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Ungewohnter Anblick: Im Burggraben ist derzeit kein Wasser. Es musste abgelassen werden. Der Graben soll bis April saniert werden.

Wasserburg

Sanierung der Bad Vilbeler Wasserburg beginnt - Schäden noch nicht ganz abzusehen

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Der Burggraben der Bad Vilbeler Wasserburg muss saniert werden. Das soll binnen der kommenden drei Monate geschehen. Ein ehrgeiziges Projekt, denn: Wie groß die Schäden sind, wird erst während der laufenden Woche geprüft.

Einen Angriff könnte Ritter Bechtram derzeit sicher nicht abwehren. Seine Angreifer wären zwar über und über mit Schlamm besudelt. Doch den Burggraben der Wasserburg könnten sie recht problemlos überwinden. Denn der Graben ist leer, ohne Wasser.

Schon in der zweiten Woche steht der an die 200 Meter lange Graben rund um das historische Herz der Stadt leer. Das ist nötig, da die Sanierung des Grabens ansteht – und sie ist wohl dringend nötig. Wie dringend, sollen in dieser Woche die Experten eines niedersächsischen Fachbüros untersuchen.

Vor allem den Damm zwischen Graben und Nidda nehmen die Fachleute unter die Lupe, erklärt Claus-Günther Kunzmann. Der städtische Kultur-Fachbereichsleiter und Festspiele-Intendant ist der Hausherr in der Burg. "Wir wissen nicht, welche Probleme es am Damm gibt." Dass es welche gebe, sei augenscheinlich: "Wenn wir kein Wasser in den Graben pumpen, sinkt mit der Zeit der Wasserspiegel." Mindestens dürfte es also Probleme mit dem Ablauf geben.

Mauerwerk ist marode

Marode ist der Damm zur Nidda, ebenso wie der Abfluss. Beim Abfischen ging sogar die uralte, eiserne Ablauf-klappe kaputt – eine Schraube der Aufhängung riss beim Öffnen der Klappe ab.

Das können die Mitglieder des Bad Vilbeler Angelsportvereins aus eigener Anschauung bestätigen: "Das Mauerwerk ist dort völlig marode", erklärt Marco Weller. Er gehört zu denjenigen, die erst vor anderthalb Wochen in den da bereits fast leeren Burggraben hinabgestiegen waren, um die Fische aus dem Gewässer zu retten.

Nicht nur die Mauern dort sind ein Problem: Beim Öffnen des Ablaufs riss zudem noch eine der Schrauben aus der Aufhängung der uralten eisernen Ablaufklappe ab. Doch der Ablauf sei wohl nicht das größte Problem, schätzt der Bad Vilbeler Gewässerökologe Gottfried Lehr. Der Damm zwischen Graben und Fluss sei hier wohl völlig undicht, glaubt der Nidda-Papst.

Solcherlei Vermutungen verkneift sich Kulturamtschef Kunzmann zunächst. "Wir warten jetzt den Befund der Untersuchung ab", erklärt er. Das Büro liefere dabei zugleich Vorschläge für die Sanierung mit. Diese sollen dann direkt in Angriff genommen werden. Denn bis April will der Festspielchef alles erledigt haben. Schließlich gehe es ja im Mai mit den Vorstellungen los.

Auch wenn es nun recht ad hoc laufen dürfte: Vorgesehen hat die Stadt das Geld für die Sanierung schon länger. Bereits 2018 standen die nötigen 400 000 Euro bereit. Denn der Damm ist eben nicht das einzige Problem. Gesichert werden muss auch das Ufer. "Wir haben dort eine zunehmende Erosion", erläutert Kunzmann. Die wiederum habe mehrere Ursachen.

Zum einen verursachten sowohl Nutrias wie auch Enten und Nilgänse nach und nach ein Abrutschen der Ufer. Denn wenn die Tiere das Ufer hinauf oder hinab kletterten, zerstörten sie nicht nur die schützende Grasnarbe, sondern Erde und Steine rutschen direkt mit ab. Kunzmann rechnet vor: Wenn nur 20 Nutrias und Enten pro Tag zehnmal vom Ufer ins Wasser und zurück gingen, addiere sich das im Jahr auf 150 000 Ein- und Ausstiege. "Das hat natürlich Folgen."

Schädliche Wurzeln

Gewässerökologe Gottfried Lehr hilft bei der Sanierung des Burggrabens.

Hinzu komme auch auf der Burgseite eine verstärkte Gefahr des Abrutschens des Ufers. Das sei über Jahrzehnte von den Wurzeln von Bäumen gehalten worden. Vor zehn Jahren aber habe die Stadt die Bäume "aus konservatorischen Gründen" fällen lassen. "Die Wurzeln schädigten zunehmend das Fundament der Burg und der Schatten der Bäume schädigte die Mauern, weil diese nach Regen nicht richtig trocknen konnten." Die im Ufer verbliebenen Wurzeln verrotteten nun. Dadurch ergebe sich das Risiko, dass das Ufer abrutschen könne, erklärt Kunzmann.

Sanieren lasse sich so etwas mit überschaubarem Aufwand, beruhigt Fachmann Lehr. In ein bis zwei Metern Abstand zum Ufer könnten zu großen Würsten geformte Kokosmatten eingebaut werden, die nur sehr langsam verrotteten. Zwischen ihnen und dem Ufer werde dann sandiger Untergrund aufgebracht und mit heimischen Flusspflanzen bestückt, vor allem Röhricht. Damit sei das Ufer langfristig gesichert. "Man muss das allerdings dann auch pflegen", mahnt Lehr. Und müsse verhindern, dass beispielsweise Nutrias oder andere Tiere den Schutz schädigten.

Nicht nur für die Natur sei eine solche Lösung sehr gut, betont der Gewässerökologe. Sondern sie verbessere auch das Gesamtbild rund um die Wasserburg. "Wenn es in dem Grünstreifen dann schön bunt blüht, sieht es einfach toll aus."

Wäre es dann im Sinn der diversen Renaturierungen in der Region nicht sinnvoll, vielleicht sogar die Nidda durch den Graben fließen zu lassen? Da winkt Gottfried Lehr ab. "Das könnte eine unerwünschte Dramatik bei den Burgfestspielen erzeugen", sagt er und grinst, "wenn die ganze Burg umfällt."

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