Zu Gast in Vilbel

Wirbel um Zirkus Belly: Tierschützer laufen Sturm

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Am heutigen Mittwoch steht die Premiere des Zirkus Belly Wien in Bad Vilbel an. Doch die Tierschutzorganisation Peta greift den Zirkus scharf an, spricht von Tiermisshandlungen. Ein Vorwurf, der von der Stadt dem Wetteraukreis und auch den Zirkusleuten selbst entkräftet wird.

Betritt man aus Richtung Büdinger Straße das Bad Vilbeler Festgelände, sieht man sie sofort, die Elefanten des Zirkus Belly Wien, der derzeit in Bad Vilbel Station macht. Ein Tierpfleger ist bei ihnen, die Dickhäuter strahlen Ruhe aus. „Woanders ist das Gras immer etwas grüner“, denken sie sich wohl und versuchen immer wieder, mit ihrem Rüssel über die Absperrung zu langen, um von dort zu fressen. Der Tierpfleger greift ein, schiebt die 50 Jahre alte Elefantendame Seila wieder behutsam zurück.

Den Einsatz dieser Stangen allerdings bezeichnet die Tierschutzorganisation Peta als Tierquälerei. „Elefanten werden im Zirkus mit dem sogenannten Elefantenhaken – einem Stock mit einem spitzen Metallwiderhaken – gefügig gemacht. Nachts sind die sensiblen Rüsseltiere üblicherweise an zwei Beinen im Stallzelt angekettet. Durch die mangelhaften Haltungsbedingungen leiden Elefanten in Zirkusbetrieben an Verhaltensstörungen, etwa an dem für Elefanten im Zirkus typischen Weben. Dabei schwingen die Tiere mit Kopf und Rüssel hin und her. Diese Verhaltensstereotypie ist ein Anzeichen für schweres seelisches Leiden“, schildert Jana Fuhrmann von Peta.

Doch Kevin van Geet widerspricht deutlich, kennt die Vorwürfe bereits. Der Niederländer war einst Geschäftsführer des Zirkus, kommt heute noch gerne als Ansager hinzu, wenn er nicht gerade mit dem Aufbau eines eigenen Projekt-Zirkusses in den Niederlanden beschäftigt ist. „Jeder Zirkus und jeder Zoo müssen diese Haken haben, das ist vorgeschrieben. Doch die sind nicht scharf. Wir führen damit nur und stechen nicht in sensible Stellen. Sonst würden wir auch sofort die Genehmigung verlieren“, sagt van Geet.

Mit den Haken halte man die Tiere mit einem Gewicht von drei bis vier Tonnen nur in der Führung. „Dagegen gibt es in jedem Tierhandel schwere Ketten mit Dornen für Hunde zu kaufen, die wesentlich leichter sind“, kontert van Geet. Die drei Asiatischen Elefanten seien auch nicht in der Wildnis gefangen worden. „Sie leben seit 45, 50 Jahren hier bei uns, kennen die Wildnis gar nicht“, entkräftet van Geet eine weitere Anmerkung von Peta.

Zirkusse mit Wildtieren sind ein sensibles Thema. Viele Jahre lang reiste der Zirkus durch Europa, doch immer mehr Länder verhängen ein Auftrittsverbot für Wildtiere. Deutschland hat das nicht. Allerdings gebe es in den Niederlanden etwa keine Kontrollen, „hier wird in jeder Stadt kontrolliert“. Das sei auch gut so, es zeige, dass der Zirkus den Tierschutz sehr hoch halte. Und bei allen wirtschaftlichen Interessen, die der Zirkus verfolgt, „Tierschutz ist für uns sehr, sehr wichtig“, beteuert van Geet.

Das bestätigen auch die zuständigen Ämter: „Die von Peta erhobenen Vorwürfe gegen den Zirkus Belly sind hier nicht bekannt“, heißt es dazu von Dr. Rudolf Müller, Leiter des Veterinäramtes des Wetteraukreises. Eine Überprüfung der Tierhaltung soll aber in diesen Tagen erfolgen.

Auch bei der Stadt ist man sich sicher, dass der jetzt gastierende Zirkus zu den vorbildlichen Betrieben der Branche gehört. „Wir als Stadt können den Auftritt der Zirkusse nicht verbieten, denn der Bund als höhere Instanz erlaubt diese“, sagt Stadtsprecher Yannick Schwander und bezieht sich auf eine Peta-Aussage, nach der etwa Stuttgart und Düsseldorf ein Verbot für Zirkusse mit Tieren verhängt habe.

Doch habe Bad Vilbel schon einen Kriterienkatalog. Carsten Feik, Fachdienstleister Gewerbe und Markt bei der Stadt, prüfe zunächst im Internet, ob es Vorwürfe zu einem Zirkus, der in Bad Vilbel gastieren will, gibt. „Dann rufen wir das Veterinäramt an und dann auch Städte, in denen der Zirkus vorher zu Gast war“, schildert Schwander das Vorgehen. Erst dann werde die Genehmigung erteilt. „Und in diesem Fall haben die anderen Tourneestädte einhellig geäußert, dass sie diesem Zirkus jederzeit wieder die Genehmigung erteilen würden.“

Erschwerend sei, dass es oft Namensgleichheiten gebe. So auch im Fall CirCus Renz und Circus Universal Renz. Der Betrieb mit Sitz in Friedberg kam ins Visier der Veterinäre, nachdem dort zwei Elefanten zu Tode kamen. 2013 meldete das Circus Universal Renz schließlich Insolvenz an.

„Schwarze Schafe gibt es leider in der Branche“, bestätigt auch Kevin van Geet. Die Peta-Mitglieder handelten nach ihrer Überzeugung. „Doch wir sind die wahren Tierschützer, geben den Tieren, was sie brauchen“, verweist van Geet auf einen Vorfall in Irland im vergangenen Jahr.

Dort kam es zu Verletzten bei einer Auseinandersetzung zwischen Zirkusmitarbeitern und Peta-Aktivisten. „Man hat ein Auto angezündet, versucht, unser Zelt in Brand zu stecken. Außerdem haben die abgepasst, zu welchem Zeitpunkt nur noch die Inhaberin des Zirkus Diana Zinnecke, ihre Mutter und drei kleine Kinder da waren. Wir haben viel Angst gehabt“, verurteilt er den Angriff.

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