Die Arbeiter heben einen Kanal für das Grundwasser aus. Damit die Stadthalle später nicht schwimmt, sind knapp 500 Auftriebssicherungen verbohrt worden.

Baustelle

Erste Phase der Stadthallen-Baustelle steuert auf Endspurt zu

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Es ist das wohl größte Loch, das je in Bad Vilbel ausgehoben wurde: Die Baustelle zur neuen Stadthalle. Seit September arbeiten die Bagger unermüdlich, und nachdem es bisher nur in die Tiefe ging, soll in knapp einem Monat endlich in die Höhe gebaut werden. Zuvor haben die Vilbeler allerdings die Chance, die Baugrube zu begehen. Wir haben uns schon mal dort umgesehen.

Mirko Lunic ist kein Freund von Wasser. Als Bauleiter der imposanten Stadthallen-Baustelle ist er der Herr und Meister über das gigantische Loch neben dem Kurhaus. In Gummistiefeln, die tief in den schlammigen Boden einsinken, steht er mitten in der Baugrube: "Wir sind hier tiefer als die Nidda", betont er. Kein Wunder also, dass die ockerfarbene Erde extrem matschig ist, die Bauarbeiten finden auf Grundwasserniveau statt.

Noch befindet sich die Baustelle in ihrer ersten Phase: Aushub und Gründung. In knapp vier Wochen soll das nasse Erdreich mit einer sogenannten Sauberkeitsschicht aus Beton überzogen sein, auf dieser kann dann schließlich die Bodenplatte gebaut und der Rohbau hochgezogen werden.

498 Pfähle im Boden

Doch bis es so weit ist, stehen Lunic und seine Bauarbeiter vor einer heiklen Mission: Sie müssen verhindern, dass die Stadthalle zum Boot wird. Bis hinab in sieben Meter Tiefe reicht die Baugrube und genau so weit unter der Erde wir auch der Boden der Tiefgarage liegen. Drückt nun in Hochwasserzeiten der Grundwasserpegel nach oben, könnte sich theoretisch die gesamte Stadthalle anheben.

Um das zu verhindern, werden derzeit 498 sogenannte Mikropfähle ins Erdreich gebohrt. Diese reichen knapp zehn Meter in die Erde und sollen durch Reibung den Auftrieb der Bodenplatte verhindern: "Die funktionieren im Grunde wie ein riesengroßer Dübel", erklärt der Bauleiter.

Seit 2010 arbeitet der gebürtige Kroate als Bauingenieur, seit 2015 für das deutsche Unternehmen MSB, doch dieses Loch gehört zu seinen größten. 60 Prozent der Auftriebssicherungen sind bereits verbaut, Stress kommt in der Baugrube, unter den 30 Bauarbeitern, jedoch keiner auf. Noch läuft die Ausschreibung für den Rohbau. Zeitdruck verspürt Lunic daher keinen.

So stiefelt er entspannt von dem großen Bohrer für die Mikropfähle zu einem Bagger, der gerade eine schmale, etwa ein Meter tiefe Spur gräbt. Sofort läuft der Graben mit Wasser voll – später wird er als Kanal für das Grundwasser dienen und dieses unter der Stadthalle hindurchführen.

Gefiltert in die Nidda

Damit die Bauarbeiten garantiert im Trockenen stattfinden können, wurden in der Baugrube zehn sogenannte Entspannungsbrunnen gebohrt. Diese reichen in abermals neun Meter Tiefe und sind mit einem Schwimmschalter ausgerüstet. Steigt das Grundwasser an, wird es sofort weggepumpt und gefiltert in die Nidda gelassen.

Denn nichts darf dem Zufall überlassen werden, zumal die Baustelle mitten in einem Heilwasserschutzgebiet liegt. "Das ist etwas besonders, wir können hier nicht mit gewohnten Abläufen arbeiten", erklärt Lunic. So dürfe im Beton etwa keine Flugasche vorkommen. Und auch das denkmalgeschützte Kurhaus erfordert besondere Beachtung: 93 bis zu 13 Meter tiefe Pfahlwände sorgen dafür, dass das Kurhaus nicht in die Baugrube fällt.

Was nach einer absurden Gefahr klingt, wirkt von unten aus dem Riesenloch betrachtet gar nicht mehr so weit hergeholt. Und noch eine weitere Überraschung zeigt sich beim Besuch der Baugrube: Von innen wirkt sie sehr viel kleiner als von außen. Beachtliche 8500 Quadratmeter umfasst die Grubenfläche und erfreut sich gründlicher Betrachtung der Vilbeler: "Eltern mit Kindern stehen hier manchmal zwei bis drei Stunden am Zaun", freut sich Lunic. Die Stadt habe den Bauzaun neben dem Kurhaus daher bewusst nicht abgehängt, erklärt Stadtmarketing-Chef Kurt Liebermeister.

Er freut sich, am Samstag den Vilbelern die größte Baustelle der Stadt aus nächster Nähe präsentieren zu dürfen und zahlreiche Fragen zu beantworten. Nur zu zwei Fragen kann er keine Antwort geben: Wie könnten sich die Kosten entwickeln und wann ist die Halle vollendet? "Dafür ist es noch viel zu früh", betont er, doch was auch kommen mag: Bei Mirko Lunic sieht er seine Baustelle in den besten Händen.

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