+
Bad Vilbeler Stadträtin Heike Freund-Hahn (FDP) ist seit zehn Jahren begeistert vom Segeln.

Wenn Politiker in See stechen

Seit Jahrtausenden segeln die Menschen auf den sieben Weltmeeren umher. Doch eine hessische Tugend ist das Segeln vermutlich noch nie gewesen. Das Gegenteil wollen die beiden Dortelweiler Herbert Anders und Heike Freund-Hahn einmal mehr beweisen, denn sie brechen heute zu einer Segelregatta an die Ostsee auf. Die beiden Lokalpolitiker sind nämlich erfahrene Segler.

Seit 1997 wird der Hessencup ausgerichtet, ein Wanderpokal, für dessen Erhalt sich zahlreiche Hessen in das maritime Leben stürzen müssen. Hessische Segelvereine sind teilnahmeberechtigt, so auch der Fahrtensegler-Club Königstein. Diesem gehören auch zwei Bad Vilbeler an, und zwar der Dortelweiler Ortsvorsteher und Stadtverordnetenvorsitzender Herbert Anders (CDU) und die Sozialdezernentin und Stadträtin Heike Freund-Hahn (FDP).

„Die Affinität zum Wasser war eigentlich schon immer da. 1952 habe ich mit dem Segeln angefangen“, berichtet Anders. Das Segeln sei in Hessen zwar auf dem Edersee möglich, doch nutze er für das Hobby vor allem die Ostsee. Eine moderne Segeljacht wartet auf die beiden Dortelweiler, 12,5 Meter lang, drei Masten und 23 Meter hoch. Das gecharterte Schiff kann von einer Crew, bestehend aus fünf bis sechs Mann (oder Frau), gefahren werden.

„Die Regatta hat einen gewissen Anspruch, und das ist auch der Unterschied zu einem Urlaubstörn auf dem Mittelmeer. Es sind erfahrene Segler an Bord, und die Zeit zwischen Start und Ziel wird auf die Sekunde gemessen“, berichtet Anders. Gestartet wird am Sonntag auf Fehmarn. Mit zwei Eingewöhnungsetappen beginnt die Woche auf hoher See. Diese führen die teilnehmenden Schiffe ins dänische Gedser und von dort nach Stubbeköbing, ebenfalls in Dänemark.

Weitere Stationen sind Warnemünde, Grömitz, dann geht es zurück zum Start, der Burgtiefe auf Fehmarn. Zwischen 30 und 40 Seemeilen lang sind die einzelnen Etappen, lediglich die letzte Strecke vor dem Ziel umfasst nur noch 18 Seemeilen. Eine Zeit, die sie erreichen wollen, haben sich die Dortelweiler nicht gesetzt: „Es ist nicht abzuschätzen, wie lange wir für die Etappen brauchen werden, und wir können uns deshalb auch kein zeitliches Ziel setzen“, meint Herbert Anders. Schließlich sei das Segeln stark wetterabhängig, und gerade im Mai sei das Wetter in der Ostsee alles andere als berechenbar: „Wir haben schon alles erlebt. Schnee, Hagel, Stürme und Dauerregen“, erinnert sich Anders.

Doch ganz schlimm seien die gefürchteten Flauten, denn ohne Wind kommt das Boot nicht vorwärts. „Jedes Jahr ist die Regatta deshalb etwas ganz anderes“, findet der Dortelweiler Ortsvorsteher. Von Platz zwei bis acht habe man schon alles belegt. Zwölf Teams segeln in der Gruppe F mit, in der auch Freund-Hahn und Anders antreten. „Erster waren wir noch nie, ich möchte natürlich gerne vorne mit dabei sein“, sagt Anders, doch „wir sind da alle sehr entspannt“. Das zeigt allein der Teamname, wie Heike Freund-Hahn anmerkt: „Extra Fun“. „Und genau das werden wir haben“, sagt sie, „besonders viel Spaß.“

Vor zehn Jahren habe Herbert Anders sie zum Segeln gebracht. „Dann habe ich alle nötigen Scheine gemacht und bin seitdem mit dabei“, berichtet die Sozialdezernentin. Mit den anderen Team-Mitgliedern bilde man eine eingeschworene Truppe, sehe sich nur dieses eine Mal im Jahr. „Es ist eine ganz tolle Sache“, sagt sie.

Am Freitag geht es für beide los in Richtung Ostsee, Samstag werde das Schiff überprüft, um notfalls noch Reparaturen vornehmen zu können, bevor das Team am Sonntag in See sticht. „Segeln ist Mannschaftssport. Man muss sich aufeinander verlassen können.“ Freund-Hahn selbst habe schon einmal einen Mitsegler vor einem Sturz ins Wasser bewahrt. „Wenn jemand den Halt verliert, packt ein anderer sofort zu. Das schweißt zusammen“, findet sie.

Körperlich anstrengend sei das Segeln allemal. Herbert Anders habe als Skipper die Verantwortung über Crew und Schiff, das mache er großartig, erwähnt die Dortelweilerin. Nun liegen für beide letzte Vorbereitungen an. „Man muss alles zusammensuchen“, weiß Freund-Hahn. Schließlich müsse man auf die raue See vorbereitet sein. „Das Wasser wird nicht nur von unten kommen“, ist sie sich sicher. „Im Mai ist es außerdem immer kalt auf der Ostsee.“ Und doch können es die beiden Dortelweiler kaum noch erwarten, endlich in See zu stechen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare