort

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Von: Dieter Deul

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Die Kooperation soll Fachkräfte in der Region fördern und Abwanderungen verhindern. Mit zunächst 100 Studierenden startet der Campus. Kreis und Stadt Bad Vilbel haben über Spenden 450 000 Euro Anschubfinanzierung für die ersten drei Jahre zugesichert.

Erst eineinhalb Jahre ist es her, dass Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg, bei ihm nachgefragt habe, ob die Stadt sich als Partner für ein duales Studium einsetzen könne, erinnert sich Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU). Dieser Bildungsgang wird von der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) bereits an vier Außenstellen mit 1200 Studierenden unter der Marke „StudiumPlus“ angeboten.

Dahinter steckt eine Kooperation von drei Partnern: der THM, des „CompetenceCenters Duale Hochschulstudien StudiumPlus“ (CCD) mit mehr als 580 Unternehmen und Einrichtungen sowie des Kammerverbundes Mittelhessen unter Federführung der IHK Lahn-Dill. Doch um eine neue Hochschule zu starten, braucht es auch vor Ort Unterstützer, um die Infrastruktur aufzubauen. In Bad Vilbel ging das schnell, federführend tätig war Klaus Minkel, der auch den städtischen Spenden-„Verein für Jugend- und Kulturförderung“ betreut.

Es ging um die Anschubfinanzierung von 450 000 Euro, welche die Stadt zu zwei Dritteln über den Förderverein und der Wetteraukreis über Spenden der Sparkasse Oberhessen und der Ovag beitragen. Minkel stellte auch den Kontakt zum künftigen Hausherrn her. Es ist das Berufsförderungswerk (BFW), das für die Uni eine Etage mit 670 Quadratmetern für den künftigen Campus freiräumt – mit Ausbaupotenzial. Ideal dabei: auch Mensa, Fitnessbereich, sogar ein Hotel, sind vorhanden. Und die BFW-Rehabilitanden können mit ihrem IHK-Abschluss künftig direkt an Ort und Stelle ins duale Studium einsteigen.

Vom Herbstsemester an werden zunächst hundert Plätze für Studierende in den drei Bereichen Ingenieurwesen/Technische Informatik, Wirtschaftsingenieurswesen/Vertrieb und Betriebswissenschaft/Wirtschaftsinformatik angeboten. Zusätzlich soll’s 50 Plätze für berufliche Weiterbildung mit Bachelor- oder Master-Zertifikaten geben.

Wissen, was gefragt ist

Mit der Kooperation möchte THM-Präsident Günther Grabatin die Region nicht nur als Wirtschaftsstandort stärken. Schon jetzt gebe es 1200 dual Studierende und mehr als 600 regionale Firmen, die ihre künftigen Mitarbeiter, aber auch die Schwerpunkte der Ausbildung, einbrächten. „Wir erfahren auf kurzem Weg, welcher Bedarf und welche Qualifikation nachgefragt werden.“ Für Bad Vilbel gibt es 98 unterstützende Firmen – davon 30 aus Frankfurt.

„Wir hatten bereits die Anfrage eines Unternehmens für drei Plätze im Bereich Bauingenieurwesen“, ergänzt Professor Dieter Lorenz, Leiter des künftigen Campus Bad Vilbel. Das sei prinzipiell möglich. Ab 15 Teilnehmern könne ein weiterer Studiengang entstehen. Im Gegensatz zu den meisten der derzeit 225 000 hessischen Studenten erlebten die Bad Vilbeler keine überfüllten Hörsäle, sondern lernten in Kleingruppen von 20 bis 25 Teilnehmern, so Norbert Müller, der ehrenamtliche Vorsitzende des CCD.

Die Region stärken

Der CCD ist ein eingetragener Verein mit derzeit 628 Unternehmen. Müller war einst Chef von Rittal, eines Weltmarktführers für Schaltschrank- und Gehäusesysteme, Sitz in Herborn. Dort qualifizierte Facharbeiter hinzubekommen, sei eine ständige Herausforderung gewesen, erinnert er sich. Auch deswegen engagiere er sich nun für die Verbindung von Bildung und Praxis.

Davon profitiere auch die Region, weil die jungen Leute nicht abwandern müssten, sondern in ihrer Heimat, bei Vereinen und Feuerwehr, weitermachen könnten. Zugleich gebe es eine enge Verzahnung von Studium und in der Hälfte der Zeit einer beruflichen Ausbildung, betreut durch Professoren und Unternehmensvertreter. „Ein gutes Coaching“ sei das, sagt Müller, zumal 90 Prozent der dualen Studiengänger von den Unternehmen übernommen würden. Der Studienabbruch liege bei nur fünf Prozent.

„Es gibt in Mittelhessen einen enormen Fachkräftebedarf“, weiß IHK-Präsident Grabatin. Acht von zehn mittelhessischen Ingenieuren entstammten der THM. „Wir haben eine große Verantwortung, was die wirtschaftliche Entwicklung Mittelhessens angeht“, betont er. Es gehe auch darum, die Menschen in der Region zu halten.

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