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Macht den Kinder beim Zusehen Spaß, spricht aber ein ernstes Thema an: Schauspieler bringen ein Theaterstück zur Prävention von Kindesmissbrauch auf die Bühne der Alten Mühle.

Theaterstück

So sollen Kinder für sexuelle Gewalt sensibilisiert werden

Jedes Jahr werden zehntausende Kinder in Deutschland Opfer sexueller Gewalt. Deshalb hat der Bund das Präventionsprojekt "Trau dich!" initiiert, das Acht- bis Zwölfjährige für das Thema sensibilisieren soll. Die Idee: Ein Theaterstück soll Grundschülern vermitteln, wie Missbrauch aussieht und wo er anfängt. Nun kam es nach Bad Vilbel und wir haben es uns angesehen.

Bad Vilbel - Die kleine Alina versteht die Welt nicht mehr. Gerade noch war ihre Familie im Park. Alle sind fröhlich denn ihre Schwester Maja will heiraten und ihr Freund Dennis ist wirklich ein Märchenprinz. Doch als Alina und Dennis etwas aus dem Auto holen, ist der Erwachsene plötzlich ganz anders: Er ist eklig, begrabscht das wehrlose Mädchen. Die Achtjährige ist wie gelähmt, gibt sich selbst die Schuld.

Aber: Alinas Geschichte ist zum Glück nur erfunden. Sie ist eines von vier Beispielen sexueller Gewalt, die am Freitagvormittag bei einem Theaterstück in der Alten Mühle dargestellt wurden. Kinder von acht bis zwölf Jahren waren mit ihren Klassen gekommen, um sich das Stück anzuschauen.

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"Es geht bei dem Stück darum, ein sehr ernstes Thema gewissenhaft zu thematisieren, ohne die Kinder zu verschrecken", erklärt Katharina Fertsch-Röver vom Schultheater Frankfurt. "Bei dem Stück geht es nicht nur um Missbrauch, sondern generell um das Thema Gefühle."

Und die stehen bei Kindern und Jugendlichen oft auf dem Kopf. Etwa bei der Geschichte um den zehn Jahre alten Vladimir, der nach der Schule immer gerne zu seiner Oma geht. Dort gibt es leckeren Schokokuchen, außerdem ist seine Oma einfach total toll. Gäbe es da nicht ein Problem: Zur Begrüßung muss sich Vladimir erstmal abküssen lassen. Dass Vladimir dass eigentlich gar nicht mag, dass kann seine Oma sich nicht vorstellen.

Prävention gegen sexuelle Übergriffe beginnt im Kleinen

"Wichtig war uns zu zeigen, dass Prävention bereits bei kleinen Dingen anfängt", sagt Ulrich Jell von Pro Familia, die gemeinsam mit dem Wetteraukreis und Wildwasser das Stück nach Vilbel geholt haben. "Natürlich ist das abschlabbern lassen von der Oma nichts gefährliches, und doch ist es, eben weil Vladimir es gar nicht will, etwas über dass man reden muss." Prävention fange schon bei den kleinen Dingen an.

"Die Kinder müssen lernen, dass es okay ist, sich durchzusetzen und anderen zu sagen: Halt Stopp, das will ich nicht", erklärt Jell weiter. "Darüber zu reden, ist oft ein sehr wichtiger Schritt. Ob mit den Eltern oder einer Kontaktperson bei Beratungsstellen, das erfordert sehr viel Mut."

Und so ist es auch in den vier Theater-Geschichten. Alina die nach dem Übergriff von Dennis traumatisiert ist, gibt sich noch immer selbst die Schuld. Doch als sie sich überwindet, hat niemand Zeit für sie, niemand erkennt so den Ernst der Lage und weiß, was wirklich geschehen ist. Durch einen Zufall erzählt sie am Ende gerade der Person, der sie es nicht erzählen wollte, nämlich ihrer großen Schwester Maja, die Geschichte.

"Dieses ernste Thema der Gefühle authentisch darzustellen, ist natürlich auch für uns eine Herausforderung", weiß Schauspieler Karl Kiesel. So besuchten die vier Darsteller vor Beginn der Problem Workshops zum Thema Missbrauch. "Es soll für die Kids Spaß machen zuzuschauen. Gleichzeitig sind zwei der Geschichten sehr ernst und komplex. Dass dann kompakt darzustellen, ist schon schwierig."

Theaterstück zur sexuellen Gewalt zeigt Wirkung

Doch dass die Kinder sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen, ist sehr wichtig, meint Kiesel. "In der Schule wird das ja kaum behandelt. Oft geht es ja auch in ein Ohr rein und beim anderen direkt wieder raus. Da das Stück unterhaltsam ist und wir die Schüler mit einbeziehen, hoffen wir, dass sie sich den Inhalt besser merken und aufmerksamer sind." Dazu gehört auch, das junge Publikum mit Improvisationen einzubinden

Und wie kam es bei den Kindern an? "Es war stellenweise sehr lustig, wir haben viel gelacht", sagt Jan (11). "Aber ich finde es total schlimm, was der Alina passiert ist. Ich hoffe mir passiert so was nie, das ist einfach nur krank und solche Leute gehören ins Gefängnis."

Und hat das Theater etwas bewirkt? "Klar hat man das schon mal gehört, aber nachgedacht habe ich darüber noch nicht", gibt Anna (12) zu. "Dabei kann das ja überall passieren. Ich werde ab jetzt vorsichtiger sein!"

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