Wer tritt gegen Bürgermeister Stöhr an?

Vilbeler SPD steigt in den Rathaus-Ring

  • Thomas Kopp
    VonThomas Kopp
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Heute in einem Jahr könnte in Bad Vilbel und der Wetterau gewählt werden. Über diesen Termin wird bereits länger spekuliert, endgültig in Wiesbaden verkündet ist er allerdings noch nicht. Trotzdem ein Grund, schon einmal das Kandidatenkarussell für die in Bad Vilbel dann am gleichen Tag anstehende Bürgermeisterwahl anzuwerfen.

Für die CDU Bad Vilbel ist die Sache klar: Sie steht fest hinter Amtsinhaber Thomas Stöhr (CDU) und hat bereits angekündigt, ihn bei seiner Wiederwahl zu unterstützen. Doch was machen die anderen?

Stärkste Oppositionspartei im Bad Vilbeler Parlament ist die SPD. Und hier machen drei Namen die Runde. Es geht um den Parteivorsitzenden Udo Landgrebe, Fraktionschef Walter Lochmann und den früheren Fraktionschef Rainer Fich. „Das zeigt, dass die Bad Vilbeler in der SPD mehrere herausragende Leute sehen, die die Fähigkeit haben, zu kandidieren. Das macht uns zufrieden“, umschifft Landgrebe eine klare Personalaussage.

Auch wenn er und der gesamte Vorstand bereits „seit geraumer Zeit“ über diese Frage nachdenken, so soll die Entscheidung, wer in den Ring steigt, erst nach der Jahreshauptversammlung Ende April fallen. Im Frühsommer könnte diese Entscheidung dann bekanntgegeben werden, sagt Landgrebe

Bei der Wahl vor sechs Jahren hatte die SPD den grünen Kandidaten Helmut Betschel, aktuell Erster Kreisbeordneter, unterstützt. „Ich fand diese Idee damals gut, als Opposition geschlossen einen Kandidaten zu präsentieren“, sagt Landgrebe. Doch Betschel scheiterte, erhielt nur 24,3 Prozent der Stimmen gegen Stöhr, der 2010 mit 57,8 Prozent der Stimmen zum ersten Mal wiedergewählt wurde. Die Art des Wahlkampfs sorgte im Nachgang bei den Sozialdemokraten und den Grünen für Dissonanzen.

Immense Energie

Der in Wahlkämpfen erfahrene Landgrebe macht klar, dass die SPD diesmal definitiv einen Kandidaten aufstellen wird. „Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir keinen Kandidaten finden würden. Das aber soll nicht zu früh sein, denn der Wahlkampf kostet eine immense Energie“, macht er klar.

Ob die Grünen diesmal die SPD unterstützen oder selbst einen Kandidaten aufstellen ist noch nicht klar. Der neue Vorsitzende Clemens Breest hatte bereits im Interview mit der FNP angekündigt, dass eine Entscheidung in dieser Frage wohl erst im Herbst fallen werde. Auch am Rande der Ortsbeiratssitzung in Dortelweil am Dienstag bestätigte er diese Planungen.

Klar positioniert sich hingegen Martin Gecks von den Freien Wählern: „Ich hätte ja einen an der Klatsche, wenn ich mich aufstellen lassen würde“, sagt der Sprecher der zweiköpfigen Fraktion im Parlament. Man würde die Probleme erben, mit denen sich auch Stöhr derzeit konfrontiert sehe. „Und im Großen kann man als Bürgermeister auch nichts ändern.“ Gecks bezieht sich dabei etwa auf seine Totalverweigerung bei der Debatte um die Straßenbeitragssatzung, als er Änderungen von oben herab gefordert hatte, anstatt immer wieder die Bürger zu belasten.

Vor sechs Jahren hatten die Freien Wähler Manfred Manthey aufgestellt und immerhin 7000 Euro in den Wahlkampf investiert. Heraus kamen 4,9 Prozent für Manthey. „Damals wollten wir uns als Partei bekanntmachen, deswegen war das sinnvoll“, sagt Gecks. Diesmal werde man sich auf die Parlamentswahl konzentrieren und mit Info-Ständen arbeiten.

Ebenfalls keinen Kandidaten aufstellen wird die FDP. „Das ist im Koalitionsvertrag mit der CDU so festgelegt, und wir unterstützen Thomas Stöhr gerne dabei, eine weitere Amtszeit zu erreichen“, schildert Fraktionschef Jörg-Uwe Hahn. Allerdings will man das Abschneiden bei der Kommunalwahl als Grundlage für die erneute Benennung von Heike Freund-Hahn als Sozialdezernentin nehmen. Eine Liberale als Sozialdezernentin habe anfangs viele gewundert, inzwischen bekomme sie für ihre Arbeit aber sogar Lob von der Opposition.

Wie die derzeit schwächelnden Liberalen abschneiden werden, kann Hahn nicht sagen. „Drei Wochen vor der letzten Wahl geschah die Katastrophe von Fukushima und hat die Wahlergebnisse komplett durcheinander gebracht. Was in einem Jahr passiert, kann man deswegen nicht abschätzen. Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, künftig mehr als die bislang zwei Abgeordneten zu stellen.“

Neue Kraft in Bad Vilbel

Eine neue Kraft kommt mit der AfD ins Spiel. Doch die Bad Vilbeler Vorsitzende Ursula Braun-Moser kann derzeit nicht einmal sagen, ob überhaupt ein Kandidat seinen Hut in den Ring wirft.

„Wir haben etwa 15 Mitglieder in Bad Vilbel, aber einige wollen sich nicht parlamentarisch einbringen. Es kostet viel Zeit und Kraft, Widerstand in der Opposition aufzubringen und etwa die zu hohen Kosten der Stadt zu kritisieren.“ Sie selbst könne sich aber schon vorstellen, für das Parlament zu kandidieren. Selbst wenn sie wollte: Bürgermeisterin kann sie nicht werden. Mit 77 Jahren ist sie dafür zu alt.

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