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Eine junge Frau arbeitet im Homeoffice

Moderne Arbeitswelten

Warum das Homeoffice die Lösung für viele Probleme ist

Es ist kalt morgens, vielleicht noch ein bisschen glatt. Wieso also nicht von zu Hause arbeiten, statt vor die Tür zu gehen? Viele Arbeitnehmer haben diese Möglichkeit – zumindest die, die nur Computer und Internetverbindung zum Arbeiten brauchen. Das Konzept Homeoffice wird immer beliebter.

Der Telekom-Mitarbeiter hat sich angekündigt. Termin: Mittwoch, irgendwann zwischen 8 und 18 Uhr. Unpassend für Berufstätige – zumindest, wenn sie deswegen einen Urlaubstag nehmen müssen. Doch viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern heutzutage an, ihre Arbeit im Homeoffice zu erledigen.

Eine Möglichkeit, die allerdings nicht allen zur Verfügung steht, sondern bloß für die gilt, die zum Arbeiten nicht mehr als einen Computer und Internet brauchen. Grafiker, Texter und Steuerfachangestellte zum Beispiel. In vielen dieser Schreibtischberufe wird die Arbeit von zu Hause aus immer beliebter. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben Beschäftigte in vier von zehn Unternehmen die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten – jährlich werden es mehr.

Da es gerade heutzutage schwer sei, gutes Personal zu bekommen, sei es vorteilhaft, Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und -Orte anzubieten. Diesen Eindruck hat Frank Hussendörfer, Geschäftsführer der Punktum-Werbeagentur in Bad Vilbel. "Wir sind flexibel, was die Handhabung von Homeoffice angeht", sagt er. 15 Mitarbeiter hat die Firma, verteilt auf die Standorte Bad Vilbel und Leipzig. Feste Regeln für Homeoffice gebe es keine, wichtig sei nur: "Die Teamarbeit und die Projekte müssen funktionieren. Es ist immer eine Abstimmungsfrage."

Da im Alltag oft Besprechungen anstünden, seien die Mitarbeiter meist vor Ort. Gerade wenn Kollegen zusammen an einem Projekt arbeiteten, sei der Austausch – "mal eben rübergehen" – oft von Vorteil. Dass Kollegen zu Hause arbeiteten sei daher eine Ausnahme – etwa, wenn das Kind krank ist und nicht in die Kita kann oder ein Arzttermin ansteht.

Chef vertraut den Mitarbeitern im Homeoffice

Beim Thema fehlende Kontrolle durch Homeoffice sieht der Chef allerdings überhaupt kein Problem: "Ich vertraue den Kollegen und weiß, dass sie ein hohes Engagement an den Tag legen. Auf die Idee, dass sie zu Hause Blödsinn machen, komme ich nicht."

Mitarbeiterin Mareike Jünemann arbeitet gelegentlich zu Hause – wenn es mit dem Team und dem Chef abgesprochen ist. "Klar, zwischendurch stellt man mal die Spülmaschine an oder der Postbote klingelt. Aber ich konzentriere mich auf die Arbeit." Der Vorteil: die Ruhe – "zu Hause lässt es sich zügig durcharbeiten."

Mehr Homeoffice würde weniger Pendler bedeuten

Der Bad Vilbel Stadtsprecher Yannick Schwander sieht noch einen weiteren großen Vorteil für das Homeoffice: "Es wäre sehr gut, wenn mehr Leute im Homeoffice arbeiten und es dadurch weniger Pendler geben würde." Auch dass die Kaufkraft der Bad Vilbeler Berufstätigen durch mehr Homeoffice in der eigenen Stadt bleiben würde, sieht er als Vorteil.

Bei der Stadt arbeiten derzeit zwei Angestellte im Homeoffice - einer im Bereich Stadtplanung und einer in der allgemeinen Verwaltung: "Das ist prinzipiell eine Möglichkeit", betont Schwander, weist jedoch auch darauf hin, dass einige Angestellte immer vor Ort seien müssten, da sie etwa im Kundenkontakt stehen oder Dienstleitungen für andere im Haus übernehmen. Doch auch da gilt: "Das ist alles eine Sache der Absprache."

Auch beim Logistiksoftwareunternehmen Inconso mit Hauptsitz in Bad Nauheim nutzen die Mitarbeiter Homeoffice, wie Vorstandsvorsitzender Bertram Salzinger berichtet – rund 40 Beschäftigte sogar ausschließlich. "Generelle Präsenzpflicht gibt es nur für bestimmte Aufgaben wie zum Beispiel die Empfangsbesetzung."

Die Vor- und Nachteile der Arbeit von zu Hause? "Das Homeoffice bietet mir die Möglichkeit, Arbeitswege zu ersparen und mehr Freizeit mit der Familie verbringen zu können", sagt Vertriebsbeauftragter Andreas Spiegel. Auf der anderen Seite erfordere es Disziplin – "wenn es darum geht, Arbeit und Familie strikt zu trennen". Salzinger ergänzt:Laut einiger Studien sei die Produktivität der Mitarbeiter im Homeoffice höher als unter jenen, die im Büro seien.

Individuelle Vereinbarung

Dass flexible Arbeitsplatzgestaltung für Mitarbeiter wichtiger wird, merkt auch die Sparkasse Oberhessen. So gebe es die Möglichkeit, dass Mitarbeiter an bestimmten Tagen an einem wohnortnahen Standort arbeiteten. Für diese Fälle habe die Bank zahlreiche buchbare Büros. Arbeiten im Homeoffice sei auch tageweise möglich. "Gerade bei Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder weiteren Anfahrtswegen zur Arbeitsstätte treffen wir hier individuelle Vereinbarungen."

Auch bei der Volksbank Mittelhessen gebe es schon viele Jahre Homeoffice-Konzepte – etwa für Mitarbeiter im Bereich Finanzen oder Personalentwicklung, berichtet Personalmanagement-Direktor Peter Rausch. Aktuell stehe man vor Abschluss einer Betriebsvereinbarung zum Homeoffice. "Damit wollen wir klar definieren, in welchen Funktionen mobiles Arbeiten möglich ist." Denn: "Zeitsouveränität ist ein hohes Gut. Es muss der Vergangenheit angehören, dass man für einen Handwerker-Termin einen Tag frei nehmen muss."

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