Wüstenrot-Gebäude in Dortelweil

Ist das Vilbels neues Rathaus?

  • Thomas Schwarz
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Residiert Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr schon bald am Sonnenplatz? Weil das jetzige Rathaus zu eng ist und die Ämter der Verwaltung über die Stadt verteilt sind, plant die Stadtverwaltung einen Umzug: In das derzeitige Gebäude der Bausparkasse Wüstenrot in Dortelweil. Eine gewichtige Rolle sollen dabei die Stadtwerke spielen.

Unter dem Punkt „Mitteilungen“ verkündete Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) gestern Abend im Stadtparlament das geplante Projekt. Den Magistrat und die Vorsitzenden aller Fraktionen hatte er bereits kurz zuvor informiert.

Und darum geht es: Die Stadtverwaltung ist aktuell auf fünf Standorte verteilt – was nicht nur die Kommunikation erschwert. Allein rund 130 Mitarbeiter sitzen im Rathaus in der Parkstraße 15. Vor fast 40 Jahren kaufte die Stadt das ehemalige Kurheim Margarete. Doch das Gebäude war nicht erweiterungsfähig, so dass die Stadt auch noch das Nachbarhaus kaufte, das Sozialamt in die ehemalige Stadtwerkebaracke zog und für den Personalrat ein Container aufgestellt wurde. Das Bauamt residiert zudem im Stadthaus in der Friedberger Straße.

Bereits vor 18 Jahren ließ der damalige, inzwischen verstorbene Bürgermeister Günther Biwer (CDU) einen Rathausneubau planen, der damals umgerechnet rund zwölf Millionen Euro gekostet hätte. Zur Umsetzung kam es jedoch nicht. Denn das vorgesehene Grundstück wurde an den Radiosender FFH verkauft.

Inzwischen gibt es etliche räumliche Probleme im Rathaus: 95 Prozent sind nicht behindertengerecht, der Brandschutz bereitet Sorgen, oft fehlt bei den Toiletten die Geschlechtertrennung, Küchen bilden oft ein Durchgangszimmer zu den WCs, es mangelt an Parkplätzen für Mitarbeiter und Besucher, die Archive lagern teilweise im Kurhauskeller, im Sommer herrschen hohe Temperaturen.

Um dem Abhilfe zu schaffen, gibt es aus der Sicht von Stöhr und Klaus Minkel (CDU-Stadtrat und Werksleiter des Eigenbetriebes Stadtwerke) drei Möglichkeiten: einen Neubau im Quellenpark oder Dortelweil-West, der rund zehn Millionen Euro kosten würde, einen Umzug in das Bürogebäude II (Brunnenkarree) der Stadtwerke in Dortelweil (dort fehlen allerdings Archivmöglichkeiten und Parkplätze) oder der jetzt offenbar favorisierte Umzug in das Wüstenrot-Gebäude.

Möglich wäre Letzteres, weil das Bausparunternehmen nach seiner Umfirmierung (siehe „Hintergrund“) deutlich weniger Büros benötigt als zuvor. Für rund acht Millionen Euro könnten die Bad Vilbeler Stadtwerke das 1998 bezogene, 11 000 Quadratmeter große Areal mit 6200 Quadratmetern Bürofläche kaufen und dann an die Stadt vermieten. Die derzeit rund 140 Wüstenrot-Mitarbeiter sollen zur Miete auf eine Etage im Brunnenkarree ziehen. Darüber werde Mitte des Monats verhandelt, erklärt Minkel im Gespräch mit der FNP. Ihm schwebe mindestens ein Fünfjahresvertrag vor – wodurch das Unternehmen weiter an Bad Vilbel gebunden bleibe.

Stöhr und Minkel sehen in dem Umzug weitere Vorteile. Aufgrund der Größe des Wüstenrot-Gebäudes könnten im Erdgeschoss bis zu acht Kindergarten- oder Kindertagesgruppen untergebracht werden. Die Mensa könnte als Aufenthaltsraum für die Rathausmitarbeiter genutzt werden, der an den bisherigen Standorten fehlt, und auch für Sitzungen und Veranstaltungen dienen. Zudem würden in dem Gebäude wenig Nebenkosten anfallen – unter anderem wegen des vorhandenen Blockheizkraftwerks und der Photovoltaikanlage.

Und was passiert mit den jetzigen Verwaltungsgebäuden? Auch dafür haben Stöhr und Minkel Pläne: Rund 1,8 Millionen Euro könnten aus dem Verkauf der Areale Parkstraße 14 und 15 erzielt werden. Und in das Sozial- und das Bauamt könnten Flüchtlinge einziehen. Um dennoch für die Vilbeler gut erreichbar zu sein, soll das Bürgerbüro in der Innenstadt bleiben – konkret ins Kurhaus umziehen. Das Standesamt bliebe im Alten Rathaus; dort soll auch der karnevalistische Rathaussturm stattfinden. Weiterhin in der Alten Mühle bleibt das Kulturamt.

Das von Stöhr und Minkel erstellte sechsseitige Arbeitspapier dient nun als Diskussionsgrundlage. Denn beschlossen ist das Vorhaben noch nicht, betont Stöhr. „Ein solcher Schritt muss gut überlegt und abgewogen werden.“

Nach ersten Vorprüfungen seien einige Fakten zusammengetragen worden, die in das Arbeitspapier eingeflossen seien. „Auf dieser Grundlage will ich nun das Gespräch mit allen Fraktionen suchen und hierzu in das Rathaus einladen. Ein weiteres Anliegen ist, dass auch die Bürger rechtzeitig und transparent von dieser Prüfung erfahren. Daher wird das Arbeitspapier auch auf die städtische Webseite gestellt“, erklärt der Bürgermeister.

Auf die lange Bank will Stöhr die Angelegenheit aber nicht schieben. Obwohl Wüstenrot den Stadtwerken bislang keine Frist setzte, bis wann der mögliche Kaufvertrag unterzeichnet sein soll. Wüstenrot selbst wollte sich gestern nicht zu Details äußern – „mit Blick auf laufende Gespräche“.

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