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Günter Roth und Ulrike Weber-Roth wehren sich gegen die Kirchengemeinde Verklärung Christi. Die Gemeinde will Bäume an der Grundstücksgrenze zu den Roths fällen lassen.

Kaum nutzbares Areal

Bad Vilbeler Ehepaar liegt mit Kirche im Streit - und zieht den Kürzeren

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Einen Nachbarschaftsstreit mit der katholischen Kirche gibt es auf dem Bad Vilbeler Heilsberg. Dort scheint nun das Ehepaar Günter Roth und Ulrike Weber-Roth endgültig den Kürzeren zu ziehen. Dabei geht es im Grunde um ein kaum nutzbares Areal.

Als "feudales Machtdenken" bezeichnet Ulrike Weber-Roth das, was sie und ihren Mann schon seit Jahren umtreibt. Das Ehepaar hatte sich im Jahre 1994 ein Reihenhäuschen in der Straße Am Nußberg auf dem Heilsberg gekauft. Damit übernommen haben sie auch die Pacht für ein kleines Hangstück, das reichlich mit Bäumen und Büschen bepflanzt ist.

Oder war. Denn bereits in den vergangenen Wochen wurden einzelne Bäume gefällt. Am Donnerstag folgte dann der nächste Kahlschlag. Für das Ehepaar ist das nicht hinnehmbar. "Hier schließt sich direkt unsere Terrasse an, die wäre dann völlig einsehbar", ärgert sich Ulrike Weber-Roth über das Verhalten der benachbarten Kirchengemeinde Verklärung Christi. Und ihres Pfarrers Cheriyan Menacherry, der seit einiger Zeit jegliches Gespräch ablehne.

Es ist aber nicht nur die freie Sicht auf die Terrasse, die dem Ehepaar Sorgen bereitet. "Der Hang ist extrem steil. Wenn die Bäume weg sind, könnte die Erde auf unser Grundstück abrutschen", befürchtet Günter Roth. Bindungslose Absichten

2,50 Meter sind es von ihrem Haus bis zur Grundstücksgrenze. Deswegen waren die Roths auch froh, dass sie den Pachtvertrag übernehmen durften und sich somit weitere Meter in Richtung Kirchengemeinde sicherten. Bis 2012 hatten sie sich um die Gewächse am Hang gekümmert, dann kam die Kündigung des Pachtvertrags.

Immer wieder suchten die Roths das Gespräch. Das mündete unter der Mitwirkung von Jürgen Ratzinger vom Verwaltungsrat der Gemeinde schließlich in einer "Nachbarschafts-Vereinbarung". Darin heißt es unter anderem, dass die Kirche bei der Gestaltung des Hanggrundstückes den Wunsch des Nachbarn nach Sichtschutz und Privatsphäre berücksichtigen wolle. Auch würden die Roths über größere Pflegearbeiten informiert. Die Gemeinde erklärt weiterhin, dass das Grundstück auch weiterhin als Grünzone genutzt werden solle.

Unterschrieben wurde die Vereinbarung von den Roths nicht, sie bezeichnen die Inhalte als "bindungslose Absichtserklärungen". Alle Punkte fielen ihrer Auffassung nach nur zum Vorteil der Kirche aus. Die Roths suchten eine andere Lösung, wandten sich sogar ans Bistum Mainz. Entschädigung gefordert

"Dort hat man uns eine Längsteilung des Grundstückes angeboten", sagt Günter Roth. Den Teil zum Haus hin hätten die Roths dann kaufen können. "Doch die Kirchengemeinde hat sich gesperrt." Auch ein Schlichtungsversuch mit einer Mediatorin scheiterte. "Nach einer Einigung, dass wir die Grünpflege weiter betreiben dürfen, kam eine Woche später der Widerruf", sagt Roth.

Die Roths wollen den Sichtschutz erhalten. Und sie fordern eine Entschädigung für die auf ihre Kosten eingesetzten Pflanzen. Doch die Gemeinde hat längst einen Anwalt eingeschaltet, der anstelle des Pfarrers auf eine Anfrage dieser Zeitung antwortet.

So teilt Anwalt Christopher Bachmann mit, "dass die betreffenden Bäume auf dem Grundstück der Pfarrgemeinde heute im Einvernehmen und Beisein von Herrn Roth gefällt worden sind." Die gesamte Gartenpflege auf dem Grundstück der Pfarrgemeinde, insbesondere auch das Fällen der Bäume entspreche den öffentlich-rechtlichen und zivilrechtlichen Normen und verstoße auch nicht gegen Vorschriften des Umweltschutzes.

"Die Eheleute Weber-Roth werden über die einzelnen Schritte der Gartenpflege informiert und einbezogen. Nachbarn der Eheleute Weber-Roth beschwerten sich in der Vergangenheit wegen fehlender Lichtdurchlässigkeit", heißt es weiter."Das gute Einvernehmen zwischen dem Pfarramt der Verklärung Christi und den Eheleuten Weber-Roth zeigt sich auch darin, dass Herr Roth die Baumspitze eines der gefällten Nadelbäume als Weihnachtsbaum mitnehmen durfte", schildert Bachmann.

Das Ehepaar sieht das ganz anders: "Wir haben die Baumspitze mitgenommen, weil es unser Baum war", sagt Ulrike Weber-Roth. Von einem einvernehmlichen Treffen allerdings könne keine Rede sein. Und so ist zu erwarten, dass der Nachbarschaftsstreit in weitere Runden gehen wird.

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