An den gymnasialen Oberstufen, wie hier am Georg-Büchner-Gymnasium, könnte es bald enger werden. Die neuesten Pläne aus Wiesbaden führen im schlimmsten Fall zu weniger Kursangeboten oder größeren Kursen.
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An den gymnasialen Oberstufen, wie hier am Georg-Büchner-Gymnasium, könnte es bald enger werden. Die neuesten Pläne aus Wiesbaden führen im schlimmsten Fall zu weniger Kursangeboten oder größeren Kursen.

Vilbeler Schulen müssen knapp kalkulieren

Die Wiesbadener Nullnummer

  • vonDieter Deul
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Gut im Rechnen müssen jetzt nicht nur die Grundschüler und Abiturienten sein – auch den Schulleitungen wird knappes Kalkulieren abverlangt. Das Kultusministerium verspricht mehr Lehrerstellen für Förderangebote, hat aber die Stundenzuweisung vorher kräftig gekürzt. Die Folge: An Grundschulen und Gymnasien gibt es größere Klassen oder weniger Angebote.

Kurz vor dem Schuljahresende hat in den Schulen das große Planen begonnen. Hintergrund ist eine gut gemeinte Umschichtungsaktion des Kultusministeriums. Es sollen Stellenressourcen umverteilt werden, heißt es offiziell aus Wiesbaden, um Ganztagsschulen, die Inklusion, den sogenannten Sozialindex (Förderung in sozialen Brennpunkten) und Deutschfördermaßnahmen stärker unterstützen zu können.

Doch die vermeintliche Besserstellung erweist sich als Nullsummenspiel, da zuvor Stundenzuweisungen gekürzt worden sind. Flüchtlinge und das Ganztagsangebot sollen von Wiesbaden aus unterstützt werden, „aber es gibt keine neuen Stellen“, betont Evelyn Neumann, die Leiterin der Saalburg-Grundschule.

So gebe es bislang eineinhalb zusätzliche Stunden pro Klasse wöchentlich. Künftig werde das aber nach Klassengröße gestaffelt. Bis 17 Schüler eine halbe Stunde, von 18 bis 21 Schüler eine Stunde und erst über 21 die bisher allen gewährten eineinhalb Stunden. Weil es aber an der Saalburgschule kleine Klassen gebe, bedeute das sechs Stunden weniger in der Woche. Für den Ganztag gelte das schon, da seien keine zusätzlichen Mittel zu erwarten. Neumann räumt ein, mit der Stundentafel für die Lehrer sei ihre Schule „weiterhin gut besetzt“, aber es würden wohl einige Dinge weniger angeboten werden können.

Ein zentrales Anliegen des Kultusministeriums ist die Sprachförderung von Migranten, insbesondere von Flüchtlingskindern. Derzeit gebe es an der Saalburgschule für neun Kinder ohne Deutschkenntnisse die Hauptsprache Deutsch. Doch habe sie noch keine Zuweisung für die Sprachförderung nichtdeutscher Schüler erhalten. „Ich hoffe, dass die Entscheidung noch vor dem Ende des Schuljahres fällt, um den künftigen Stundenplan zu gestalten“, sagt Neumann. „Noch kann ich nicht jammern“, merkt sie an.

Bei den Förderangeboten geht es nicht nur um Deutsch, es gibt auch Extraförderkurse in Mathematik und für Seiteneinsteiger. Im vergangenen Jahr gab es 14 Stunden zusätzlich für Deutsch für Ausländerkinder und zwei weitere für die Förderung der beiden Flüchtlingskinder an der Saalburgschule. Im Laufe des Schuljahres kamen aber sieben weitere Kinder ohne Deutschkenntnisse dazu, ohne dass die Ressourcen an Stunden aufgestockt wurden. Neumann ist zuversichtlich, dass die Veränderungen letztlich glimpflich verlaufen.

„Ins Minus wird es nicht gehen“, hofft sie, ganze Angebote seien nicht bedroht. Allerdings könne eine Folge sein, dass statt fünf künftig acht Kinder in einer Fördergruppe sitzen werden oder Seiteneinsteigerkinder aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Alters in einer Gruppe gefördert werden müssen. Da müsse man eben Schwerpunkte setzen, meint Neumann – auch mit der Folge, dass manche Schüler dann gar nicht mehr gefördert würden.

Den Schulen würden immer mehr Aufgaben zugewiesen, Inklusion, Flüchtlingskinder. „Unter diesen Vorgaben müsste der Bildungsetat aufgestockt werden“, fordert die Grundschulleiterin.

Auch am Georg-Büchner-Gymnasium hat die Umverteilung Folgen. „Die reduzierte Zuweisung von Lehrerstunden für die Oberstufe im kommenden Jahr bedeutet für das GBG eine Einbuße von zirka zwölf Stunden“, erläutert Schulleiterin Claudia Kamm.

Wenn in drei Jahren alle Oberstufenschüler in die reduzierte Lehrerstundenzuweisung einbezogen werden, bedeute dies – auf Grundlage der jetzigen Schülerzahlen in der Sekundarstufe II – eine Verringerung um etwa 40 Lehrerstunden. „Dies bedeutet entweder ein reduziertes Kursangebot oder eine Vergrößerung der Kurse“, befürchtet Kamm.

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