Trotz Leinenzwang

Wildernder Hund hetzt Rehe in Vilbel zu Tode

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Die Zahl der Wildrisse durch Hunde und der Vorfälle, bei denen Spaziergänger, Sportler oder Passanten – wie zuletzt die Gronauerin Gisela Rohde – von Hunden im besten Fall nur angesprungen werden, nehmen zu. Die Bad Vilbeler Jagdpächter und Jagdaufseher schlagen angesichts der beiden jüngsten Wildrisse Alarm.

Betroffenheit löst die Gleichgültigkeit vieler Bürger gegenüber dem Leid der Wildtiere aus. Probleme verursachen unbelehrbare Hundehalter, die ihre – meist nicht ausgebildeten – Vierbeiner in der Vilbeler Feldgemarkung und im Wald frei laufen lassen. Dem Satz „Er will doch nur spielen!“ hält Jagdaufseher Frank Geitzhaus Fotos von zwei Wildrissen entgegen.

Da wird im Juni eine Rehgeiß unterhalb des Heilsbergs im Bereich des Russenwäldchens von einem oder mehreren Hunden in einen offenen Garten gehetzt. Das Reh will in seiner Panik durch ein schmiedeeisernes Tor entkommen. Doch das wird für die Rehgeiß zur tödlichen Falle. Sie bleibt zwischen den Stäben hängen, verendet aufgeschlitzt und blutend über mehrere Stunden lang.

„Für zusätzliche Tragik in diesem Fall sorgt die Tatsache, dass das Gesäuge der Rehgeiß voller Milch war. Für mindestens zwei abgelegte Rehkitze war dies ebenfalls das Todesurteil. Sie sind innerhalb eines Tages verendet oder Opfer von Füchsen geworden.“

Der zweite Fall ereignete sich in der vergangenen Woche. Da macht ein Bauer, der eine Wildäsungsfläche mulchen will, einen grausigen Fund direkt am Waldrand im Erzweg. Dort liegt der Kadaver eines Rehbocks im Gras, der, wie die Bissspuren zeigen, eindeutig von einem Hund gerissen wurde.

„Ein mittelschwerer Hund reicht aus, um ein Reh zu reißen. So einen Fall hatten wir bisher noch nie in Bad Vilbel. Auch dieser Rehbock ist qualvoll verendet. Erschreckend ist die Gleichgültigkeit der Leute, die den Fund, der dort geschätzte fünf Tage direkt am Spazierweg liegt, nicht gemeldet haben. Ein Trampelpfad rund um den Rehbock zeigt, dass dort immer wieder Schaulustige vorbeigelaufen sein müssen.“

Deshalb appellieren die bestürzten Jäger an alle Hundehalter, Spaziergänger oder Sportler, Meldung zu machen. Sei es, dass sie beobachten, wie ein Hund oder mehrere Wild hetzen, oder sie einen Wildriss entdecken. Das sei kein großer Aufwand, hätten doch die meisten Leute ein Handy dabei.

Ein kurzer Sachverhaltsbericht (wo, wann, was) unter Angabe einer Telefonnummer für eventuelle Rückfragen sei eine große Hilfe. Sollte ein Foto vom Riss oder der Hetzjagd vorhanden sein, umso besser.

Damit könnten die Bürger ein Zeichen setzen und ermöglichten es den Ordnungsbehörden, gegen wildernde Hunde und pflichtvergessene Halter vorzugehen. Die Polizei könne dann den zuständigen Jagdpächter des Reviers, im Fall des Vilbeler Waldes Björn Nyquist, oder seinen Jagdaufseher Frank Geitzhaus verständigen.

Und sie trügen mit ihrer Meldung dazu bei, das Überleben von Wildtieren in der hiesigen ausgeräumten Kulturlandschaft zu sichern. „Die Mehrheit der schweigenden Hundehalter deckt die schwarzen Schafe auf Kosten der Wildtiere. Wild wie das heimische Rehwild erkennt einen Hund als Nachkommen des Wolfes, also als natürlichen Feind. Deshalb nimmt es immer panisch Reißaus.“

Im Wald und auf allen Wegen rundum gilt Leinenpflicht. Die wird aber bei weitem nicht von allen eingehalten. Eine Hundehalterin, die ihren Vierbeiner frei herumlaufen lässt, entgegnet den Jägern, dass es kein Problem sei, wenn ein Hund ein Reh hetze. „Das Reh ist ein Fluchttier und muss das vertragen.“

Dazu sagt der Jäger: „Ein gehetztes Reh erleidet einen Nervenschock. Entkommt es, verstirbt es meist später.“ Ein ganz Schlauer sagt zum Thema wildernde Hunde: „Mein Hund hat noch nicht so viele Rehe getötet wie Sie.“ Dazu der Jäger: „Die meisten Rehe werden im Straßenverkehr oder von wildernden Hunden getötet. Der gesetzliche Abschussplan sieht vor, zehn Rehe im Jahr zu erlegen, um den Bestand zu regulieren.“

Jäger verstehen sich als Anwälte der Wildtiere, legen für sie Äsungsflächen an, um Rehen, Hasen, Singvögeln und Bodenbrütern Nahrung zur Verfügung zu stellen, damit sie über den Winter kommen. Im Winter sei der Bestand an Wildtieren im Wald höher als zu allen anderen Jahreszeiten.

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