Wandel und neuer Handel

  • VonDieter Deul
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In der Innenstadt gibt es neue Baustellen. Das Gebäude des Schleenbäcker-Kaufhauses soll abgerissen werden, ebenso ein Gebäude vis-à-vis. Dort plant eine Investorengruppe neue Läden und Wohnungen.

Die riesigen Räume im ersten Stock des Schleenbäcker-Hauses sind seit August verwaist. Vereinzelt finden sich noch liegen gebliebene Artikel aus dem Spielwaren-Sortiment. Im Erdgeschoss versperren Geschenkpapierbahnen den Blick nach draußen. Die Ladentür bleibt zu, der Besucher muss über den Hintereingang gehen. Am Schaufenster prangen noch Plakate des Maklerbüros Immo Concept: „Zu vermieten“.

Doch die Würfel sind gefallen, erläutert Klaus Schleenbäcker. Im August habe man das Geschäft aufgegeben. „Wir sind nicht pleite“, dementiert er eine Zeitungsmeldung, vielmehr habe sich der Handel wegen starker Konkurrenz in der Neuen Mitte einfach nicht mehr gelohnt. „Anfangs wollten wir das Haus vermieten“, sagt Schleenbäcker, der das Gebäude seinen Kindern Thorsten und Julia übereignete. „Doch alles, was sich gemeldet hat, war nicht geeignet.“

Einzelhandel am Ende

Das Problem sei die Größe des Gebäudes, 1200 Quadratmeter, verteilt auf große Flächen, einen Keller und die mit großen Fensterflächen versehene erste Etage. 1966, als das gebaut wurde, sei dies modern gewesen, heute aber schwer zu vermieten. Schleenbäcker sieht im innenstädtischen Einzelhandel wenig Zukunft: „Die Großen fressen die Kleinen“. Sohn Thorsten hatte auf den sich rasch wandelnden Markt schon mit diversen Umstellungen reagiert.

Das umfangreiche Sortiment von Eisenwaren, in den Anfangsjahren des Ladens gesuchtes Kernsortiment, verschwand 1998 aus dem Keller. Auch der Trumpf Internethandel ist Geschichte, der lief von 2002 bis 2009. Im August 2012 setzte man alles auf das Spielwaren-Sortiment, aber das reichte nicht. Den Internet-Shop „Buyandbehappy“ betreibe er heute von zu Hause aus in kleinem Rahmen weiter, erzählt Klaus Schleenbäcker.

Den Abriss des Gebäudes, in dem er fast seit der Eröffnung 1966 arbeitete, sieht Schleenbäcker unsentimental. Es sei „gut, dass gerade in dieser Ecke was Neues passiert“, bisher habe er abseits der Neuen Mitte wenig „Abstrahleffekte“ verspürt. Endgültig verkauft hat Schleenbäcker noch nicht, das geschehe erst nach erfolgreicher Bauvoranfrage. Ihm gehört auch ein leicht schiefes Haus gegenüber, das Eckgebäude Frankfurter Straße 39. Das sei seit Jahren unbewohnt, der Holzwurm sei „eine Katastrophe“. Vor dem Haus kündigen pinkfarbene Zeichen auf der Straße an, wo Wasser und Gas liegen. Der Abriss steht bevor. Nach Angaben von Stadt-Sprecher Bastian Zander ist bereits der Baustellenverkehr von der Verkehrsbehörde geplant worden. Auch das angrenzende Fachwerkhaus Nummer 37 ist von den Eignern verkauft worden, steht aber unter Denkmalschutz und ist weiterhin bewohnt.

Auf dem ehemaligen Kaufhaus plane eine Frankfurter Investorengruppe die Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses, erläutert der Makler Bernd Lorenz, Geschäftsführer von Immo Concept. Im Erdgeschoss sei eine gewerbliche Nutzung geplant. Die Architektur werde sich möglicherweise an die des rechten Nachbargebäudes anlehnen. „Nach Realisierung wird sich das Gebäude harmonisch in das Stadtbild einfügen und es deutlich aufwerten“, verspricht Lorenz.

Vis-à-vis erfolge ebenfalls eine Neubebauung mit einen Wohn- und Geschäftshaus. „Insgesamt entstehen acht Eigentumswohnungen, ein Ladengeschäft und eine ebenerdige Tiefgarage“. Baubeginn sei in Kürze.

Altengerechtes Wohnen

Immo Concept will am 12. Februar mit dem Verkauf der Wohnungen beginnen – unter dem Motto „City Living 39“, entsprechend der Hausnummer. Die Neubebauung werde den Standort deutlich aufwerten. „Alle Wohnungen sind altengerecht konzipiert, entsprechend verfügen sie über breite Türen, Aufzug und sonstige dazugehörige Technik.“,

Der Entwurf auf dem Schleenbäcker-Areal „nimmt in moderner Architektursprache die Mansarddach-Konstruktion des benachbarten Hugenottenhauses auf“, ergänzt Stadtrat Klaus Minkel (CDU). Das trage zur Beruhigung der Straßenansicht bei, sei Teil der Stadtreparatur, wenn der unpassend eingefügte Schlichtbau der Nachkriegsjahre verschwinde, dessen Kennzeichen die durch Schaufenster in zwei Etagen aufgerissene Fassade war.

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